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Thilo Sarrazin in Itzehoe

Gegenwind für "geistigen Brandstifter"

04. Januar 2011 | 06:40 Uhr | Von Katrin Götz / Volker Mehmel

"Kein Platz für Demagogen": Eilhard Stelzner und Christine Weber-Herfort fordern gemeinsam mit zahlreichen Mitstreitern in einem offenen Brief, dass Thilo Sarrazin nicht im Theater auftreten darf. Foto: Götz

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Thilo Sarrazin soll bei einer FDP-Veranstaltung im Itzehoer Theater auftreten - elf Organisationen von Antifa bis zur Gewerkschaft Verdi wollen das nicht zulassen.

Kreis steinburg. "Das Theater ist der Kultur und Aufklärung verpflichtet." Und auf Skandal-Autor Thilo Sarrazin, meint Christine Weber-Herfort von "attac", treffe weder das eine noch das andere zu. Deshalb dürften die Türen des theater itzehoe auch nicht für einen "geistigen Brandstifter" wie ihn geöffnet werden. Vor dem Auftritt Sarrazins beim Dreikönigstreffen der FDP am Donnerstag brachten Weber-Herfort und Eilhard Stelzner von "attac" gestern einen offenen Brief ins Rathaus und zu Theater-Chefin Dr. Mechtild Hobl-Friedrich. Im Namen von elf Organisationen - von der Antifa über den Koordinationsrat der Iranerinnen und Iraner in Hamburg bis zu verdi Pinneberg/Steinburg - sowie 13 Einzelpersonen fordern sie: "Machen Sie von Ihrem Hausrecht Gebrauch und verweigern Sie der FDP für diese Veranstaltung das Theater!"

Es dürfe nicht sein, "dass auf der Bühne des Itzehoer Theaters Hetzer und Demagogen einen Auftritt bekommen", heißt es in dem Brief. Der bedeutendste kulturelle Raum der Stadt dürfe nicht einem Mann zur Verfügung gestellt werden, "der mit aufgewärmten Rassetheorien und sozialdarwinistischen Thesen durchs Land zieht".

"Von unserem Demokratie-Verständnis her nicht möglich"

Es sei schon schlimm genug, dass die FDP Sarrazin eingeladen habe, meint Christine Weber-Herfort. Dass sein Auftritt aber in einem "öffentlichen Raum" stattfinden dürfe, sei empörend und "von unserem Demokratie-Verständnis her nicht möglich." Der Auftritt schade der Stadt und dem Theater.

Man wundere sich, dass ein Aufschrei aus der politischen Mitte bisher ausgeblieben sei und wolle die Öffentlichkeit aufrütteln, erklärt Eilhard Stelzner. Auf eine Demonstration werde dabei aber verzichtet. "Das Beste ist, so etwas mit Nichtbeachtung zu strafen." Denn gerade der FDP, "die sich bei 3-plus-x Prozent einpendelt, käme Beachtung ja sehr gelegen". Diese "Klientelpartei selbst ernannter Leistungsträger" suche offenbar aus Verzweiflung "neue Wählerschichten im Dunstkreis des Rassismus", heißt es in dem Brief, in dem die Kreis-FPD als Veranstalter "aufs Schärfste" kritisiert wird. Sarrazins Auftritt sei ein Angriff auf alle Migranten, mit denen sich die Unterzeichner des Briefes solidarisieren. "Wir akzeptieren keine Haltung, die gesellschaftliche Verhältnisse nach Kosten-Nutzen-Erwägungen durchrechnet und Arme und Migranten zur Ausschusspopulation erklärt." Gerade mit Blick auf Deutschlands Vergangenheit dürfe "in diesem Land kein Platz für rassistische Demagogen und ihre Ideologien sein".

"Die Thesen von Sarrazin sind ein Angriff auf alle Migranten und Migrantinnen, der sich insbesondere gegen muslimische Einwanderer richtet", empört sich auch Lars Rogall von der Antifaschistischen Aktion Itzehoe (Antifa). Er äußert sich zudem verwundert darüber, dass es "aus der politischen Mitte noch keinen Aufschrei gegeben hat". Für das FDP-Treffen am Dreikönigstag (Beginn 19.30 Uhr) kündigt Rogall eine Protestaktion ab 17.30 Uhr vor dem Theater an, die bewusst als Gegenveranstaltung gedacht sei. Angemeldet sind laut Rogall bis zu 500 Teilnehmer. Für diese werde es mehrere Redebeiträge geben. Da es sich um die einzige Sarrazin-Veranstaltung im Norden handele, rechnet Rogall mit Unterstützung aus ganz Schleswig-Holstein und auch aus Hamburg.

FDP bekommt Gegenwind aus den eigenen Reihen

Unter anderem hätten die Dienstleistungsgewerkschaft verdi und die Jungsozialisten ihre Teilnahme zugesagt. Rogall hofft nun auf breite Unterstützung auch aus der Steinburger Bevölkerung. Für Februar kündigt er zudem eine Informationsveranstaltung zu dem Thema im Itzehoer "Musik Café" sowie ein Konzert in der "Lauschbar" an. Bereits am Wochenende hatte der FDP-Kreisverband mit Blick auf die Sarrazin-Veranstaltung sogar schon aus den eigenen Reihen Gegenwind bekommen. Zwei Glückstädter FDP-Ortsvorstands-Mitglieder distanzierten sich ausdrücklich von dem Dreikönigs-Gast.

Dass Sarrazin im Theater auftreten könne, "heißt nicht, dass das Theater für oder gegen ihn ist", betont auf Anfrage des sh:z Theater-Verwaltungschef Hans-Peter Mühle. Es habe 2008/2009 in der Politik eine Diskussion darüber gegeben, ob das Theater auch an politische Parteien vermietet werden solle. "Die Mehrheit der Selbstverwaltung hat es so entschieden, deshalb wurde das Theater für das Dreikönigstreffen an die FDP vermietet."

Vorgesehen ist an dem Abend übrigens auch eine von den Liberalen zusammengestellte Podiumsrunde. Neben dem Kreisvorsitzenden Willi Göttsche diskutieren der Vorsitzende des türkisch-moslemischen Kulturvereins in Itzehoe, Adnan Vural, sowie der Geschäftsführer der AWO Steinburg, Martin Meers.


 

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