WILSTERSCHE ZEITUNG
Stadt verliert Rechtsstreit
Fast drei Jahre dauerte die gerichtliche Auseinandersetzung um die Baumängel am Alten Rathaus. Foto: Schwarck
Wilster. Die Stadt hat einen Rechtsstreit über Baumängel bei der Sanierung des Alten Rathauses vor dem Landgericht Itzehoe verloren. Es ging um eine Schadenssumme von 180 000 Euro, die nun bei der Stadt hängen bleibt. Ein Gutes allerdings hat der Schluss des Verfahrens: Jetzt können endlich die notwendigen Instandsetzungsarbeiten durchgeführt werden, die zuvor wegen des schwebenden Verfahrens ruhen mussten. "Bis zum Gildefest 2011 kann das Alte Rathaus wieder genutzt werden", sind sich Bürgermeister Walter Schulz und sein Stellvertreter Helmut Jacobs einig.
Fast drei Jahre hat die gerichtliche Auseinandersetzung gedauert. Anlass waren Baumängel in den Ausfachungen des Mauerwerks, insbesondere an der Giebelseite zum verrohrten Auarm und an der Rückfront zum Speicher hin. Die gemauerten Ausfachungen drohten herauszurutschen, weil die Keillager auf den unteren Balken nicht ausreichend dimensioniert waren. "Das hätten die Handwerker und auch der mit der Bauaufsicht beauftragte und bezahlte Architekt erkennen müssen", sagt Bürgermeister Walter Schulz, der die negative Entscheidung des Gerichts bedauert. Seiner Meinung nach, so Schulz, handele es sich eindeutig um einen Überwachungsfehler. Den habe das Gericht leider nicht erkennen können. Die ausführende Firma konnte nicht in Regress genommen werden, weil sie nicht mehr existiert.
Um ein Herausrutschen der Ausfachungen zu verhindern, habe man diese an den besonders gefährdeten Stellen durch Gitter gesichert. Zur kompletten Sperrung des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes habe man sich entschlossen, weil Architektin Christine Scheer zusätzlich zu den Baumängeln einen stark zerfressenen tragenden Eichenbalken unter dem ersten Deckenboden erkannt hatte. "Dadurch war die Statik stark beeinträchtigt", erläuterte Walter Schulz.
In den nächsten Monaten will die Stadt den schadhaften Balken erneuern und mit weiteren Investitionen die Wärmeisolierung und den Lärmschutz des Alten Rathauses verbessern. Überlegt wird, dazu Innenfenster vor den Bleiglasfenstern des Gebäudes anzubringen, wenn dazu der Denkmalspfleger des Landes sein Okay gibt. Er kommt in Kürze zu einer Ortsbesichtigung nach Wilster. Schon jetzt wurde eine Förderung der dafür notwendigen Investition aus Mitteln der AktivRegion Steinburg in Aussicht gestellt. Bei Gesamtkosten von 145 000 Euro sollen Fördermittel von 67 000 Euro fließen. Mit 30 000 Euro sind die Instandsetzungskosten an den Ausfachungen in den Außenmauern kalkuliert. Schließlich werden Malerarbeiten sowohl im Gebäude als auch an den Außenmauern erforderlich.
"Wir wollen das Gebäude nachhaltig verbessern", verspricht Bürgermeister Schulz. Dann wird es endlich wieder möglich, die vorsorglich ausgelagerte Doossche Bibliothek ins Alte Rathaus zurückzubringen, dort wieder Trauungszeremonien abzuhalten, Tourist-Informationen einzugliedern und auch einmal im Jahr eine Ratssitzung durchzuführen. Darüber hinaus ist geplant, das Alte Rathaus verstärkt für Veranstaltungen wie Ausstellungen, Konzerte und Lesungen zu öffnen.
Auf diesem Weg kommt der Wärmeisolierung und dem Schallschutz besondere Bedeutung zu. Das Kopfsteinpflaster vor dem Rathaus ist für stille Veranstaltungen nicht sonderlich förderlich. Apropos Kopfsteinpflaster: Es führt durch die Verkehrsbelastung sowohl beim Alten als auch beim Neuen Rathaus zunehmend zu Schäden. "Das Kopfsteinpflaster macht keinen Sinn", ist Walter Schulz überzeugt. Hier müsse man in den nächsten Jahren tätig werden, auch wenn der gesamte Bereich vom Rathausplatz über die obere Schmiedestraße bis hin zum verrohrten Auarm neben dem Alten Rathaus erhebliche Kosten verschlingen werde. Der Schritt müsse aber getan werden, denn: "Kein Gebäude kann dieses Pflaster vertragen!"
Lust auf mehr? Die Norddeutsche Rundschau jetzt
2 Wochen kostenlos testen.





