NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU

 

Training für kleine Wasserratten

04. Februar 2012 | 06:18 Uhr | Von Anabela Brandao

Echte Wasserratten (v.li.): Neele (7), Annette (7) und Marta (7) fühlen sich im Wilsteraner Schwimmbad wohl. Foto: Brandao (3)

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Immer weniger Kinder können schwimmen - Fief-Dörper-School steuert mit Unterricht im Wilsteraner Schwimmbad gegen

Süderhastedt. Im Sommer ins Freibad gehen oder im Urlaub am Strand unbeschwert in den Wellen toben? Für viele Kinder ist das keine Selbstverständlichkeit. Nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) kann fast jeder zweite Schüler in Deutschland am Ende der Grundschulzeit nicht richtig schwimmen - Tendenz steigend.

An der Fief-Dörper-School in Süderhastedt will man sich damit nicht zu frieden geben. Die Grundschule bietet schon seit mehreren Jahren Schwimmkurse außerhalb der Schulzeiten an, in denen die Kinder nicht nur lernen, sich über Wasser zu halten, sondern auch die Möglichkeit haben, sich zu kleinen Nachwuchs-Rettungsschwimmern ausbilden zu lassen. "Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass möglichst alle Kinder die vierte Klasse mit dem Deutschen Rettungs-Schwimm-Abzeichen Bronze verlassen", erklärt Schulleiterin Martina Harders. Und: "Ein hoher Prozentsatz schafft das auch." Als Anreiz gibt es für alle ein lustiges Kinderhandtuch, gestiftet von Sponsoren. "Das wollen alle haben", weiß die Schulleiterin.

Die Burgerin, die selbst langjähriges Mitglied der DLRG ist, weiß, wie es um die Paddelkünste deutscher Schüler bestellt ist. "Es sind leider immer weniger Kinder, die überhaupt noch schwimmen können." Doch statt diesem Umstand entgegenzuwirken, müssen mehr und mehr Schulen den Schwimmunterricht von ihren Lehrplänen streichen. "Der Trend geht leider dahin, dass zunehmend weniger Wert darauf gelegt wird", bedauert die Pädagogin. Grund dafür sind zum einen die Kosten für Eintrittsgelder und Anfahrt, zum anderen ent wickelt sich besonders in ländlichen Gebieten der Zugang zu den Schwimmbädern zu einem echten Hindernis.

In Süderhastedt hat man die Dringlichkeit des Problems jedoch erkannt. Einmal in der Woche kommen die Schüler deshalb ins Schwimmbad nach Wilster, um dort Kraulen, Kopfsprünge und Brustschwimmen zu üben. Während zwei Kollegen dafür eine Stunde zur Verfügung haben, sind Martina Harders und ihr Mann Otto ehrenamtlich dabei. "Weil ich nicht will, dass es einbricht, nur weil keine Stunde dafür frei ist", sagt sie. "Es ist ja auch wichtig, dass Kinder sich bewegen."

Die Strecke nach Steinburg nehmen sie dabei gerne in Kauf. "Wir sind vorher in Burg, Marne und auch in Meldorf gewesen, aber weil dort Renovierungs arbeiten stattfanden, mussten wir uns etwas Neues suchen und sind in Wilster gelandet." Dort gefiel es besonders dem Schwimmnachwuchs so gut, dass sie gleich dort geblieben sind. "Hier ist alles viel heller, so dass die Kinder weniger Angst im tiefen Wasser haben", erklärt Martina Harders.

Die achtjährige Anna bereitet sich gerade auf ihre Seepferdchen-Prüfung vor. Vom Planschen im Wasser kann sie gar nicht genug kriegen. "Am meisten Spaß macht mir vom Block zu springen", erklärt sie. Die Drittklässlerin hat mittlerweile das Schwimmfieber gepackt. "Wenn ich Seepferdchen fertig habe, will ich noch weiter machen bis Bronze", kündigt sie an.


 

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