NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU

 

Plattdeutsch - lebendig wie vor 1600 Jahren

14. Januar 2013 | 00:10 Uhr | Von kgo


Zweisprachiger CDU-Neujahrsempfang mit (v. li.) Heiner Rickers, Ralph Busch, Heiko Gauert und Heinz Köhnke. Foto: Götz

Zweisprachiger CDU-Neujahrsempfang mit (v. li.) Heiner Rickers, Ralph Busch, Heiko Gauert und Heinz Köhnke. Foto: Götz

Itzehoe. CDU-Ortsvorsitzender Heinz Köhnke kann es. Kreisvorsitzender Heiner Rickers auch. Der Itzehoer Fraktionsvorsitzende Ralph Busch nicht. Aber er hat gestern viel darüber gelernt: Plattdeutsch. Das stand im Mittelpunkt des Neujahrsempfangs des CDU-Ortsverbands und der Fraktion. Der war natürlich zweisprachig. Denn die Frage "Is Platt düütsch noch modern?" konnte Heiko Gauert, Schulrektor in Hohenlockstedt und Mitglied im Bundesrat Niederdeutsch, nur auf eine Weise beantworten: op Platt. Und das tat er so humorvoll wie lehrreich.

Er setzte ein Ausrufezeichen hinter die Modernität des Plattdeutschen. Auch wenn seine Wurzeln mehr als 1600 Jahre zurückliegen. Unter den germanischen Stämmen gab es einen, in dem Platt gesprochen wurde - die Sachsen. Die Sachsen?! Da machte manch ein Zuhörer große Augen. Schließlich klingt das, was man heute so in Leipzig hört, doch ganz und gar nicht nach Plattdeutsch, wie Gauert vorführte. Kann es auch nicht, denn das heutige Sächsisch sei eigentlich Thüringisch, erläuterte er. Aha!

Sehr viel dichter dran ist da schon das Englische. Schließlich waren es ja auch die Sachsen, die die britische Insel eroberten. "Wenn wir Plattdeutschen nur ein bisschen mehr Selbstbewusstsein hätten", meinte Gauert, "würden wir sagen: Die Weltsprache, die heißt nicht Englisch..."

Doch um das Selbstbewusstsein ist es nicht mehr so gut bestellt, seit das Plattdeutsche nicht mehr die nordeuropäische Verkehrssprache ist, die es im Mittelalter war. Schuld daran ist Martin Luther. Mit seinen Bibelübersetzungen hielt die Kanzleisprache Einzug, der Niedergang des Plattdeutschen begann. "Und er ist kaum zu stoppen", bedauerte Gauert. Wenn man die Kinder nicht wieder ans Plattdeutsche heranführe, sei das Ende absehbar. Plattdeutsch sei kein Dialekt, sondern eine Sprache. "Den Stolz darauf haben wir leider vergessen."

Ganze Radio- und Fernsehsender nur op Platt werden wohl Gauerts Traum bleiben. Doch Bestseller wie die Harry-Potter-Romane gibt es op Platt. Auch in Medien wie unserer Zeitung erscheinen regelmäßige plattdeutsche Rubriken. Gauert musste schon Kritik einstecken, weil er aktuelle politische Themen auf Platt behandelte, inklusive Zitat des US-Präsidenten Barack Obama. Der, so wurde moniert, "spricht doch gar kein Platt". Aber Plattdeutsch sei eben nicht nur gut für Theater und Döntjes. "Es ist eine Volkssprache, die auch das Herz manchmal auf der Zunge trägt." Das wussten schon die alten Römer, wie ein Blick in die plattdeutsche Ausgabe von Asterix und Obelix zeigt: "Cäsar sprach Platt. Alles andere ist ein historischer Irrtum."


 
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