FLENSBURGER TAGEBLATT
Frischer Wind in hohen Lagen
Drei junge Gesichter am Landestheater: (von links) Sophie Witte (27), Svitlana Slyvia (29) und Brigitte Bayer (26). Foto: Michael Staudt
Flensburg. Sie erhellen den Raum mit Charme und Stimme. Sie sind jung - und freuen sich über ihr erstes festes Engagement. Alle drei Sängerinnen haben bereits Auftritte in Großstädten und dort auch ihre Ausbildung genossen. Sie wurden vom Fleck weg ans Landestheater geholt.
So wie Sophie Witte. Der lyrische Sopran nennt als musikalischen Ziehvater den Kammersänger Siegfried Lorenz (Bariton) - bei ihm studierte sie an der Universität der Künste in Berlin. Noch während des Studiums reagierte sie auf einen Aushang am Schwarzen Brett und sang in Flensburg vor. Drei Tage später gab es einen Anruf von ihrer Agentur: Das Engagement war perfekt. "So schlecht kann ich also nicht gewesen sein", sagt die 27-Jährige lachend.
Wurde ihr zunächst nur eine geradezu mikroskopisch kleine Partie als zweiter Knabe in Mozarts "Zauberflöte" zugedacht, traute man ihr später schon die wesentlich anspruchsvollere Rolle der "Papagena" zu.
"Die Zauberflöte": Eine Herausforderung, mit der auch Brigitte Bayer punkten konnte. Die Münchnerin, die bei Prof. Daphne Evangelatos ausgebildet wurde, sang bei Gastspielen in der bayerischen Landeshauptstadt ebenfalls aus Mozarts berühmtester Oper. Allerdings als Soubrette - ein leichter Spielsopran, wie sie sich ausdrückt, mit der sie Rollen wie die Adele in der Operette "Die Fledermaus" von Johann Strauss oder des Ännchens im "Freischütz" besetzte. Die Stimmfarbe ist heller timbriert als der lyrische Sopran, und das stieß beim Landestheater offenbar auf offene Ohren. "Die ’Zauberflöte’ ist der Schlüssel", sagen Brigitte Bayer und Sophie Witte wie aus einem Munde. Der Schlüssel zu einer steilen künstlerischen Karriere?
Die erhofft sich auch Svitlana Slyvia (29). Der Mezzosopran aus der Ukraine studierte fünf Jahre lang an der Musikakademie in Lviv (früher Lemberg) - mit rund 735 000 Einwohnern größte Stadt der Landschaft Galizien. Sie debütierte schon an der Staatsoper in Hamburg. Dass Svitlana nun die Bühnen kleinerer Städte in Schleswig-Holstein betritt, stört sie nicht im Geringsten. "Hier macht das Lernen viel Spaß, es ist eine tolle Arbeitsatmosphäre, und alle sind sehr motiviert."
Findet auch Sophie Witte. Am Landestheater gebe es eine perfekte Symbiose aus positiver Energie und fachlicher Strenge. Brigitte Bayer ergänzt: "Als junge Sängerin fühlt man sich hier geborgen, erfährt größtmögliche Unterstützung." Und immer wieder fällt das Attribut "wohlwollend". Das treffe sowohl auf Ensemble und künstlerische Leitung als auch auf das Publikum zu. "Man hat das bei der ausverkauften Gala am Wochenende erlebt", ist Svitlana voll des Lobes. "Man will seine Seele öffnen, und das gelingt bei diesem Publikum besonders gut."
Sophie sieht das ähnlich, hat aber auch erfahren, dass die Besucher hier nicht so schnell in Beifallsstürme ausbrechen. "Aber sie sind dankbar." Dankbarer gewiss als in mancher Großstadt, in der mit Kritik und Verrissen nicht gespart wird.
Die Dankbarkeit gegenüber Künstlern geht einher mit der Identifikation des Publikums mit "seinem" Theater. Nicht zuletzt deshalb finden es die drei Sängerinnen wichtig, für dessen Erhalt zu kämpfen. "Gerade in Krisenzeiten ist es doch wichtig, einen Gegenpol zu haben. Und das ist die Kunst, das ist die Musik." Sagt Brigitte Bayer. Ihre Kolleginnen nicken - und entschwinden in die Maske.
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