Pilotprojekt: Neue Chance für Fischer
Die Baumkurre, an der das Netz befestigt ist, wird zum sparsameren Fischen mit Rädern statt Kufen über den Meeresboden gezogen.
Büsum. "Wir müssen sparen, die Energiekosten fressen uns auf" - dieser Hilferuf der Krabbenfischer war Anlass für das seit 2008 laufende Forschungsprojekt zur Modernisierung der Garnelen- und Ostseekutterflotte mit dem Ziel, die Energieeffizienz zu steigern und gleichzeitig die Kosten zu senken.
Um dieses Ziel praxisnah umsetzen zu können, schloss sich das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MLUR) mit Professor. Dr. Ingenieur Constantin Kinias von der Fachhochschule in Kiel zusammen, unter dessen Leitung die Modernisierungsmöglichkeiten erforscht wurden und werden. "Um mögliche Potenziale zu entdecken, mussten wir den bisherigen Verbrauch der Fischer messen", sagte Kinias. In Zusammenarbeit mit den Fischereiverbänden stießen der Professor und sein Team auf interessierte Fischer, sodass insgesamt sieben Pilotschiffe - fünf davon auf der Nordsee, zwei auf der Ostsee - für die Studie gewonnen werden konnten. "Wir mussten die Betroffenen zu Beteiligten machen. Das ist der Weg zum Erfolg", erklärt Prof. Dr. Constantin Kinias das Geheimnis zur Überzeugung der anfänglichen Skepsis. "Wir haben mit den Fischern gesprochen, die erhobenen Daten mit ihnen ausgewertet, um so die Basis für eine bessere Energieeffizienz und Optimierung zu erforschen."
Die Ergebnisse der ersten Untersuchungen sind vielversprechend: Die bisherige Beheizung und Warmwassergewinnung erfolgte über Generatoren im Hafen. Kinias und sein Team entwickelten ein Beheizungssystem, das während der Fahrt betrieben wird, und zusätzlich Wärme speichern kann. Durch den effizienteren Ölbrenner mit Blauflammentechnologie reduzierte sich nicht nur der Verbrauch während der Testzeit um drei Viertel, sondern zusätzlich wurde der vorgeschriebene Abgaswert weit unterschritten, die Luft im Hafen somit verbessert.
Beim Schleppen der Kutter verringerten die Entwickler den Verbrauch, indem sie die Baumkurre auf Rädern - nicht wie üblich traditionell auf Kufen - laufen ließen und ihren Durchmesser verkleinerten. "Dadurch haben wir fast zwölf Prozent Ersparnis", sagt Ingenieur Jan Hennke, der von Montag- bis Dienstagmorgen gemeinsam mit Kapitän Dennis Ronnebeck auf dem Pilotschiff "Anika" von Pellworm auf Testfahrt war. Für ihn bedeutet die Teilnahme am Projekt keine zusätzlichen Kosten, sondern nur einen höheren zeitlichen Aufwand. "Wenn man am Ende sparen kann, hat man doch wieder gewonnen", sagt der 31-Jährige.
"Bei einem Verbrauch von 38 Litern pro Stunde spart man also fünf Liter je Stunde. Auf den Tag gerechnet, hat man da die Investition dieser neuen Kurre schnell wieder drin", erklärt Prof. Kinias. Denn das sei entscheidend: "Die Investition muss sich in ein bis zwei Jahren finanzieren lassen. Ökologie und Ökonomie müssen in einem Ausgleich stehen, dann ist es attraktiv für Umwelt und Fischer."
So kostet ein neuer Krabbenkocher, der bisher als Prototyp getestet die Abgaswärme zum Erhitzen des Wassers nutzt und im Vergleich zum herkömmlichen Modell bis zu 80 Prozent weniger verbrauchte, 4000 Euro. Bei einer Ersparnis von 60 bis 80 Euro pro Tag, rentiere sich die Investition laut Kinias sogar weitaus schneller.
Doch Geld für Investitionen ist genau das, was die Fischer vor Ort nicht haben. Sie plagen andere Probleme. "Wir können aus dem alten Pferd kein Rennpferd machen. Oben modernisieren wir und der Rumpf bleibt doch der alte. Unsere Modelle sind am Ende", sagt Klaus-Dieter Voß aus Friedrichskoog. Andreas Schlüter, Referent des Fischereiverbandes aus Mecklenburg-Vorpommern teilt die Bedenken: "Die Verbesserungen bei Heiz- und Kühlsystem bringen schon Punkte und haben langfristig bestimmt positive Effekte auf die wirtschaftliche Situation der Fischer aber derzeit ist die wirklich schlecht." Beispiele der Konkurrenz aus Dänemark und Holland wurden genannt, die ihre Flotte durch Abwrackprämien komplett erneuern. Doch Martin Momme, Fischereireferent des MLUR, erklärte, dass in Deutschland bisher nur Förderung für Modernisierung nicht aber Neuanschaffungen genehmigt werde und die EU-Bestimmungen vor 2013 auch keine Änderungen vorsehen. "Bisher bleibt uns nur die Modernisierung, da brauchen wir den Kopf nicht in den Sand stecken", sagte Fischereistaatssekretär Ernst-Wilhelm Rabius mit Blick auf das geplante Folgeprojekt der Fachhochschule Kiel. "Wir wollen untersuchen, inwieweit die Übertragbarkeit der ersten Ergebnisse auf die unterschiedlichen Schiffstypen möglich ist", so Kinias.
Das Pilotprojekt läuft jetzt noch bis Ende des Jahres und wird mittels Landes- und EU-Fördermitteln finanziert. Der Antrag für das Folgeprojekt, in dem dann auch Fragen wie die Nutzung regenerativer Energien wie Wind, eine Rolle spielen könnten, liegt derzeit dem MLUR vor.
Lust auf mehr? Die Norddeutsche Rundschau jetzt
2 Wochen kostenlos testen.





