NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU

 

Glückstadt

Diabetes: Kein Platz für Gianluca im Kindergarten

26. Januar 2012 | 04:10 Uhr | Von Christine Reimers

Hoffen auf Hilfe: Christina Bluhm, Gianluca und Marie-Luis David. Foto: Reimers

Weil er mit Insulin versorgt werden muss, wollen Erzieherinnen den dreijährigen Gianluca im Kindergarten nicht betreuen. Kirchenvorstand und Krankenkasse wollen vermitteln.

Glückstadt. Gianluca ist ein aufgeweckter Junge. Der Dreijährige tobt gerne herum. Es fehlt ihm allerdings, mit anderen Kindern zu spielen. Nur wenige Tage durfte er in den evangelischen Kindergarten gehen, wo er sich sehr wohlfühlte. Dann wurde er vor fünf Monaten krank. Die Diagnose: Diabetes.

Ein Schock für seine alleinerziehende Mutter Christina Bluhm (23) und für Großmutter Marie-Luis David (48). Und was sie dann erlebten, erschütterte sie ebenfalls. Gianluca durfte nach seinem Krankenhausaufenthalt nicht zurück in den Kindergarten. "Ich bin in den Kindergarten gegangen, um dort Bescheid zu sagen. Da wurde mir gesagt, ich kann seine Sachen gleich mitnehmen", erzählt die Großmutter noch immer sichtlich empört. Die Erzieherinnen könnten sich nicht um ein zuckerkrankes Kind kümmern, sei ihr gesagt worden.

Anderer Platz in Aussicht gestellt

Für Gianlucas Mutter bedeutete dies: Sie musste zu Hause bleiben. Dabei hatte sie gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr begonnen, als Vorbereitung für eine Ausbildung. Sie möchte gerne arbeiten. Ihre Mutter will sie dabei unterstützen. Deshalb versuchte Marie-Luis David, für den Kleinen einen anderen Kindergartenplatz an anderer Stelle bei der evangelischen Kirche zu bekommen.

Der Mutter und Großmutter wurde für den Kleinen ein Platz in Aussicht gestellt. Allerdings unter der Bedingung, dass sich ein Pflegedienst darum kümmert, dass das Kind täglich betreut wird. "Wir sollten zudem eine Verfügung unterschreiben, dass die Aufsichtspflicht wegfällt", sagt die Großmutter. "Das wollten wir nicht." Sie weist zudem daraufhin, dass sich Erzieherinnen kostenlos ausbilden lassen können, um Diabetes kranke Kinder zu betreuen.

Großmutter: "Ich fühle mich hängen gelassen"

Gianluca wird über eine Pumpe mit Insulin versorgt, weil es angenehmer für Kind und Familie ist, als zu spritzen. Bei einer Insulinpumpe wird dem Körper, ähnlich wie bei einem Katheter, rund um die Uhr der Wirkstoff verabreicht. Seine Großmutter hatte vorgeschlagen, bis nach dem Frühstück an seiner Seite zu bleiben, um zu kontrollieren, ob Gianluca seine Dosis über die Pumpe erhält. Doch dieser Vorschlag wurde zunächst nicht aufgenommen. "Ich bin so enttäuscht und fühle mich hängen gelassen", sagt Marie-Luis David. "Gianluca braucht die anderen Kinder."

Pastor Thomas-Christian Schröder kümmert sich mittlerweile um den Fall. Der Kirchenvorstandsvorsitzende wirbt um Verständnis für seine Einrichtungen. "Die personelle Situation in den Kindergärten ist zurzeit schwierig." Dort gäbe es mehrere Krankheitsfälle unter den Erzieherinnen.

Pastor: "Wir schmeißen kein Kind raus"

Pastor Schröder will das Problem jetzt gemeinsam mit der Mutter und Großmutter lösen. "Wir schmeißen kein Kind raus." Aber, so erklärt er, die Erzieherinnen möchten, dass ein täglicher Pflegedienst kommt. Wahlweise die Großmutter oder Mutter. "Es muss sichergestellt sein, dass Gianluca mit Insulin versorgt wird."

Das Kind ist über die Mutter bei der AOK versichert. AOK-Regionalleiter Alf Jark will den betroffenen in der Situation zur Seite stehen. Er sucht jetzt zunächst das Gespräch mit dem behandelnden Arzt, der Einrichtungsleitung der Kindergärten und der Mutter. "Ein Antrag liegt uns noch nicht vor, aber wir wollen helfen." Er beruhigt aber allgemein: "Die Pumpe funktioniert vollautomatisch. Es besteht keine Gefahr."

150 Kinder mit Diabetes gebe es in seinem Bezirk. "Nirgendwo gab es ein Problem in einem Kindergarten. Aber wenn Hilfe nötig ist, helfen wir. Gianluca soll in einen Kindergarten gehen können. Wir werden eine Lösung finden."


 

Leserkommentare

 
STEUER ZAHLER 27.01.2012 02:20
Oje, liebe Kirchengemeinde.....

Das rücksichtslose und orientierungslose Verhalten erinnert mich an die Vorkommnissse in Herzhorn bei St. Annen. Ohne christliches Vorlebender Pastoren können Menschen in der Kirchengemeinde halt nicht arbeiten bzw. sich orientieren. Pastor Kleine ist immer noch im Dienst und treibt sein Dienstgusto. Aber solange der Propst ihn stützt wird es für die Herzhorner auch keine Ruhe geben! Schade das die MitarbeiterInnen des shz Verlages ihn vor Ort schützen!



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