NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU

 

Suche nach dem schwarzen Gold

04. Februar 2012 | 06:23 Uhr | Von ala

Weltnaturerbe nicht betroffen: Die Bohrungen finden in so genannten Enklaven statt (rot umrandet).

Bild 1 von 2
Probebohrungen im Wattenmeer geplant

Dithmarschen. Das Geschäft mit dem schwarzen Gold ist lukrativ. Mit steigenden Ölpreisen lohnt es sich, auch den letzten Tropfen aus den Tiefen der Nordsee zu holen. Seit 1987 förderte die Bohrinsel Mittelplate rund 25 Millionen Tonnen Öl. Ein vergleichbares Volumen geben die bekannten Lagerstätten in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich noch her. Zudem vermutet die RWE Dea AG rund um Deutschlands einziger Förderplattform weitere Sandsteinschichten mit der kostbaren Flüssigkeit. Seismische Untersuchungen deuten in mehreren Lagerstätten auf Öl-Reserven von über 20 Millionen Tonnen hin. Gewissheit ergeben nur Probebohrungen. Und das ist das Problem: Die Gewässer liegen im sensiblen Ökosystem des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.

Für Wilhelm Malerius (SPD) ist das kein Handicap. Der Vorsitzende des Agrar- und Umweltausschuss des Kreises Dithmarschen machte deutlich, dass er hinter den Explorationsbohrungen steht. Mit der Einladung von Vertretern von RWE Dea, die im Ausschuss Details des Projektes vorstellten, wollte der Brunsbütteler ein Zeichen setzen. "Das geht auch gegen die Grünen - das will ich nicht abstreiten", erklärte Malerius.

Seit 2007 plant der Energieversorger die Probebohrungen im Wattenmeer, in die RWE Dea zusammen mit Wintershall 100 Millionen Euro investieren will. "Wir gehen offen mit dem Thema um", betonte Pressesprecher Derek Mösche. Die Förderung von zusätzlichem Öl trage zur Versorgungssicherheit in ganz Deutschland bei und Mittelplate sei von strategischer Bedeutung. "Mit jeder in Deutschland geförderten Tonne Öl verringern wir die Importabhängigkeit." Die vier geplanten Bohrungen werden zudem nicht im Weltnaturerbe-Gebiet durchgeführt, sondern in so genannten Enklaven, die vom Weltnaturerbe ausgenommen sind.

Naturschutzfachliche Studien sind durchgeführt und alle Unterlagen für die Genehmigung der Probebohrungen bei der Nationalparkverwaltung und dem Bundesamt für Bergbau und Geologie eingereicht worden. Doch das Verfahren ist langwierig. Mösche rechnet zudem mit Klagen von Umwelt- und Naturschutzverbänden.

Sollte RWE Dea die Genehmigung erhalten, dauern die Probebohrungen mindestens zwei Jahre, da Rücksicht auf Flora und Fauna genommen werden muss. Geplant sind drei Bohrungen vor der schleswig-holsteinischen und eine vor der niedersächsischen Küste. Dafür werden eigens zwei Pontons gebaut, die wie eine Mini-Mittelplate funktionieren, zu den Bohrstellen geschleppt und über abgelenkte Bohrungen in einer Tiefe von 1600 und 3000 Metern auf die Suche nach Öl gehen.

Der Einfluss auf die Umwelt sei minimal, versichert Projektleiter Heiko Oppermann (Foto). "Es wird alles so hinterlassen, als ob wir nie da gewesen wären." Stellt sich heraus, dass die Förderung wirtschaftlich ist, könnte theoretisch 2018 das erste Öl gefördert werden - in Schleswig-Holstein von Mittelplate aus. In Niedersachsen etwas später über eine neue Förderanlage an Land.

Infos unter: www.erdoelsucher.de.


 

Leserkommentare

 


Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben. Anmelden

Warum muss ich mich anmelden/registrieren?

shz.de distanziert sich prinzipiell von allen in den Leserkommentaren geäußerten Meinungen ohne Rücksicht auf deren Inhalte. Alle Beiträge in den Leserkommentaren geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen der User wieder.

Bitte beachten Sie unsere Richtlinien für Kommentare!


Lokalausgabe wählen

 
 

SONDERTHEMEN

Hier finden Sie die aktuellen Sonderthemen aus Ihrer Tageszeitung

25.05.

 

24.05.

23.05.

Die aktuellen Sonderbeilagen der Tageszeitung

 




Was suchen Sie?

z.B. "Hotel", "Software", "Müller"

Wo suchen Sie?

z.B. "Flensburg" , "Rote Str."

Wen suchen Sie?

z.B. "Hotel", "Software", "Müller"

Wo suchen Sie?

z.B. "Flensburg" , "Rote Str."

 
INSTITUT50PLUS
Lebendig leben...
Angebote für eine aktive Lebensgestaltung
 
HÄUFIG GELESEN

Drei Tote bei Verkehrsunfällen im Norden

Drei Menschen sind am Donnerstag bei Verkehrsunfällen in Hamburg und Schleswig-Holstein ums Leben ...mehr

 
 


KONTAKT | IMPRESSUM | AGB | DATENSCHUTZ