NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU
Karola Wilke: Frau mit Führungsqualitäten
Kellinghusen. In vielen Schulen und Haushalten erklingen zur Weihnachtszeit fröhliche Weisen. Als "Evergreens" befinden sich darunter Texte aus der Feder von Karola Wilke: "Bald nun ist Weihnachtszeit" und "Tut auf das Tor", veröffentlicht im Liederbuch Schleswig-Holstein zählen zu den stets gern intonierten Liedern. Erinnert wird an Karola Wilke, die hauptberuflich erste Leiterin des Jugendaufbauwerks Kellinghusen war, nun im Rahmen des Projekts "Frauengeschichte - Frauengeschichten im Kreis Steinburg".
Ursprünglich von den ehren- und hauptamtlichen Gleichstellungsbeauftragten (GB) Jutta Ohl (Foto), Elke Dammann, Ute Kortüm, Helga Thode und Petra Hoffmann ins Leben gerufen, führt die Geschichts-Arbeit aktuell der Verein Donna Doria fort. "Acht Bände zu unterschiedlichen Themen haben wir bereits veröffentlicht", sagt Jutta Ohl. Die Idee dazu stamme ursprünglich von Elke Dammann, verweist sie auf die Mitstreiterin. Suchen, sammeln, sichten und aufschreiben, unter diesem Motto spüre die Kellinghusenerin schon etliche Jahre Frauenleben nach. "Elke Dammann hat sich zur Aufgabe gemacht, meist mündlich bewahrte Erinnerungen niederzuschreiben, bevor sie unwiederbringlich verloren gehen", unterstreicht Ohl.
Als weitere Erfolgsgeschichte sei aus diesem Engagement die Frauenmesse "Stell dein Licht nicht unter den Scheffel" hervorgegangen. "Ich wollte die Frauen im Kreis motivieren, ihr ganz unterschiedliches Können zur Schau zu stellen", erklärt Dammann. Der ersten Messe folgten elf weitere Veranstaltungen an unterschiedlichen Orten im Kreisgebiet. "In einer kleinen Arbeitsgemeinschaft entwickelten sich daneben die Anfänge für die Dokumentation von Frauengeschichte(n)", sagt Ohl.
Unterstützung fanden die Frauen bald durch den 1999 gegründeten Donna Doria e.V.. Der Mädchen -und Frauenverein förderte die Frauenmesse und nahm das Projekt "Frauengeschichte" in seine Obhut.
Elke Dammann macht kein Hehl aus ihrer Erleichterung, die finanzielle Abwicklung los zu sein. "So habe ich den Kopf frei für die kreative Seite". Die war beim Schreiben eines weiteren - gerade herausgegebenen - Geschichtsbuchs über das Leben von zwei Kellinghusener Frauen gefragt. "Karola Wilke - ein Leben für die Jugend" und "Wilhelmine Kähler - ein Leben für die Gerechtigkeit". Das Schicksal beider Frauen sei zwar schon in bereits erschienen Bänden beleuchtet worden. "Darauf bekamen wir eine Flut von Rückmeldungen, die nun eingebracht werden sollen."
Besonders groß sei die Resonanz auf die ehemalige JAW-Leiterin Karola Wilke gewesen, so Ohl. Ehemalige Schülerinnen lieferten eine Fülle von Material, sie schrieben Erinnerungen und Erlebnisse nieder, sandten Fotos ein und erzählten ganz viel über einer der ersten Frauen in "Führungsposition" in der Stadt. Gleich nach der Gründung des JAW Kellinghusen 1953 trat Wilke als Leiterin der Einrichtung an und führte sie rund 20 Jahre in vorbildlicher Weise. "Ihre pädagogischen Fähigkeiten bescherten ihr stets ein volles Haus, die Mädchen fühlten sich wohl unter ihren Fittichen", fasst Dammann zahlreiche Rückmeldungen zusammen. Entspannung vom beruflichen Engagement habe die musisch veranlagte Karola Wilke beim Texten von Weihnachtsliedern gefunden, die in dem Liederbüchlein "Der große Wagen" veröffentlicht wurden.
Wilhelmine Kähler, deren 150. Geburtstag 2014 begangen wird, wurde als Gewerkschafterin und Mitglied im Deutschen Reichstag weit über die Störstadt hinaus bekannt. "Mit dem Journalisten Ulrich von der Trenck hatte ich bereits begonnen über Kähler zu schreiben", sagt Ohl. "Durch den Tod von Ulrich konnten wir die gemeinsame Arbeit leider nicht zu Ende führen." Inzwischen gebe es aber mehr Material über die Frau, die als sechstes von sieben Kindern eines Steinhauers geboren wurde, und bereits vom siebenten Lebensjahr an mit zum Unterhalt der Familie beitragen musste. "Als Wirtschafterin des Kirchspielvogts Detlev von Liliencron kam sie mit Literatur und Politik in Berührung", erklärt Ohl. Als 25-Jährige sei sie in der norddeutschen Arbeiterbewegung aktiv gewesen. Als Kähler als Vorsitzende des von ihr gegründeten Fabrik- und Hausarbeiterinnenverbands im Geburtsort zu Gast war, kam es zu einem Eklat. "Wegen Zwischenrufen musste die Versammlung geschlossen werden", erinnert Ohl an die Niederschrift im Polizeibericht.
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