WILSTERSCHE ZEITUNG
Druckerei-Haus wird Sozialwerk
Glückstadt. Die alte Zellentür auf dem Dachboden hat einen gusseisernen Riegel. Die Empore der ehemaligen Kirche ist noch vorhanden. In den Schränken der Büros stehen Aktenordner: Ein Haus voller Geheimnisse, eines, in dem viel Geschichte zu entdecken ist. Das Gebäude der ehemaligen Druckerei Rautenberg in der Königstraße ist verkauft - der neue Besitzer ist die Freie Christengemeinde.
Pastor Klaus Morwinski (54) und seine Frau Jutta (58) stehen inmitten einer großen Baustelle und freuen sich. Trotz der vielen Arbeit, die jetzt auf sie zukommt. Sichtbar ist, dass in dem historischen Gebäude von 1641 noch viel zu tun ist. Der Anfang ist gemacht, die alten Maschinen der insolventen Druckerei wurden bereits ausgeräumt.
Möglich wurde der Kauf des 2000 Quadratmeter großen Grundstückes mit 1300 Quadratmetern Nutzfläche, weil die Kirchengemeinde eine Stifterin hat. Diese ist überzeugt von einer Idee: Etwas für Jugendliche zu tun. Denn das große Haus soll nicht nur Gemeindehaus werden.
Geplant ist das Projekt "Prima Vera" - ein Sozialwerk. "Hier geht es auch um Menschen, die nicht in unserer Kirche sind", erklärt Klaus Morwinski. Es gehe um junge Menschen, die mitarbeiten wollen, um etwas in ihrem Leben zu verändern. Im Gebäude wird eine Werkstatt eingerichtet, in der junge Leute unter 25 Jahre mitarbeiten können. Ein 21-jähriger Abiturient ist bereits im Haus, er will hier bis zu seinem Studienbeginn helfen und mit ausbauen.
Kontakte gäbe es genug über die Jugendcamps der Kirche, sagt Morwinski. Seine Frau kann sich vorstellen, dass die Kirchengemeinde später sogar ein Orientierungsjahr - ähnlich wie ein soziales Jahr - anbieten kann. "Für junge Leute, die noch keine Ausbildung haben. " Dies gelte auch für solche, die die Schule abgebrochen haben. Ergänzt wird das Angebot durch ein Café mit Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche.
Ein weiteres Projekt ist der Ausbau von sieben Wohnungen im linken Flügel des lang gestreckten Komplexes. Möglichst für mehrere Generationen. Im rechten Flügel soll das Gemeindeleben stattfinden. Für die Morwinskis ist interessant, dass in alten Unterlagen vermerkt ist: "Hier wurden bereits Gottesdienste abgehalten." Die ehemalige Empore im zweiten Stock ist bereits gefunden. So auch die Überreste zweier alter Kirchenfenster im ersten Stock. Möglich ist, dass es der Kirchenraum des früheren Gefängnisses war. Morwinskis haben auf dem Boden noch eine Tür gefunden, von der sie meinen, es ist eine alte Zellentür.
Die Pläne für den Aus- und Umbau des Hauses stehen jetzt fest. Die Morwinskis bieten allen an, ehrenamtlich beim Ausbau zu helfen. Dies gilt nicht nur für Jugendliche.
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