DER INSELBOTE

 

Krabbenbrötchen: Das Leckerli des Nordens

29. Juli 2010 | 04:10 Uhr | Von Lisa Friebel

Kioske für den Brötchenverkauf gehören zur Nordsee wie Robben..

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Husum / Föhr / Sylt. Erst mit dem Krabbenbrötchen beginnt der Urlaub" behauptet das etwa blasse Paar, dass den kleinen Fischladen in Wyk auf Föhr betritt. Eben mit der Fähre angekommen, Gepäck in die Ferienwohnung gebracht und nun endlich der Geschmack nach Nordsee zwischen zusammengeklappten Brötchenhälften. "Bei unseren Gästen sind Krabbenbrötchen die Nummer eins", verrät die freundlicheVerkäuferin bei Loof. "Wichtig sind die ganz frischen Krabben, aber auch die wirklich knackigen Brötchen."

Eigentlich gehört zum Krabbenbrötchen auch nicht mehr. Garniert mit einem Salatblatt drängeln sich die kleinen rosafarbenen Meeresfrüchtchen zwischen den mit Butter oder einer Art Majonäse bestrichenen Brötchenhälften.

Das eigentliche Problem beginnt beim Verzehr. Wer schon darüber klagt, dass Big Mac und Doppelwhopper schwer in den Mund zu bugsieren sind, hat noch kein Krabbenbrötchen gegessen. Denn der Belag hat die Tendenz zum Absturz. Hier der Tipp vom Profi:

"Serviette, so gut es geht, um das Brötchen, den Kopf über den Teller beugen, und dann den Mund ganz weit auf!" Rosmarie Schneider aus dem bayrischen Rosenheim macht mutig vor, wie es geht. Trotzdem purzeln Krabben vom Brötchen. Zum Glück nur auf den Teller.

"Geih mi an Land mit Krabbenbrötchen", sagt Johannes Sönnichsen, der an der Theke des Fischgeschäftes in Husum auf sein Matjesbrötchen wartet. "Porren", wie die Krabben auf norddeutsch heißen, gehören seiner Überzeugung nach auf Schwarzbrot. Schon immer. Oder zu Bratkartoffeln. Am besten mit Rührei oder Spiegelei dazu. Aber auf Brötchen? "Nee, nu wirklich nich." Er erinnert an die Krabbenbuden, die bis vor ein par Jahren direkt am Husumer Hafenbecken standen und deren Besuch ein "Kult"für jeden Urlauber auf dem Weg zu den Inseln war. In Scharen standen die Normalurlauber neben Promis, und kollektiv hätten sie dann zwischen geparkten Autos versucht, ihre Krabbenbrötchen ohne größeres Malheur zu verspeisen. Oberkörper in Vorhalt, den Kopf vorgestreckt, den Hintern gereckt , damit die Oberbekleidung recht weit entfernt vom Brötchen blieb. Lustig anzusehen sei das gewesen. Sönnichsen grient bei der Erinnerung. Aber wirklich elegant wirkt sein Biss in das mit Zwiebelringen belegte Matjesbrötchen nun auch nicht gerade.

"Krabbenbrötchen?" flüstert der Verkäufer bei Fisch Gosch auf Sylt: "Die gehen bei uns unter ferner liefen." Mal ehrlich. Viel leckerer seien doch die gegrillten, scharfen Shrimps mit Knoblauch oder Langusten mit Cocktailsoße. "Krabbenbrötchen sind doch langweilig" raunt er, damit der allgegenwärtige Chef nichts hört.

Langweilig? Eine Touristin hat die Antwort doch verstanden. "Also wirklich! Krabbenbrötchen schmecken eben besonders. Die würde ich auch nirgendwo anders essen als hier an der Nordsee!" Vielleicht, so hatte ein Gast im gläsernen Fischpalast in Husum spekuliert, sei das, was am Krabbenbrötchen so besonders gut schmeckt, kein Geheimnis, sondern ganz einfach das Drumherum: der Urlaub.


 

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