NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU

 

Zeichen für Zivilcourage gegeben

03. September 2010 | 04:40 Uhr | Von Joachim Möller

Schlie

Kellinghusen. Die rechtsextremistische Szene wütete in den vergangenen Jahren in Kellinghusen schlimmer als bisher bekannt. Das zeigt die jetzt herausgegebene Broschüre "Der Ungeist kehrt wieder - Eine Stadt wehrt sich gegen ihre rechtsextreme Szene" auf. Brandanschläge gegen die Polizei, diverse Hakenkreuzschmierereien und vor allem die Hetze und zahlreichen Übergriffe gegen einen engagierten Lehrer der Gemeinschaftsschule - in diesem Ausmaß waren die rechtsradikalen Taten nicht bekannt. Die Vorstellung der Dokumentation stand im Mittelpunkt der "3. Kellinghusener Friedenstage", zu der Stadt und Kriminalpräventiver Rat Mittwochabend eingeladen hatten.

Dass das Thema interessierte, zeigte der volle Bürgerhaussaal mit über 100 Besuchern, darunter auch der schleswig-holsteinische Innenminister Klaus Schlie. Aber auch Rechtsextremisten interessierten sich nach Erkenntnissen der Polizei für die Veranstaltung. Deshalb wurden neben den Kellinghusener Polizeikräften kurzfristig noch zahlreiche weitere Beamte nach Kellinghusen beordert, um einen reibungslosen Verlauf zu gewährleisten. Dies gelang auch, Zwischenfälle gab es nicht.

Dass die Kellinghusener den rechtsextremen Vorfälle und Straftaten nicht tatenlos zusehen, würdigte in seinem Grußwort Innenminister Klaus Schlie. Er lobte das couragierte Eintreten zahlreicher Kellinghusener gegen rechtsextremistische Tendenzen in ihrer Stadt. "Sie haben in vorbildlicher Weise ein herausragendes Zeichen für Zivilcourage und gesellschaftliche Verantwortung gegeben", so Schlie. Beispielhaft nannte der Minister die lokale Bürgerinitiative "Kellinghusener Stadtwege zu Mitmenschlichkeit" und das Gemeinschaftsprojekt der damaligen Realschule und der Polizeizentralstation Kellinghusen, das im Jahr 2005 mit zahlreichen Veranstaltungen und Berichten von Zeitzeugen die Rolle der Stadt und der Polizei während der Zeit das Nationalsozialismus beleuchtet habe. Auch das Land werde weiter konsequent gegen Rechtsextremismus vorgehen. "Wir müssen deutlich machen, dass wir in einer demokratischen Gesellschaft den Rechtsextremismus nicht dulden."

Einig war sich Schlie mit den fünf Kellinghusener Kommunalpolitikern, die an der anschließenden Podiumsdiskussion "Rechtsextremismus in Kellinghusen" teilnahmen, dass jeder Bürger Zivilcourage gegen rechtsextreme Tendenzen zeigen müsse - bei der Arbeit, in der Freizeit, aber auch im Familienkreis. Unter der Moderation von Christa Limmer von der "Aktion Kinder- und Jugendschutz" diskutierten Stephan Reichel (CDU), Oliver Knebusch (Kellinghusener Liste), Rüdiger Wehrhahn (SPD), Volkmar Eilrich (FDP) und Henning Schlüter (BFK). "Es ist wichtig, Zeichen zu setzen wie diese heute", sagte unter anderem Oliver Knebusch. Auf die Frage von Christa Limmer, was Kommunalpolitik konkret gegen Rechtsextremismus tun könne, hatten die Politiker allerdings kein Patentrezept, das über den Ausbau der Freizeitangebote für Jugendliche hinausging. Auch Schule und vor allem das Elternhaus seien hier gefragt, so die Diskussionsteilnehmer. Deutlich wurde aber auch, dass es in Kellinghusen bereits zahlreiche Angebote für Jugendliche in Vereinen und Verbänden gebe und auch Stadt, Polizei und andere Institutionen viel gegen Rechtsextremismus auf die Beine stellten. Fazit von Volkmar Eilrich. "In Kellinghusen sind wir auf einem guten Weg, den wir aber noch weiterbeschreiten und ausbauen müssen."

Passend zum Thema Zivilcourage stand auch das Gedenkwort von Heinz-Jürgen Heidemann, der den Text "Sag nein" von Wolfgang Borchert vorlas. Zwischen den einzelnen Textbeiträgen spielten Matthias Pufall und Kathi Mandt von der Musikschule der Itzehoer Volkshochschule einige Violinenstücke.


 

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