NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU

 

Sportlerehrung

Trainer-Lob ohne Urkunde

29. Juli 2010 | 04:50 Uhr | Von Katrin Götz

"Dann kommen wir geschlossen nicht" - mit Boykott drohten die Führungen von MTV und Gut Heil, als sie erfuhren, dass bei der Sportlerehrung am 10. September nur die Athleten selbst, nicht aber ihre Trainer geehrt werden sollen. Das sei "unfair" (wir berichteten).

"Wir wollen den Konflikt nicht verschärfen", sagt Oliver Michels (CDU), Vorsitzender des Jugend- und Sportausschusses. Deshalb hat er die Vorwürfe erst einmal sacken lassen, bevor er und sein Fraktionskollege Christian Sieberns jetzt reagieren. "Es wäre schade, wenn sie nicht kommen würden - dafür haben wir uns die Mühe nicht gemacht, die eigenständige Sportler ehrung wieder einzuführen", sagt Michels. Und es stecke ja auch viel Vorbereitungs arbeit im Rathaus dahinter.

Es sei eine "reine Sportlerehrung", betont er. Doch es sei von Anfang an vorgesehen gewesen, dass die Trainer natürlich mit eingeladen werden, genau wie die Vereinsvorstände. Die Beschlüsse darüber seien stets einstimmig gefallen. "Der Sportler selbst erhält eine Laudatio, um seine Leistung zu würdigen", erklärt Michels. "Der Trainer steht mit auf der Bühne, wird mit erwähnt, aber er erhält keine eigene Urkunde."

Und das, weiß Sieberns, sei durchaus gängig. "Der Trainer wird normalerweise nirgendwo mit geehrt." Auch Bundestrainer Jogi Löw erhalte ja kein silbernes Lorbeerblatt wie die Kicker, sondern einen Bundes-Verdienstorden, der sich eben nicht auf die sportliche Leistung beziehe. "Die Vereine fordern etwas, das überhaupt nicht üblich ist."

Zudem würde sich die Zahl der zu Ehrenden "massiv erhöhen". Auf der Liste stünden 70 Sportler aus 14 Disziplinen - das bedeute rund 30 Trainer, "das sind ja nicht nur 'ein paar'." Auch der Gedanke, durch die Trennung von Neujahrsempfang und Sportlerehrung die Dauer der Veranstaltungen zu entzerren, würde damit hinfällig. Und: "Die Ehrung für langjähriges Engagement als Trainer wird weiter im Rahmen des Neujahrsempfangs erfolgen." Aus Sieberns’ Sicht wäre es sogar eine Herabwürdigung, würde man das langjährige Engagement gleich setzen mit dem einmaligen Gewinn einer Landesmeisterschaft.

Sieberns kann den Ärger nicht verstehen: "Wir haben ja schon deutlich mehr gemacht, indem wir eine eigene Sportlerehrung einführen und den Kreis sogar vergrößern. Früher wurden nur Erfolge auf Bundesebene gewürdigt, jetzt auch auf Landesebene." Er findet die Diskussion darüber "einfach schade". "Wir hatten seit 20 Jahren keine Sportlerehrung. Jetzt bekommen wir wieder eine - und statt sich darüber zu freuen, soll sie boykottiert werden."

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