NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU

 

Musikschule - Jubiläumskonzert 300 Jahre Wasmer-Palais

25. Januar 2011 | Von Eberhard Krüger

Viel Applaus gab es für die Künstler (von links) Armin Stein, Richard Nafziger, David Shanban, Regine Schütz, Karin Pawolka, Marc Karsai, Ute Mindner. Foto: Krüger

Glückstadt. Wenn ein Kind Geburtstag hat, geht es darum diesen Anlass gebührend zu feiern. Wie aber auch bei so mancher Diva ist das Alter nicht immer genau bekannt. Ähnlich ist es auch bei dem "Geburtstagskind" Wasmer-Palais. Bei der Sanierung des Gebäudes wurden umfangreiche Untersuchungen zur Altersbestimmung des Holzes gemacht. Außerdem belegen historische Quellen, dass der italienische Stuckateur Andrea Maini schon 1709 in Glückstadt war. Das wurde zum Anlass genommen den 300. Geburtstag zu feiern.

So gestalteten die Lehrer der Musikschule Glückstadt, die neben ihrer Lehrtätigkeit auch im künstlerischen Bereich tätig sind, ein Jubiläumskonzert. Als besonderen Gast hatte die Leiterin der Musikschule Ulrike Wendeborg den Cellisten David Shamban für das Konzert engagieren.

Im Mittelpunkt standen Werke aus der Zeit der Entstehung des Palais. Die 80 Zuhörer fühlten sich in dem Ambiente des Stucksaales um 300 Jahre zurückversetzt. Die Nähe zwischen Zuhörern und Künstlern ließ eine Atmosphäre entstehen, in der Keiner zu husten oder sich zu räuspern wagte. Intensiv und kraftvoll wurden die verschiedenen kammermusikalischen Werke vorgetragen, es fehlten nur die weißen Perücken und die Illusion des Zeitsprunges in die Vergangenheit wäre perfekt gewesen.

Ute Mindner (Flöte) und Richard Nafziger (Klavier) begleiteten den Gesang von Karin Pawolka bei "Seele, lerne dich kennen" von Georg Friedrich Telemann (1681 bis 1767). Danach spielte Richard Nafziger die Sonaten in E-Dur und d-moll von Domenico Scarlatti (1685 bis 1757).

Ein Höhepunkt war der in Israel geborene und jetzt in Schleswig-Holstein lebende Cellist David Shamdan. Als Solist, fast wurde der Eindruck erweckt, dort spielt nicht nur ein Künstler, erklang die Suite für Violoncello C-Dur von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750). Zusammen mit dem jungen ungarischen Pianisten Marc Karsai brillierte das Duo bei der Sonate G-Dur von Johann Sebastian Bach und erhielt dafür lang anhaltenden Beifall.

Der Reiz des Abends lag in der besonderen Mischung der Interpreten und Werke. Die von Karin Pawolka vorgetragenen Arien "Sposa con disprezzara" (Antonio Vivaldi 1678 bis 1741) und "Tornami a vagheggiar" (Georg Friedrich Händel 1685 bis 1759) wurden am Flügel von Regine Schütz begleitet. Bei der Sonate D-Dur von Johann Sebastian Bach zeigte das Duo Shandam-Karsai ihr prächtiges Zusammenspiel, bei dem sie alle Einsätze nur durch kaum wahrnehmbare Körpersprache koordinierten.

Der Abend endete mit "Künft´ger Zeiten eitler Kummer, Flammende Rose, Zierde der Erden" von Georg Friedrich Händel gesungen von Karin Pawolka und begleitetet von Regine Schütz (Klavier) und Armin Stein (Violine).

Das nächste Konzert "Bossa meets Classic" im Stucksaal des Wasmer-Palais hat die Musikschule für Sonnabend, 26. März, 20 Uhr im Rahmen des Kulturmärzes geplant. Auch für dieses Konzert stehen nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen zur Verfügung.

Namensgeber des Wasmer-Palais ist der Erstbesitzer Justiz-, Etats- und Konferenzrat Jacob Johann von Wasmer. Das Palais ist das historisch und kunstgeschichtlich bedeutendste weltliche Bauwerk in Glückstadt. Der Kaminsaal im Obergeschoss wurde um 1710 von dem italienischen Stuckateur Andrea Maini aufwendig gestaltet, er ist zuvor Stuckateur im Kloster Ottobeuren gewesen.

Dieser Stucksaal ist einer der beachtlichsten barocken Innenräume des Landes. Das Wasmer-Palais war Sitz des Obergerichts und der Regierungskanzlei. Hier erklärte 1807 Dänemark England den Krieg, nachdem die englische Flotte Kopenhagen beschossen hatte und nur die Glückstädter Regierungskanzlei noch funktionsfähig war. Als die glanzvollen Zeiten vorüber waren, wurde die Nutzung mehrfach geändert. Es war Herberge für das Wachkommando der Strafanstalten, Marinelazarett, Kreiskrankenhaus und Schule. Heute wird das Gebäude von der Volkshochschule und der Musikschule genutzt.


 

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