LANDESZEITUNG
Seebären treffen auf Blaumeisen
Zwei Oktopusse im Kochtopf: Jacqueline Schröder, Sven Teichert, Maurice Urthel und David Nett (von links). Foto: Kühl (2)
Hanerau-hademarschen. Miteinander und voneinander Lernen: Das war das Motto bei einem gemeinsamen Unterrichtsprojekt von "Blaumeisen" und angehenden Fischwirten in der Landfrauenschule Hademarschen. Während die Hauswirtschaftsschülerinnen den Krabbenfischern das Kochen und Wäschewaschen beibrachten, berichteten die Fischereischüler über das Leben auf hoher See, ihre Ausbildungsbetriebe und Fangmethoden.
Oktopus mit Paprikagemüse und Kräutersoße sowie gebratene Schollenfilets wurden gestern Vormittag in der Großküche der Landfrauenschule zubereitet, und zwar gemeinsam von Hademarscher Internatsschülerinnen und Fischereischülern aus Rendsburg. Dass die "Blaumeisen" in ihrer Küche leckere und gesunde Speisen fürs Mittagessen kochen, ist nichts Besonderes. "Aber was sollen die Krabbenfischer von der Berufsschule in der Küche?", fragte Peter Levsen Johannsen vom Berufsbildungszentrum am Nord-Ostsee-Kanal (BBZ am NOK) und erläuterte das Konzept des Unterrichtsprojekts. Die Landesberufsschule für Fischwirte gehört ebenso wie die Landfrauenschule Hademarschen zum BBZ am NOK. Normalerweise stehen bei den Fischern Fächer wie Meeresbiologie, Nautik, Netzkunde, Wirtschaft und Motorenkunde auf dem Lehrplan. "Heute bekommen die jungen Männer aber mal einen Crashkurs in Dingen des Alltagslebens", sagte Levsen Johannsen mit Blick auf die eher fischereifernen Tätigkeiten, welche die Hademarscher Hauswirtschaftsschülerinnen ihren Gästen gestern beibrachten: Wäsche waschen und aufhängen, Servietten falten und Tische eindecken, Nahrungszubereitung und Ernährungstechnologie.
"Wir haben gelernt, welche Wäscheprogramme es gibt, wie man das Waschmittel dosiert und dass man vor dem Waschen Taschen ausleert und Reißverschlüsse zumacht", berichteten Guido Buß (Dormumersiel/Ostfriesland) und David Nett (Friedrichskoog), "das hat Spaß gebracht". "Der Spaßfaktor spielt heute natürlich auch eine Rolle", merkte Levsen Johannsen an, "die Fischer kommen mal raus aus ihrem Schulalltag und lernen was für die Zeit auf hoher See und fürs Leben allgemein." Aber auch die "Blaumeisen" profitierten vom Besuch aus Rendsburg. "Das ist ein Geben und Nehmen", betonte der Leiter der Abteilung Landwirtschaft des BBZ am NOK. Nach dem gemeinsam zubereiteten Mittagessen folgten nämlich Referate der Mittel- und Oberstufenschüler der Fischereischule zu verschiedenen Themen aus ihrem Berufsleben. Guido Buß zum Beispiel gab Erläuterungen zur Seezungenfischerei, und David Nett verglich die aktuelle Lage auf den Märkten für Dorsch und Kabeljau.
"Unsere angehenden hauswirtschaftlichen Betriebsleiterinnen bekommen Erkenntnisse darüber vermittelt, unter welch harten Arbeitsbedingungen die Fischer unter der Berücksichtigung der Nachhaltigkeit Qualitätslebensmittel produzieren", erklärte Gudrun Krey vom Kollegium der Landfrauenschule. Grundsätzlich gehe es darum, "Blaumeisen" und Fischwirten ein Bewusstsein für den ganzen Weg eines Produkts von der Herstellung bis zum Konsumenten zu vermitteln, sagte Levsen Johannsen: "Wir wollen den Schülern beibringen, in Wertschöpfungsketten zu denken."
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