NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU

 

Vierbeiniger Azubi hilft Patienten

02. November 2010 | 04:05 Uhr | Von Angela Schmid

Ursula Schulz feierte gestern ihren 90.Geburtstag und freute sich über Therapiehund Clara auf dem Schoß von Nina Mews.Sie hatte die Idee zu dieser Art von Therapie. Foto: Schmid

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Brunsbüttel. Geduldig sitzt Clara auf ihrem Stuhl, während die Menschen um sie herum miteinander reden. Clara interessiert das nicht. Ihre ganze Aufmerksamkeit gilt einer Dose mit Leckerli. Intensives darauf Starren hilft dabei, hin und wieder das Herz von Nina Mews zu erweichen. Erst als alles starren nichts mehr nützt und die Dose einfach nicht mehr geöffnet wird, legt Clara ihren Kopf gelangweilt auf den Tisch.

Seit dem 1. September ist die etwa zweijährige Mischlingshündin im Westküstenklinikum (WKK) Brunsbüttel in der Ausbildung. Ihre Aufgabe in der Abteilung für Frührehabilitation und Geriatrie scheint ganz leicht: Sie ist einfach sie selbst und lässt sich ununterbrochen mit Streicheleinheiten verwöhnen. Das WKK hat in Heide bereits gute Erfahrungen mit insgesamt drei Therapiehunden in der Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik gemacht. Ein Einsatz in der Geriatrie ist allerdings Neuland und selbst in ganz Deutschland nur selten zu finden.

Die Idee hatte Hundeliebhaberin und Physiotherapeutin Nina Mews. Seit vielen Jahren setzt sie sich ehrenamtlich für den Tierschutz auf Mallorca ein. Immer wieder hat sie Hunde aus dem Tierheim Ajuncan in Deutschland vermittelt. Auch Clara ist bei ihr gelandet. Doch in die ruhige Hündin hat sich Nina Mews besonders verliebt. Mit ihrem Vorschlag, sie als Therapiehündin einzusetzen, stieß sie in der Klinik auf offene Ohren. "Am Anfang war ich von der Idee ein wenig irritiert", gesteht Axel Schultz, der kaufmännische Leiter des WKK. Doch schnell freundete er sich mit der Vorstellung an, denn nach einigen Recherchen war schnell klar: "Die tiergestützte Therapie ist auf dem Vormarsch." Und mit der Hygiene in der Klinik gebe es keine Problem, betont Schultz.

Gemeinsam mit dem ärztlichen, pflegerischen und therapeutischen Team hat die leitende Oberärztin Christine Guzy ein Konzept entwickelt, dass die tierische Hilfskraft in die Behandlung mit einbindet. Innerhalb kürzester Zeit hat Clara die Herzen der Mitarbeiter und der Patienten erobert. Auch Ursula Schulz ist ein Fan von der Hündin. Die Augen der 90-Jährigen leuchten, wenn Clara ihr den Kopf entgegenstreckt und sich geduldig streicheln lässt. Allein durch das Berühren des Hundes würden die kognitiven Fähigkeiten der Patienten gesteigert, so Christine Guzy. Auch die Psyche der Menschen werde durch den Hund positiv beeinflusst. Und die Anwesenheit von Clara hilft beim Abbau von Ängsten und der Steigerung der Mobilität. Vor allem aber motiviere die Hündin die oft hochbetagten Patienten, bei den Therapien engagiert mit zu machen, so die Oberärztin.

Einschränkungen für den Einsatz des vierbeinigen Azubis gibt es kaum: von der Alzheimer Demenz bis zu chronischen Schmerzen. Durch die Therapie wird die Förderung körperlicher und geistiger Fähigkeiten unterstützt wird. Zudem hilft die Anwesenheit des Tieres bei Stressabbau und Blutdrucknormalisierung. Außerdem sorge sie für eine positive Atmosphäre, so die Oberärztin.

Doch Clara steht erst am Anfang ihrer Möglichkeiten. Bisher hat sie nur die Hundeschule kennen gelernt. Für einen Therapiehund reicht das nicht. Anfang des kommenden Jahres besuchen Frauchen und Hund die "Akademie für Therapie- und Behindertenbegleithunde" in der Nähe von Schleswig. Die Kosten in Höhe von 1000 Euro werden WKK-Förderverein Brunsbüttel getragen.


 

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