LANDESZEITUNG

 

Evolutionstag statt Himmelfahrt

11. Mai 2010 | 06:45 Uhr | Von Alice Szysz

Ein Mann in vier Variationen: Charles Darwin entwickelte die Evolutionstheorie. Mit seinem Konterfei wird für eine Umbenennung des christlichen Feiertages geworben.

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Rendsburg. "An Himmelfahrt feiern wir, dass Jesus nicht gestorben, sondern in den Himmel gekommen ist und wir Menschen somit ein Ziel im Leben haben." Mit diesen Worten erklärt Pfarrer Manfred Beuke (69) von der katholischen Gemeinde Sankt Martin in Rendsburg den jährlichen Feiertag. Doch wie viele Deutsche glauben noch daran? "Jesus kann nur für 37 Prozent der Deutschen in den Himmel aufgefahren sein", antwortet Andreas Müller. Er ist leitender Redakteur der Internetseite www.evo-magazin.de, die mit einer internationalen Unterschriften-Aktion eine gesetzliche Umbenennung von "Christi Himmelfahrt" in "Evolutionstag" oder kurz "e-day" erreichen will.

Müller erklärt: "Es gibt in Deutschland neun bundeseinheitlich geltende Feiertage. Bis auf den 1. Mai und den Tag der deutschen Einheit, mit denen sich alle Bürger identifizieren können, haben diese Feiertage einen explizit christlichen Hintergrund." Dies sei problematisch, weil es in Deutschland mittlerweile mehr konfessionsfreie Menschen als Katholiken oder Protestanten gebe. Außerdem unternehmen an "Christi Himmelfahrt" heute viele Familien Ausflüge in die Natur. "Angemessener kann ein "Evolutionstag" kaum begangen werden", heißt es auf der Internetseite.

Deswegen fordere man, dem konfessionsfreien Teil der deutschen Gesellschaft ohne sekuläres Weltbild durch einen gesetzlichen Evolutionstag entgegenzukommen. Mit der Unterschriftenaktion sollen der Bundesrat und die zuständigen Landespolitiker zur Umbenennung aufgefordert werden.

Aber warum gerade "Evolutionstag" und nicht vielleicht "Relativitätstag"? Auf der Internetseite ist im "Wort zum Evolutionstag" als Begründung zu lesen, dass der Evolutionstag der Tag sei, "an dem wir die Erkenntnis feiern, dass uns keine übernatürlichen Kreaturen als ihre Spielbälle gebrauchen, sondern dass wir ein Teil der Natur sind." Außerdem habe man dank der Evolutionstheorie endlich die sehr alte Frage nach dem Ursprung des Menschen beantworten können. Schließlich sei sogar die Frage nach dem Sinn des Lebens beantwortet worden: Der Mensch habe sich nämlich von überstehenden Ideen über sich selbst befreit und nun die Macht und damit auch die Verantwortung dafür, "dass wir leidende Menschen nicht mehr auf ein glückliches Nachleben auf Wolke Sieben vertrösten können, sondern dass wir das Leid in der Welt entweder jetzt mindern, oder dass Menschen die Konsequenzen für unsere Nachlässigkeit tragen werden." Leidensfähigen Wesen ein glückliches Leben zu ermöglichen sei daher ein "evolutionärer Imperativ".

Was sagt die Kirche zu so einer Initiative? Pfarrer Beuke äußert Bedenken, wenn Himmelfahrt als gesetzlicher Feiertag ganz durch einen Evolutionstag ersetzt werden würde. Allerdings meint er, dass die Evolution mit der christlichen Religion an sich vereinbar sei: "Der Mensch wird durch die Evolution stetig perfektioniert und erhält damit die wunderbare Bestimmung, unendlich zu sein. Somit ist dem Menschen eine große Offenheit gegeben." Laut Müller sind die Reaktionen der Kirche zum Evolutionstag meistens skeptisch bis ablehnend: "Kein Wunder, denn die Evolutionstheorie widerlegt den traditionellen christlichen Glauben, Gott habe alle Arten, vor allem den Menschen, einzeln erschaffen", erklärt er. "Vielmehr sind wir aus früheren Arten schrittweise über einen Milliarden Jahre währenden Prozess hervorgegangen. Für Gott bleibt da nicht mehr viel zu tun."

Mittlerweile haben sich knapp 6000 Bürger an der Unterschriftenaktion im Internet beteiligt . Wer mitmachen will, findet die Liste unter giordano-bruno-stiftung.org/p_eday/petitionbook.php .


 

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