NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU
Warmes Essen für bedürftige Kinder
Itzehoe. Alle Kinder sollen mittags etwas auf dem Teller haben - deshalb hat die Stadt im vergangenen Jahr 15 000 Euro als Zuschuss für die Mittagsversorgung bedürftiger Kinder in den Ganztagsschulen bereit gestellt.
Wie das Geld verwendet wird, konnten die Schulleiter selbst regeln. Im Schulausschuss lag jetzt ein Zwischenbericht vor. Demnach hat nur eine der Schulen ihren Betrag voll ausgeschöpft - die Grundschule Sude-West. Dort hätten sich nach einem Rundschreiben nur zwei Eltern gemeldet, die den Zuschuss nutzen wollten. Das restliche Geld sei dann vom Förderverein "zur Deckung der erheblichen Kosten" verwendet worden, heißt es im Bericht des ehemaligen Schulleiters Albrecht Kruck.
An der Klosterhof-Schule wird das Geld nicht für das Mittag essen verwendet, sondern für ein kostenloses Frühstück. "Dieses wird sehr gut angenommen", erklärte Schulleiter Gerd Freiwald im Ausschuss. Da jeden Morgen auch ein Lehrer daran teilnehme, habe sich nebenbei auch das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern verbessert.
An der Fehrs-Schule erhalten acht bis zwölf Kinder den Zuschuss - das entspricht vier bis fünf Prozent der Schüler. Gerne würde man das Geld auch dort für ein Frühstück verwenden.
Am Sophie-Scholl-Gymna sium und an der Gemeinschaftsschule am Lehmwohld wird der Zuschuss - wohl aus Scham - nur von wenigen Familien genutzt. Der vermutete Bedarf liegt viel höher. "Viele Eltern sind auch nicht willens oder in der Lage, dem Kind auch nur einen Euro mitzugeben", sagte Dieter Krämer, Konrektor an der Gemeinschaftsschule.
Bis zum Ende des Schuljahres läuft die Aktion noch - und bis dahin sollen es die Schulleiter so flexibel wie möglich handhaben können, meinte Ausschuss-Vorsitzender Jürgen Stahmer (SPD). "Es geht um Kinder, da sollten wir das nicht so starr regeln."
Danach sei ein Zuschuss über das "Bildungs- und Teilhabepaket" des Bundes möglich, erklärte Andreas Arndt vom Schulamt. Als Kosten für das Essen werden pauschal 2,50 Euro je Betreuungstag anerkannt. "Es wird aber ein Eigenanteil von einem Euro erwartet", so Arndt. Der Zuschuss betrage also nur 1,50 Euro. Wie das Ganze geregelt wird, sei noch unklar. Derzeit liege die Zuständigkeit beim Kreis.
Gleichstellungsbeauftragte Karin Lewandowski hält das für problematisch. "Wer gedacht hat, so würden bedürftige Kinder satt, der irrt! Ohne Eigenanteil von einem Euro dürfen sie zwar teilhaben, aber bekommen deshalb noch lange nicht etwas Warmes in den Magen." Zudem werde es Essensmarken geben. "Es wird also deutlich zu erkennen sein, wer bedürftig ist und wer nicht." Lewandowskis Fazit: "Sehr bedauerlich."
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