NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU
19-Jähriger tot - war es Brandstiftung ?
Itzehoe. Diese schreck lichen Bilder werden der 36-Jährige und seine Frau so schnell nicht mehr vergessen: Es ist Sonnabend kurz vor 1 Uhr, als sie von der Geburtstagsfeier seines Vaters auf dem Weg zu ihrer Wohnung in der Feldschmiede sind - und sehen, wie dichter Qualm aus einem benachbarten Wohn- und Geschäftshauses quillt. An einem kleinen Seitenfenster im hinteren Gebäudeteil steht ein Mann und schreit um sein Leben. "Hier brennt es im Dachboden", hatte er kurz zuvor der Feuerwehr mitgeteilt. "Er hat gebrüllt wie am Spieß und mit den Armen gefuchtelt", erzählt der 36-Jährige. Schon wenige Augenblicke später steht der gesamte Dachstuhl des Hauses in hellen Flammen, es fallen Dachziegel und Gebäudeteile auf den Boden.
Wehrführer Peter Happe und seine Einsatzkräfte sind schnell vor Ort. Doch der Weg durch das hölzerne Treppenhaus des Jahrhunderte alten Gebäudes ist bereits versperrt. Aus dem Dach und aus den Kellerfenstern dringt schwarzer Rauch. Der Weg zu dem 19-jährigen Bewohner ist abgeschnitten. "Aufgrund der ungünstigen Bebauung war es nicht möglich, das Fenster mit der Drehleiter zu erreichen", heißt es im Polizeibericht. Um 1.30 Uhr hören die Rettungskräfte die letzten Lebenszeichen, kurz darauf schlagen Flammen aus dem Fenster, an dem er stand, das Gebälk darüber bricht zusammen.
95 Feuerwehrleute aus aus Itzehoe, Kellinghusen, Oelixdorf, Heiligenstedtenerkamp und Elmshorn kämpfen gegen das Feuer, die Polizei evakuiert Bewohner der umliegenden Häuser. Hans Joachim Kruse vom Amt für Bürgerdienste kümmert sich darum, dass sie Not-Unterkünfte finden.
Auf der Straße steht neben vielen Schaulustigen inzwischen eine 25-jährige Itzehoerin. Sie war mit Freunden auf dem Weg in die Disko, als der Taxifahrer von dem Feuer erzählte. "Meine Mutter wohnt in dem Haus", erzählt die junge Frau unter Tränen. "Sie ist gerade mit meinen drei Kindern in Dänemark im Urlaub - sonst wären sie jetzt alle da drin." Entsetzt starrt sie auf die Flammen und das Löschwasser, das wie ein Wasserfall an der Hauswand hinab fließt. "Das ist alles hin. Meine Mutter kommt und hat nichts mehr", sagt sie schluchzend.
Tatsächlich brennt das Gebäude großflächig aus. Die drei Wohnungen im obersten Geschoss, von denen eine unbewohnt war, werden zerstört, auch in der Fielmann-Filiale im Erdgeschoss sowie in der Augenarztpraxis und einem Steuerberaterbüro in den Stockwerken darüber gibt es große Brand- und Wasserschäden. Die angrenzenden Gebäude, darunter die unter Denkmalschutz stehende Hebbelburg, werden ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen. Läden darin bleiben am Sonnabend geschlossen, die Fußgängerzone ist in dem Bereich gesperrt. Heute soll ein Gutachter klären, ob Einsturzgefahr besteht.
Die Löscharbeiten dauern bis in den Morgen. Um 5.42 Uhr können die Einsatzkräfte erste Bergungsarbeiten starten, um 7.16 Uhr herrscht traurige Gewissheit: Der Bewohner ist tot. Um 8.15 Uhr heißt es "Das Feuer ist aus", um 10.30 Uhr wird die Leiche des jungen Mannes geborgen, kurz darauf muss die Feuerwehr noch einmal Brandnester bekämpfen - und findet ein letztes Lebenszeichen: Im dritten Stock liegt ein Vogelbauer auf der Seite. Der Wellensittich hat überlebt.
Zu diesem Zeitpunkt steht bereits fest: Es gab zwei Brandherde, einen im vierten Obergeschoss und einen im Kellerraum unterhalb der Eingangstür. Dort war bereits am Abend des 10. Mai ein Feuer ausgebrochen. Damals hatten Unbekannte mehrere Papiermüllsäcke angezündet. Es habe seit dem Herbst im Haus auch mehrere Einbruchsversuche in die Augenarztpraxis gegeben, berichten die Betroffenen.
Die 25-jährige Tochter einer Hausbewohnerin mag dagegen nicht an Brandstiftung glauben. "Zugang zum Keller haben nur die Mieter, die werden sich ja nicht selbst das Haus anstecken", sagt sie und vermutet stattdessen eine technische Ursache. "Das sind doch alles alte Kabel und Leitungen."
Was das verheerende Feuer tatsächlich auslöste, müssen die Ermittlungen der Kripo Itzehoe ergeben. Die Brandstelle wurde beschlagnahmt.
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