NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU

 

Mit dem Plastik-Beetle auf die Braake

29. Juli 2010 | 03:50 Uhr | Von Nils Jesumann

Badebetriebsleiter Kai Thomsen

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Brunsbüttel. Mit dem Tretboot durch die Kanalstadt schippern. In diesem Sommer sind es offenbar nicht viele Menschen, die diese Idee einladend finden. "Am Tag haben wir nur zwischen zehn und 15 Besucher", berichtet der Badebetriebsleiter des Freizeitbad Brunsbüttel, Kai Thomsen. Seit 2005 betreibt das Schwimmbad den Tretbootverleih in Eigenregie - zuvor waren Steganlage und Boote in privater Hand.

Drei Tretboote liegen momentan am Ufer der Braake und warten auf beinstarke Kunden. Der 46-jährige Thomsen zeigt den Wasserfuhrpark nicht ohne Stolz. Die Bauart der Boote erinnern an den VW-Beetle. "Jedes der Tretboote hat rund 2500 Euro gekostet", erklärt Thomsen. Über das Internet hatte der Badebetiebsleiter die extravaganten Modelle ausfindig gemacht und dann geordert. Die Wassergefährte in den farben blau, grün und rot wirken frisch - sie sind erst die zweite Saison im Einsatz.

Als das Freizeitbad die Anlegestelle samt altem Bootsbestand übernahm, war es höchste Zeit neue Wassermobile anzuschaffen. "Als ich auf eines der alten Tretboote gestiegen bin, da ist mein rechtes Bein glatt durch den Boden gebrochen", erzählt Kai Thomsen schmunzelnd.

Wer sich für eine Fahrt auf der Braake entscheidet, der hat im Prinzip nur zwei mögliche Routen zur Auswahl: Entweder die Tretbootbesatzung lenkt den Plastik-Beetle in Richtung Schleuse, dann ist nach rund 600 Meter Schluss, oder sie navigiert in Richtung Eddelak. Wer sich für Eddelak entscheidet, der kann rund dreieinhalb Kilometer in die Pedalen treten, dann wird die Braake sehr eng und "man dreht besser um", verrät Thomsen. Die Gewässer der Braake seien aber ungefährlich, versichert der gebürtige Heider. Im letzten Jahr hätte es nach langer Zeit mal wieder einen "Vorfall" gegeben. Eine Mutter rief im Büro des Badebetriebsleiters an: "Meine Kinder treiben hilflos auf der Braake", meldete die Frau damals. Sofort enterte Kai Thomsen ein freies Tretboot und startete einen Rettungseinsatz. "Nach ungefähr eineinhalb Kilometern fand ich die Kinder dann - das Ruder ihres Bootes war gebrochen", berichtet der 46-Jährige. Die Kinder waren bester Dinge - von Panik keine Spur. Nach dem Ruderausfall hatten sie über Handy ihre Mutter alarmiert.

Doch der Tretbootverleih hat nicht nur mit niedrigen Besucherzahlen zu kämpfen. Auch Vandalismus ist ein ständiges Problem des Freizeitbads. "Vor zwei Wochen haben drei junge Männer den Steg demoliert", erzählt Kai Thomsen. Die betrunkenen 20-Jährigen hatten mit Boot und einer Kette versucht, den Anleger abzuschleppen. Sie konnten gefasst werden. "Das schlimmste ist aber vor drei Jahren passiert", sagt der Familienvater. "Irgendwelche Chaoten haben mehrere Kanister mit Friteusenfett im Außenbecken des Freizeitbads versenkt", ärgert Thomsen sich noch heute. Damals musste extra eine Pumpe ausgewechselt werden. Noch bis Ende September kann die Braake mit den schwimmenden Volkswagen befahren werden.

Der Tretbootverleih ist täglich von 14 bis 18 Uhr geöffnet. 30 Minuten kosten 4,50 Euro, eine Stunde Tretboot schlagen mit acht Euro zu Buche.


 

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