NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU

 

Der Stör in der Stör: Hoffnung auf Rückkehr

23. Oktober 2009 | 04:40 Uhr | Von I. Schwichtenberg

Im Mai wurden am Itzehoer Hafen Jungstöre in die Stör ausgesetzt.

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Experten machten auf einer Veranstaltung des Heimatverbandes für den Kreis Steinburg Hoffnung: Der Stör könnte schon in einigen Jahren in die Stör zurückkehren.

Kreis steinburg. "Im großen und ganzen sind wir auf einem guten Weg." Uwe Jens Lützen (71), der sich seit Jahren ehrenamtlich für die Rettung des nahezu ausgestorbenen Europäisch-Atlantischen Störs (Acipenser Sturio L.) engagiert, ist sehr zuversichtlich. Auf Einladung des Heimatverbandes für den Kreis Steinburg hielt er vor einem interessierten Publikum einen Vortrag zum Thema "Stör und Störe - im Wandel der Zeiten".

Dass Fluss und Fisch denselben Namen tragen, liege nach sprachwissenschaftlichen Kenntnissen an ihrer Größe. Die vor der Eindeichung weit ausladende Stör (Sturia) und der bis etwa vier Meter lange Europäische Stör (Sturio) wurden offenbar als besonders groß (dänisch: stor) empfunden und so benannt. Uralt sind beide. Störe habe es schon vor mehr als 200 Millionen Jahren gegeben. Der Fluss entstand durch das nach der letzten Eiszeit aus dem Norden ablaufende Schmelzwasser.

Dass der Methusalem unter den Fischen gerettet wird, dafür setzt sich auch das Washingtoner Artenschutzabkommen ein, das die insgesamt noch existierenden 27 Störarten schützt. Beheimatet war der Europäische Stör einst an der europäischen Atlantik- und an der Nordseeküste, von Gibraltar über die Biskaya, den Ärmelkanal, die Nordsee bis hinauf nach Norwegen, in den Zuflüssen und ihren Nebenflüssen. Als "anadromer Wanderfisch" kehrten sie zu den Plätzen zurück, an denen sie geschlüpft waren, so auch in die Oberläufe von Eider, Elbe, Oste und Stör. Überfischung, Flussbettbegradigung und Wasserverschmutzung brachten der Art beinahe das Ende. Doch es gibt ebenso Hoffnung wie internationale Hilfe für den Stör, der 2001 zum Fisch des Jahres gekürt wurde. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Bau von modernen Klärwerken in Tschechien und den neuen Bundesländern regenerierte sich das Wasser der Elbe und ihrer Nebenflüsse. In Frankreich fing man an, gezielte Nachzucht zu betreiben, aus der auch Exemplare nach Deutschland abgegeben wurden. In die Flüsse Dordogne und Garonne wurden tausende Jungtiere ausgesetzt. Die deutsche Nachzucht ermöglichte erste versuchsweise Besatzmaßnahmen in die Elbe bei Lenzen/Brandenburg und in den Elbe-Nebenfluss Oste. Nachzucht des Ostseestörs, vor drei Jahren in der Oder ausgesetzt, sei inzwischen wohlauf bei Bornholm gesichtet worden, so der Referent. "Das ist der Hammer!", freute er sich über den vielversprechenden Erfolg mit dem nahen Verwandten des Europäischen Störs.

Für den Itzehoer Uwe Jens Lützen, der eng mit der Gesellschaft zur Rettung des Störs, dem Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei Berlin zusammenarbeitet, war es ein großartiges Ereignis, als im Mai in seiner Heimatstadt auch ein experimenteller Besatz von jungen Stören in die Stör stattfand - im Rahmen des Störschipperfestes erstmals unter Beteiligung der Bevölkerung. Alle Fische tragen eine eigene Kennzeichnung, einige waren mit Sendern ausgerüstet, die rund einen Monat lang geortet werden können.

Der Fang ist streng verboten. Sollte ein Stör als Beifang ins Netz gehen, geben die inzwischen gut informierten Fischer Daten, wie Gewicht, Größe und Fangstelle, an die Gesellschaft zur Rettung des Störs weiter und setzen den Fang wieder ins Wasser.

Davon, dass der Acipenser Sturio eine große Chance hat, ist Uwe Jens Lützen überzeugt. Für die Wasserqualität der Stör spreche das Vorkommen eines Indikators: Das sensible Meerneunauge fühlt sich hier so wohl, dass es bereits bis in die Mühlenbarbeker Au gewandert ist. Auch die Kinderstube der Fische im Oberlauf der Stör entsteht neu. Bei Arpsdorf hat die Stör bereits wieder ein renaturiertes, mäanderndes Flussbett erhalten, mit grobem Kiesboden, dafür ohne Wehre. Weitere Rückbau- und Renaturierungsmaßnahmen sollen folgen. Damit werde der Druck vom überschwemmungsgefährdeten Kellinghusen genommen, gleichzeitig entstünden für den Stör Laichgründe. Damit der Stör auch die Elbe hinaufwandern kann, werde an der Staustufe bei Geesthacht die größte Fischtreppe Europas gebaut.

Wer nun auf die Rückkehr der im Itzehoer Hafen ausgesetzten Störe wartet, muss allerdings Geduld aufbringen: Bei den Weibchen dauert es bis zur Geschlechtsreife bis zu 15 Jahre. Uwe Jens Lützen: "Ich hoffe, dass ich es noch erlebe, wenn die ersten Störe in die Stör zurückkommen."


 

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