NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU
Pastor Friedrich-Wilhelm Krämer geht: Abschied mit einem weinenden Auge
Verlässt Hohenlockstedt: Friedrich-Wilhelm Krämer vor dem Holzkreuz, dass er selbst für den Gemeinderaum gefertigt hat. Foto: Möller
Hohenlockstedt. 13 Jahre lang hat Pastor Friedrich-Wilhelm Krämer (57) die Freie evangelische Gemeinde mitgeprägt - jetzt verlässt der Seelsorger Hohenlockstedt. In Allendorf an der Eder, 30 Kilometer vom hessischen Marburg entfernt, hat er eine neue Pastorenstelle angenommen. Bereits an diesem Wochenende zieht Krämer zusammen mit seiner Ehefrau Rositta um, am 8. November hält er in Allendorf seinen ersten Gottesdienst. In der Freien evangelischen Gemeinde sei es üblich, nach zehn bis 15 Jahren die Pastorenstelle zu wechseln, sagt Friedrich-Wilhelm Krämer. Und mit seinen 57 Jahren sei es jetzt die letzte Möglichkeit, noch etwas Neues zu beginnen. Krämer sieht den Umzug auch als Chance und Herausforderung. Trotzdem verlasse er Hohenlockstedt mit einem "weinenden Auge", er habe sich hier sehr wohlgefühlt.
Der gebürtige Sauerländer lernte nach der Schulzeit erst Werkzeugmacher, bevor er über den zweiten Bildungsweg zur Theologie kam und in Marburg studierte. Seine erste Pastorenstelle hatte er danach in Duisburg, anschließend zog es ihn nach Hohenlockstedt.
In der dortigen Gemeinde, heute 75 Mitglieder stark, engagierte er sich auf vielfältige Weise. "Sehr am Herzen lag mir zum Beispiel die Vater-Kind-Arbeit." Aber auch die Mitgestaltung an der monatlichen Seniorengruppe habe ihm viel bedeutet. Bis zu 50 Gäste, auch viele Nicht-Gemeindemitglieder kämen teilweise zu den Treffen. Viel Spaß hätten ihm auch Gesprächskreise gemacht, in denen er Gäste, die sonst nichts mit Glauben zu tun hätten, in die christliche Arbeit habe einführen können. "Dadurch sind auch viele Freundschaften entstanden." Highlights seiner Arbeit seien auch die fünf Gemeindefreizeiten ins Ausland gewesen.
Zwei besondere Begabungen von Friedrich-Wilhelm Krämer wird Karin Biss von der Freien evangelischen Gemeinde besonders vermissen. Zum einen die künstlerisch-handwerklichen Fähigkeiten des Seelsorgers. "Er hat nicht nur das große Holzkreuz für unseren Gemeinderaum gefertigt, sondern auch viele andere handwerkliche Arbeit ausgeführt." Zum anderen wird Karin Biss die Predigten vermissen, ebenso wie Bürgermeister Bernhard Diedrichsen: "Ich könnte Ihnen ohne Ende zuhören", sagte er während des Abschiedsgottesdienst im Gemeindehaus.
Die nächste Zeit wird die Freie Gemeinde ohne Pastor auskommen müssen, denn jetzt läuft erst das neue Bewerbungsverfahren ein. Mitglieder aus der Gemeinde und Gastpastoren werden solange aushelfen.
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