NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU
Die Brutzeit beginnt - jetzt müssen Hunde an die Leine
Hat seinen Hund unter Kontrolle: Jäger Hermann Rinck mit seinem intensiv ausgebildeten Kleinen Münsterländer Larry vom Drebenholt. Er ruft Hundehalter dazu auf, ihre Tiere im Wald anzuleinen, damit diese nicht wildern.
Willenscharen. Damit hatte die Familie nicht gerechnet: Als das Ehepaar mit seinen Kindern nach einem Cafébesuch zum Auto zurückkam, in dem ihr Hund die ganze Zeit gewartet hatte, und dem Tier Auslauf gewährte, dreht es durch: Er lief der über den Knick und raste davon. 150 Meter weit hetzte er einen jungen Rehbock, bevor er ihn tötete. Diese dramatische Szene erlebte kürzlich Jäger Hermann Rinck. "Die Besitzer waren geschockt", erzählt er. Der Vater der beiden Kinder, die das Drama mit ansehen mussten, sei völlig überrascht gewesen, dass sein gutmütiger Familienhund so etwas macht. Und hätte nun natürlich auch Angst um die Kinder.
Zu Recht, denn der Hund sei in dem Moment ausschließlich seinen Jagdinstinkten gefolgt und nicht mehr unter der Kontrolle des Menschen gewesen. Bei seinem eigenen, ausgebildeten Jagdhund hätte ein Pfiff gereicht, um ihn zu stoppen. Der Berner Sennenhund der Familie werde nach der Gefahrhundeverordnung nach einem Biss noch nicht als gefährlich eingestuft, auch wenn in dem Falle bereits den Tatbestand der Wilderei erfüllt sei. Nach einem zweiten Vorfall müsste er aber zum Wesenstest. Wichtig sei es jetzt, dass die Hierarchie Rudelführer-Hund in der Familie sichergestellt ist.
Ein Hund, der in freier Natur Wild hetzt oder Wild nachstellt, verletzt fremdes Jagdrecht und begeht damit den Tatbestand der Wilderei. Das kann für die Besitzer schwerwiegende Konsequenzen haben: Jagdwilderei kann mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden.
Da der Vorfall kein Einzelfall ist, ruft Rinck dazu auf, gerade jetzt Hunde beim Spazierengehen anzuleinen und auf den Wegen zu bleiben. Die Brutzeit beginnt. Hasen, Rehe, Vögel beginnen in den Knicks und im Unterholz damit, ihre Jungen aufzuziehen und reagieren sehr empfindlich auf Störungen. Jungtiere, die man allein und verlassen findet, sollte man in Ruhe lassen und nicht anfassen. Junge Hasen, Kitze würden zu ihrem Schutz von ihrer Mutter oft den ganzen Tag sich selbst überlassen, nur zwischendurch kurz gesäugt. "Tierschutz heißt auch, Tiere (insbesondere für bestimmte Zeiten) unter Aufsicht zu stellen", sagt Rinck und denkt dabei speziell auch an den Jäger Katze. Zu dieser Jahreszeit sind auch seltenen Bodenbrüter ein leichtes Fressen für unbeaufsichtigt herumstreifenden Haustiere.
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