NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU

 

Zum letzten Mal Boote im Hafen

18. April 2011 | 04:30 Uhr | Von Hermann Schwichtenberg

Ein Bild, das Geschichte schreibt: Zum letzten Mal wurden die Boote des Münsterdorfer Yacht-Clubs im Hafen eingesetzt. Foto: sch

Wenn im Sommer ein Sielbau errichtet wird, können die Münsterdorfer Segler den Hafen nicht mehr erreichen

Münsterdorf. Gerade mal zwei Stunden dauerte es, dann hatte Klaus Möller aus Krumstedt mit seinem Kran, der bis zu 90 Tonnen heben kann, elf Segel- und Motoryachten vom Ufer aus in den Hafen an der Münsterdorfer Schleuse gehoben. Für die Mitglieder des Münsterdorfer Yacht-Club (MYC) kann die neue Saison nun beginnen. Das Schauspiel verfolgten zahlreiche Schaulustige. Auch sie wussten, dass sich für die MYC-Mitglieder das "Boote zu Wasser lassen" in dieser Form nie mehr wiederholen wird. Dort wo jetzt noch Schleusentore stehen und Zu- und Ablauf des Wassers in und aus dem Hafenbecken regeln, wird im Sommer ein Sielbau errichtet. Der künftige Durchlass wird für Schiffe zu klein sein.

"Ich gehe davon aus", dass die Arbeiten Mitte Juni beginnen können. Die Ausschreibung ist raus", sagte Breido Graf zu Rantzau, Eigentümer des Hafenbeckens und der Schleusenanlage, in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Der Grund für die strukturelle Veränderung im Bereich Breitenburger Moorkanal/Stör: Sollte die Schleusenkammer weiterhin als Sportboothafen nutzbar bleiben, so müsste jetzt ein abgängiges Schleusentor ausgewechselt werden. "Es stammt aus den 1950er Jahren", berichtet Breido Graf zu Rantzau, und es weise erhebliche Schäden auf. Letztlich hätten wirtschaftliche Überlegungen dazu geführt, an der Breitenburger Schleuse ein festes Siel zu errichten. Denn mit der Auswechselung des einen Flügeltores wäre auf Sicht keine Besserung eingetreten. "In 20 Jahren wäre das andere dran", betonte Breido Graf zu Rantzau, der noch auf einen weiteren Umstand hinwies: "Das gesamte Mauerwerk im Schleusenbereich muss betrachtet werden. Es ist alt und war in den vergangenen 100 Jahren ständigem Wasserwechsel ausgesetzt." Die Gezeiten hätten ihm zugesetzt.

Weil die "Münsterdorfer Schleuse" aber benötigt werde, um 8000 Hektar Land - bis hinein in die Kreise Segeberg und Pinneberg - zu entwässern, könne auf sie nicht verzichtet werden. Für die Entwässerung ist der Wasser- und Bodenverband Hörnerau zuständig. Breido Graf zu Rantzau: "Wir werden ein Sielgebäude errichten, für das 900 000 Euro veranschlagt sind." 70 Prozent der bezuschussungsfähigen Kosten trägt das Land, den Rest teilen sich die Gutsverwaltung Breitenburg und der Wasser- und Bodenverband Hörner Au. Wenn alles planmäßig verläuft, werden die Arbeiten im Herbst abgeschlossen sein.

Die Mitglieder des MYC haben sich auf die neue Lage eingestellt. Sie wollen innerhalb der Stör eine zweite 50 Meter lange Schlengelanlage für die Boote errichten. Etwa zehn Boote werden dort dann liegen können. Axel Kahl, Vorsitzender im MYC: "Dafür müssten aber noch fünf Dalben gesetzt werden. Wir versuchen, das innerhalb der Sielbaumaßnahme zu realisieren, wissen aber, dass die finanziellen Aufwendungen noch zu klären sind." Zu seiner Freude habe sich kein Bootseigner aus dem Verein verabschiedet. "Alle wollen auch zukünftig bei uns mit Hand anlegen."

So wie die Vereinsmitglieder, die am Sonnabend an der Hafenanlage standen und die neue Saison vorbereiteten. Mit Blick auf die vergangenen Jahre sagte Vereinsjugendwart Peter Löschke: "Da geht eine Geschichte zu Ende. Über 30 Jahre haben wir das so gemacht." Zukünftig werden die Boote dann wohl statt in den Hafen über den Deich direkt in die Stör gehoben werden müssen.




 

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