LANDESZEITUNG
Rendsburg
Hitziger Start in die vier tollen Tage
Zwei politische Schwergewichte auf der Bühne: Wolfgang Kubicki (vorn) und Ralf Stegner schenkten sich nichts. Foto: höfer
Rendsburg. Den ersten rhetorischen Kinnhaken setzte Ralf Stegner, als Wolfgang Kubicki noch gar nicht reagieren konnte. "Bei mir gibt’s heute Landtag", twitterte der SPD-Fraktionschef am Morgen von zuhause aus. "Abends in Rendsburg munteres Rededuell mit FDP-Version von D. Bohlen - W. Kubicki." Um kurz nach 19 Uhr standen beide Politiker dann wirklich auf der Bühne. Vor mehr als 400 Zuschauern auf dem Altstädter Markt lieferten sie sich ein einstündiges Rededuell, das die FDP der Stadt zum "Polit Boxen" erklärt hatte.
Tatsächlich standen Stegner und Kubicki in einem nachgebauten Boxring. Der SPD-Fraktionschef hatte sich deutlich besser vorbereitet, wirkte bissiger und spritziger als Kubicki, der mit 20 Minuten Verspätung in Rendsburg eingetroffen war. Begründung: "Wir haben die Fähre genommen und standen im Stau." Zurück kam Stegners harte linke Gerade: "Mich haben sie durch den Tunnel gelassen, das ist der Unterschied."
Es war der hitzige Start in einen Rendsburger Herbst, der sich in den Stunden zuvor warmgelaufen hatte. Das erste Bier floss vier Stunden vor dem Rededuell - und gut einen Tag vor dem offiziellen Anstich heute um 16.30 Uhr durch Schleswig-Holsteins Innenminister Klaus Schlie und Bürgermeister Andreas Breitner. Während sich auf dem Paradeplatz die ersten Karussells drehten, lud die Bundeswehr an der Obereiderhafen-Meile zum "Beer Call" ein. Anders als das "Polit Boxen" hat dieser Programmpunkt beim Herbst Tradition. Und so trafen sich am Nachmittag mehr als 150 aktive und ehemalige Soldaten sowie deren Familien unter einem Tarnzelt und der Flagge des Lufttransportgeschwaders 63 (LTG 63), um anzustoßen. Auf der Meile nebenan wurde derweil noch gehämmert und geschraubt - hier floss bei schwülmarmer Witterung statt Bier vor allem Schweiß.
Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Spätestens ab heute dürften die halbe Stadt und zehntausende Menschen aus der Region auf den Beinen sein. Der 37. Rendsburger Herbst mit verkaufsoffenem Sonntag bietet ein dichtes, vielfältiges Programm. Auftritte von mehr als 70 Bands, Solokünstlern, Chören und Kapellen stehen an. Dazu ein vielfältiges kulinarisches Angebot und eine schier unüberschaubare Menge von Unterhaltungsmöglichkeiten besonders für Kinder, Jugendliche und Familien. Nicht zu vergessen die Präsentation der Vereine und Verbände auf dem Stadtseegelände. Sie nennt Anke Samson, Geschäftsführerin von RD-Marketing, "die Oase im Stadtfestgetümmel". Der Carneval-Club Rendsburg (CCR) will dieses Mal für besonders gute Stimmung zu sorgen, nicht nur tagsüber, auch abends. "Wir möchten zurück zu den alten Zeiten, als es im Stadtseegelände noch Live-Musik gab und alles viel gemütlicher war", sagen die CCR-Jecken.
Möglichst wenig Regen und ein Ausbleiben schwerer Gewitter wünscht sich Organisator Peter Dünne. Gestern Morgen fand eine Begehung des Stadtfest-Geländes mit Vertretern von Ordnungsamt, Bauaufsicht, Feuerwehr und Organisation statt. Fazit: Rettungswege sind ausreichend vorhanden, Bühnen und Zelte sind windsicher verzurrt. Das jüngste Sturm-Unglück bei einem belgischen Musikfestival lässt das Thema Sicherheit mehr als sonst in den Fokus rücken. "Wir haben uns zu diesem Punkt Gedanken gemacht, wollen uns aber nicht verrückt machen lassen", sagt Peter Dünne. Alle Bühnen seien sehr gut gesichert.
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