NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU
Sponsoren für Missionsauto gesucht
Hofft auf ein neues Fahrzeug, bevor Reparaturen am jetzigen Auto die Rücklagen auf zehren: Leon Meyer, Leiter der Seemannsmission. Foto: Pöschus
Brunsbüttel. Steigende Übernachtungszahlen und deutlich mehr Besucher als im Vorjahr in der Brunsbütteler Seemannsmission, sowie fast 1000 Bordbesuche in zwölf Monaten - das Team der Einrichtung an der Kanal straße 8 ist viel unterwegs. Der Blick auf den Tacho des sechs Jahre alten VW-Busses belegt dies: 160 000 Kilometer ist der Wagen gelaufen. Davon allein im vorigen Jahr 38 215 - fast durchweg eine nur in Brunsbüttel zurückgelegte Strecke. Jetzt möchte Diakon Leon Meyer den Wagen schnellstmöglich gegen ein weniger betagtes Fahrzeug austauschen. Nur: Dafür fehlt noch Geld.
Seit dem Sommerfest 2010 werden Einnahmen zurückgelegt, um die Anschaffung zu finanzieren. Ein örtlicher Autohändler hatte sogar einen günstigen Gebrauchten mit wenig Kilometerleistung angeboten. Aber die Mission hatte nicht genügend Eigenmittel. Inzwischen fehlen nur noch 3600 Euro. Die hofft Meyer vor allem über Sponsoren zusammen zu bekommen.
"Die Kollegen in Hamburg haben ihren Wagen so finanziert", berichtet der Leiter der Brunsbütteler Seemannsmission. Drei Firmen habe er bereits an Bord, sagt Meyer, weitere sind eingeladen, sich zu beteiligen. Auch Privatpersonen dürfen gern spenden. Ab 500 Euro aufwärts werden auch sie namentlich auf dem neuen Fahrzeug genannt. Offene Türen rennt Meyer derzeit aber gerade bei den üblicherweise in der Stadt als Sponsoren in Frage kommenden Betrieben nicht ein. "Der Zeitpunkt ist ungünstig, wir sind noch zu dicht an Weihnachten dran." Möglicherweise, überlegt er, kann er auch nicht jedes Sponsorengeld annehmen. Den Betreiber eines Kohlekraftwerks würde er wohl ablehnen müssen, damit nicht andere Geldgeber, die damit nicht einverstanden sind, abspringen.
Dass der Wagen wichtig ist für die Seemannsmission steht für Leon Meyer und sein Team außer Frage. Allein für den Hol- und Bringdienst von und zu den Schiffen ist der Bully an manchen Tagen mindestens drei Mal in einen der Häfen der Schleusenstadt unterwegs - pro Schiff. Manche Touren müssen auch zweimal gefahren werden, weil im Auto nur acht Personen Platz haben.
4597 Seeleute fanden auf diese Weise im vorigen Jahr den Weg in die Mission. Das sind rund 600 mehr als im Vorjahr. Die größte Gruppe bilden traditionell die Filipinos, erst weit danach kommen Russen, Ukrainer und Inder. Besonders interessant sei es, wenn auch mal Seeleute aus Taiwan oder dem Senegal die Mission für einen Clubabend auf suchen, erzählt Meyer.
Diese zwanglosen Zusammenkünfte haben sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich gewandelt. Früher, so der Diakon, sei das Haus vor allem Anlaufstelle für Telefonate der Seeleute mit ihren Familien in der fernen Heimat gewesen. Heute erleichtere das Internet, aber auch die Telefonkartenaktion der Mission den Kontakt. Das bedeute, dass an der Kanalstraße das Freizeitangebot an Bedeutung gewinne. Hier hofft Meyer auch auf Unterstützung durch einen Bürgerarbeitsplatz.
Sehr aufwendig im täglichen Geschäft seien auch die Übernachtungen. 793 Seeleute nutzten diese Gelegenheit nach einem Crew-Wechsel. "Mitunter könnten wir zehn Zimmer gebrauchen", erzählt Leon Meyer. Doch bei durchschnittlich zwei Übernachtungsgästen am Tag reiche das Raumangebot aus. Bei Bedarf könne zudem auf Monteurs wohnungen im benachbarten ehemaligen Kindergartengebäude ausgewichen werden. Allerdings: Dann fließt das Geld nicht in die Missionskasse. Dorthin überweisen die Reeder ansonsten pro Mann und Nacht 27 Euro plus Verpflegungskosten.
Oft kümmert sich des Missionsteam am nächsten Tag darum, dass die Seeleute zur Bahn gebracht werden, etwa nach Itzehoe, von wo sie dann den Heimweg antreten. Auch hier wird der rote VW-Bus benötigt. Oder, wie im vorigen Jahr, zur Betreuung von Seeleuten außerhalb der Stadt. Nach der Schiffskollision auf dem Kanal kümmerten sich die Brunsbütteler gemeinsam mit den Kollegen der Kieler Mission um die Matrosen auf einem nach der Havarie in Rendsburg liegenden Schiff. Drei Monate lang.
Leserkommentare
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben. Anmelden
Warum muss ich mich anmelden/registrieren?
shz.de distanziert sich prinzipiell von allen in den Leserkommentaren geäußerten Meinungen ohne Rücksicht auf deren Inhalte. Alle Beiträge in den Leserkommentaren geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen der User wieder.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien für Kommentare!
Lust auf mehr? Die Norddeutsche Rundschau jetzt
2 Wochen kostenlos testen.






Mit Erstaunen habe ich diesen Artikel gelesen. Ich wundere mich allerdings, dass ein so junges Fahrzeug mit "nur" 160.000 km Laufleistung nun nicht mehr rentabel sein soll. Ein Blick oder Gespräch auf des Taxengewerbe zeigt doch, dass die heutigen Fahrzeuge durchaus in der Lage sind 500.000 km und mehr zu leisten. Wie ich mir einbilde auf dem Bild zu erkennen, ist das Fahrzeug ein VW T5 und ist mit diesem Alter und der Laufleistung noch längst nicht zu ersetzen. Hier könnte die Diakonie mit Spendengeldern ein sinnvolleren Beitrag leisten.