NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU
Zähe Suche nach neuem Vorstand
Neuer Vorstand (von links): Kassenwartin Hilke Willer, Schriftwartin Kerrin Lehmann, stellvertretender Vorsitzender Kay Paschen und Vorsitzende Sabine Dammann. Foto: Hinz
Lägerdorf. Das war knapp: Fast wäre die jüngste Mitgliederversammlung der Bürgerinitiative BIAB Lägerdorf (Bürgerinitiative zur Verhinderung gesundheitsgefährdender Abfallbeseitigung) die letzte gewesen.
Denn da der bisherige Vorsitzende Andreas Sip und seine Frau, Schriftwartin Gudrun Sip, wegen berufsbedingten Umzugs nach Flensburg nicht mehr zur Verfügung standen, mussten diese Positionen neu besetzt werden. Konnte mit Sabine Dammann von den 25 Teilnehmern im Tennisheim recht schnell eine Nachfolgerin für den Vorsitz gefunden werden, so wollte sich zunächst weder ein Schriftführer noch ein Kassenwart finden - ohne Vorstand aber kein Verein. Erst nach zäher Suche und einer eingelegten Pause erklärten sich Hilke Willer (Kassenwartin) und Kerrin Lehmann (Schriftführerin) bereit, diese Ämter zu übernehmen. So war der Verein gerettet, die Arbeit kann fortgesetzt werden.
Besonders erleichtert waren die Mitglieder auch, da gerade wieder eine Hauptaufgabe auf die BIAB wartete: Im Genehmigungsverfahren zu einem Antrag der Firma Holcim auf die Verbrennung von Klärschlämmen erreichte die Initiative eine Aufschiebung und die Erbringung weiterer Auflagen (wir berichteten). Viel Kritik gab es von den Mitgliedern an einem Besuch von Abgeordneten der Grünen Landtagsfraktion bei der Firma Holcim. Im daraufhin erschienenen Zeitungsartikel hätten die Grünen Politiker sich nicht entscheidend gegen Aussagen der Firmenleitung gewehrt, in der Vergangenheit sei durch die BIAB viel über die Firma und ihre Vorhaben spekuliert worden, "anstatt einfach mal nachzufragen." Wenn Grüne mit Holcim reden, sollten sie das Thema Umweltverschmutzung thematisieren, so der Vorwurf, anstatt sich gemeinsam mit ihnen ablichten zu lassen.
Der Landtagsabgeordnete der Grünen, Bernd Voß, bei dem Firmengespräch dabei, begründete, derartige Außentermine führten die Abgeordneten im Kontext der Energiewende. "Ihr Pumpspeicherwerk braucht Strom für 50 000 Einwohner. Kohle und Atom sind zwar weg, aber CO2 wird bleiben. Hier stand hauptsächlich die Frage im Raum, wie man damit umgeht."
"Wir können uns ja nicht davon abhalten lassen, Unternehmen zu besuchen. Das werden wir auch weiter hin tun und sehen, wie sie mit der Energiewende umgehen." In Zukunft, so versprach er, werde die Partei aber sensibler mit derartigen Situationen verfahren.
Willi Schilling, Ehrenvorsitzender des Vereins "Haus und Grund Münsterdorf und Umgebung" nahm sich des Themas Windkraft an, da die Firma Holcim einen Windpark in Lägerdorf geplant hat. "Ich bin kein Gegner der Windkraft, aber wenn sie den Menschen und Tieren Schaden zufügt, muss ich skeptisch sein", begründete er. Das schleswig-holsteinische Innenministerium habe keine Eignungsflächen ausgewiesen für Münsterdorf, Lägerdorf oder Rethwisch - "…aber die Firma Windkraft Breitenburg GmbH hat das getan." Sie habe Flächen ausgewiesen für 28 Anlagen in Lägerdorf, 14 in Münsterdorf und zehn in Dägeling, die identisch seien mit Kreis-Ausweisungen aus dem Jahr 2010. Während Münsterdorf und Dägeling die Flächen aus dem Nutzungsplan heraus genommen hätten, habe Lägerdorf diese im Gemeinderat beschlossen.
Diese basierten "aber schon auf falschen Grundlagen", wies er auf Fehler in der Berechnung hin. Anhand einer Fotomontage machte er darauf aufmerksam, wie es in Lägerdorf im Falle des Baus dieser Anlagen aussehen könnte. Während die Anlagen 180 Meter hoch sind, weise der Kirchturm gerade einmal eine Höhe von 29 Metern auf.
Um einem Werteverfall der Häuser und Grundstücke durch die "Verunstaltung der Landschaft" entgegen zu wirken, kündigte er weiterhin Widerstand gegen die Windkraftanlagen von Holcim in Lägerdorf an.
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