NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU
Schulessen für Bedürftige - wer zahlt ?
Reis oder Kartoffeln: Einen Nachschlag mit solchen Sattmachern dürfen sich die Kunden in der Cafeteria des Schulzentrums am Lehmwohld holen. Das wird genutzt - aber auch, um Klassenkameraden zu versorgen, die sich das Essen nicht leisten können, wie Hans-Joachim Sohrt, Leiter der Gemeinschaftsschule am Lehmwohld (GaL), bestätigt. Das Mittagessen für bedürftige Kinder im Ganztagsbetrieb ist ein ungelöstes Problem.
Dieter Krämer, SPD-Ratsherr und Lehrer an der GaL, hatte es im Schulausschuss angesprochen. Es folgte ein Schreiben an das Land. Die Antwort: Für Kindergärten gebe es genug Mittel durch die Initiative "Kein Kind ohne Mahlzeit", für die sechs Ganztagsschulen erhalte Itzehoe im laufenden Schuljahr 90 237 Euro. "Absolut nicht hilfreich" nannte dies Schulamtsleiter Günter Schmidt. Denn das Geld werde durch die Nachmittagsprojekte verbraucht, Mittag für bedürftige Kinder lasse sich damit nicht garantieren.
Doch nötig wäre es, wie eine Umfrage zeigt. Ein Drittel seiner Schüler sei betroffen, meint Gerd Freiwald von der Klosterhof-Schule. Für die vielen Hartz IV-Empfänger an der Gemeinschaftsschule seien drei Euro pro Essen zu teuer. Die finanzielle Ausstattung für die gepriesenen Ganztagsvorhaben reiche nicht: "Außen hui, innen pfui."
An der Gemeinschaftsschule Lübscher Kamp essen am Monatsende nur halb so viele Schüler mit wie zuvor, sagt Rektor Jürgen Kaletsch. "Wir haben jede Menge Kinder, bei denen wir den Eindruck haben, dass sie dringend ein Mittagessen brauchten, die das aber nicht finanzieren können."
Albrecht Kruck, Leiter der Grundschule Sude-West, sind keine Probleme bekannt. Die Klassenlehrer seien gehalten, beim gemeinsamen Frühstück aufzupassen, ob alle versorgt sind. Weil der Förderverein 1700 Euro im Monat zuschießt, kostet das Mittagessen an der Grundschule nur 2,50 Euro.
30 Cent weniger sind es an der Fehrs-Schule, doch es gebe viele Familien, die sich das nicht leisten könnten, so Schulleiterin Kerit Christensen-Schultz-Collet. Außenstände sind die Folge, die Kinder essen quasi auf Kredit. Denn es sei klar: "Die brauchen das."
Solche Fälle gebe es auch am Sophie-Scholl-Gymnasium, meint die stellvertretende Leiterin Ilka Hoffmann. Die Zahlen seien nicht abzuschätzen, "ganz vorsichtig" solle es eine Umfrage in der Unterstufe geben. "Das größte Problem ist, dass sich Eltern schämen und das nicht zugeben", sagt sie. Eine Möglichkeit sei vielleicht, über die "Crêperie Sophie" zu Gunsten des Sozialfonds auch Mittagessen zu finanzieren.
GaL-Leiter Sohrt würde das Essen gern mit Mitteln der Stadt als Schulträger bezuschussen, so wie bei Klassenfahrten. 700 Euro stünden dort zur Verfügung, die "nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne jegliche Überprüfung" verteilt würden. Weil im Moment aber keine solche Aussicht bestehe, sei der Bedarf an der GaL nicht erfragt worden. Sohrt geht von 200 bis 250 Mahlzeiten in der Woche aus.
Was tun? Dieter Kröhn (FDP) sagte im Schulausschuss, er werde in den liberal geführten Ministerien für Bildung und für Soziales in Kiel nachhaken. Parallel hat Schulamtsleiter Schmidt ein weiteres Schreiben geschickt mit der Frage, ob es einen Topf wie für Kindergärten auch für Schulen gebe - dieses Mal aber nicht ans Bildungs-, sondern ans Sozialministerium.
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