NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU
Hilfe für ein Sterben in Würde
Engagieren sich für den Aufbau eines ambulanten Kinderhospizdienstes: (v.li.) Dr. Christiane Seitz, Manuela Nancekievill und Dr. Tilmann von Spiegel. Foto: Schmid
Heide. Wenn Kinder tödlich erkranken, steht die Welt für die Eltern still. Mit ihrem Schmerz, der Trauer und der Begleitung ihres Kindes wurden sie bisher eher allein gelassen. In der Kinderklinik des Westküstenklinikums (WKK) in Heide werden sie so gut wie möglich betreut. Wird das Kind entlassen, um zu Hause zu sterben, steht die Familie aber wieder allein da.
Seit zwei Jahren diskutieren die Mitglieder des Freundeskreises Hospiz gemeinsam mit Dr. Christiane Seitz, Chefärztin der Kinderklinik am WKK, über Möglichkeiten, Kinderhospizarbeit in Dithmarschen umzusetzen. Eine schwierige Aufgabe. Denn neben den todkranken Kindern und Jugendlichen brauchen auch die Eltern und Geschwister Hilfe und Unterstützung in ihrer Trauer. "Es ist ein großes Spektrum an Anforderungen für die Betreuer", so Christiane Seitz. Eine Einrichtung, einen Ort - wie in einigen Regionen Deutschlands - wird es in Dithmarschen nicht geben. Zuhören, Trösten, Spielen, Vorlesen oder Abschiedsrituale - all dieses soll in dem gewohnten Umfeld erfolgen. "Diese Aufgabe erfordert eine hohe Sensibilität", so Manuela Nancekievill vom Freundeskreis Hospiz. Noch steht der ambulante Kinderhospizdienst erst am Anfang. Jetzt wird das Thema öffentlich vorgestellt und es werden Menschen, die sich dieser Aufgabe annehmen wollen, gesucht.
Kaum ein Thema wird so tabuisiert wie der Tod. Die Auseinandersetzung mit dem Lebensende wird meist verdrängt. Nur wenige Menschen haben den Mut, sich damit auseinander zu setzen. Die 60 ehrenamtlichen Mitglieder des Freundeskreises Hospiz gehören dazu. Seit 18 Jahren kümmern sie sich darum, dass Menschen ihre letzte Lebenszeit möglichst in vertrauter Umgebung, schmerzfrei und von Angehörigen begleitet verbringen können. Unabhängig von Religion, Nationalität, Weltanschauung oder der Art der Erkrankung werden todkranke Menschen und ihre Angehörigen begleitet. "Wir tragen dazu bei, dass sich Sterben und Tod des Menschen in unserer Gesellschaft nach den ihm eigenen unveräußerlichen Rechten, gemäß seiner Würde, vollziehen können", so Manuela Nancekievill.
Die Begleitung von sterbenden Kindern können die ehrenamtlichen Mitarbeiter kaum noch leisten. Mit einer speziellen Schulung werden Menschen, die sich dieser Aufgabe annehmen wollen, umfangreich vorbereitet. Die Begleitung der Familie reicht von der Diagnose bis über den Tod des Kindes hinaus. "Für den Aufbau unseres ambulanten Kinderhospizdienstes suchen wir Menschen, die sich ehrenamtlich in der Begleitung von Familien engagieren möchten", so Landrat Dr. Jörn Klimant, der die Schirmherrschaft für das Vorhaben übernommen hat.
Palliativmedizin und Hospizarbeit - nur wenige Menschen wissen, was sich dahinter verbirgt. Auch ein im vergangenen Jahr erlassenes Gesetz, das jedem Versicherten ein Recht auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung einräumt, sei kaum bekannt, so Dr. Tilmann von Spiegel, Chefarzt der Anästhesie am WKK und Vorsitzender des Freundeskreises Hospiz. Menschen erhalten bei einer nicht heilbaren und weit fortgeschrittenen Erkrankung ärztliche und pflegerische Leistungen, um ihnen ihr Lebensende in ihrem häuslichen Umfeld zu ermöglichen. "Wir wollen dieses Thema ins öffentliche Bewusstsein rücken und mit den Menschen darüber diskutieren", so Klimant.
Weitere Informationen bei Manuela Nancekievill, Telefon: 04832/55000, E-Mail: freundesskreishospiz@t-online.de
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