LANDESZEITUNG

 

Rendsburg

Ja zur Holzbrücke, Nein zum Radweg

03. Februar 2012 | 06:50 Uhr | Von Gero Trittmaack

Ende des monatelangen Streits? Die Ratsversammlung hat sich zum zweiten Mal für eine Brückenvariante ausgesprochen. Foto: Höfer

Die Rendsburger Ratsversammlung hat am Donnerstagabend mit großer Mehrheit einen Neubau der Weißen Brücke beschlossen.

Rendsburg. Endlich. Es gibt eine Entscheidung zur Weißen Brücke. Mit deutlicher Mehrheit beschloss die Rendsburger Ratsversammlung einen Neubau: Der Ersatz für den maroden Überweg soll wie bisher drei Meter breit werden und auf Stahlstützen stehen. Geländer und Bodenbelag werden aus Holz sein. Auf eine Veloroute verzichtete die Ratsversammlung. Damit setzten sich SPD, Modernes Rendsburg, Linke und SSW mit einem gemeinsamen Antrag durch.

Auch gegen diesen Beschluss kann Andreas Breitner noch Widerspruch einlegen. Er könne das nicht ausschließen, sagte Andreas Breitner nach Ende der Sitzung der Landeszeitung, weil der Beschluss die unwirtschaftlichere Variante sei. "Das werden wir prüfen."

"Wir sind in der Situation eines Mannes, der einen Anzug kaufen will"

Zur Wahl hatte auch der Verwaltungsvorschlag gestanden, der lediglich in zwei Punkten abwich: Bei fast identischem Eigenanteil der Stadt wäre noch eine Veloroute zwischen Paradeplatz und Brücke hinzugekommen. Zudem sollte das Bauwerk vier Meter breit sein.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Krabbes brachte die Angelegenheit aus seiner Sicht auf den Punkt: "Wir sind in der Situation eines Mannes, der einen Anzug kaufen will. Es gibt zwei identische zum gleichen Preis. Bei einem aber gibt es noch ein gestreiftes Hemd dazu. Da kann man doch nicht sagen: Das Hemd kaufe ich später." Die Stadt sei nicht in der Situation, Geschenke ausschlagen zu können, betonte Krabbes mit Hinweis darauf, dass die mehr als 100.000 Euro teure und notwendige Sanierung des Radweges die Stadt nichts kosten würde. In der Abstimmung folgten ihm allerdings nur seine Fraktion sowie Lothar Möhding (SPD).

Erleichterung nach dem Votum

Die Koalition aus SPD, Liste Wilken, SSW und Linken erneuerte mit ihrem Antrag einen Beschluss der Ratsversammlung aus dem Dezember. Allerdings hat sich seitdem die Ausgangslage verändert: Damals hatte die Verwaltung erklärt, es gebe keine öffentlichen Zuschüsse für eine Holzbrücke. Die Ratsversammlung beschloss dennoch, Breitner legte Widerspruch ein. Inzwischen hat das Innenministerium seine Meinung geändert, Rendsburg muss das Bauwerk nicht alleine finanzieren.

Nach dem Votum herrschte in der Versammlung überwiegend Erleichterung darüber, dass das Thema Weiße Brücke endlich zu den Akten gelegt werden kann. Breitners mögliches Veto hatte sich noch nicht herumgesprochen.


 

Leserkommentare

 
A CL 02.02.2012 09:42
Grün

Wenigstens die Grünen haben kapiert, wie sinnvoll diese Brücke ist....

J. J. 02.02.2012 10:59
Die Grünen...

Vielleicht haben die Grünen recht, das man das Geld an anderer Stelle auch braucht. Ich bin jedoch der Meinung, das diese Brücke zu Rendsburg gehört!
Vielleicht sollte die Stadt einfach mal an anderer Stelle sparen um für Kita-Plätze u.ä. Geld zu haben.
Aber doch bitte nicht an der Kultur!

DER SCHLESWIG- HOLSTEINER 02.02.2012 14:22
Wer braucht eigentlich die Grünen?

Diese Bremserpartei sollte sich einmal untersuchen lassen. Jedenfalls kennt jeder die Brücke im Stadtpark und die gehört schlicht und einfach dazu. Man kann nicht einfach ein Bauwerk mit einem Handstreich wegwischen. Die Sturheit einiger Ratsherren ist ohne Beispiel. Die Rendsburger Bürger wollen schlicht und einfach diese Brücke. Mein Weg von Neuwerk in die Stadt geht immer über diese Brücke. Zu Fuß oder mit dem Rad (auch geschoben) ist es eine Atempause von der Straße. Einige der Ratsherren kenne ich sehr gut und weiß sehr wohl, dass diese Leute gar keinen Bezug zur Stadt Rendsburg haben. Da sind Wichtigtuer am wirken die den Weg über diese Brücke nicht kennen; bzw. nur aus zwingenden Gründen den Weg nehmen.
Die Finazierung ist doch ganz einfach. Ich beobachte täglich den Paradeplatz der ja eigentlich zum Parken gesperrt ist. Geparkt wird trozdem und ganz umsonst. Ich kenne Parkautomaten die gerne einige Euros kassieren und Geld in die Stadtkasse spülen. Was letzten Endes Kita Plätze angeht.... auch die "armen Eltern" sollten eigenen Beitrag für die Kita leisten. Mit meinen Steuergeldern wird in diese Richtung schon sehr viel getan an sozialer Hilfe. Ein wenig sollte für die Kultur übrige sein und dazu gehört der Bestand des Stadtparks und seiner Brücke.
Zu guter Letzt, was die Grünen angeht verspreche ich schon heute; meine Stimme wird nicht in diese Richtung gehen. Wer Grün wählt sollte auch eine Gegenleitung erhalten und dazu gehört auch der Bestand dieser Brücke im Stadtpark....

RAINER DOMINICKI 03.02.2012 10:44
Radweg

Leider wird wieder von einem Radweg geschrieben! Es sollte aber eine Veloroute werden, die erheblichen Gefahren für Fußgänger und Radfahrer gebracht hätte!
Erstaunlich ist die schnelle Kehrtwendung der Grünen, die sich vor kurzem noch für Geldspenden für die Holzbrücke und gegen die Velroute eingesetzt hatten.

MORTEN JOCHIMSEN 03.02.2012 13:22
weiße brücke

ja rainer, in grüner haut möchte ich jetzt auch nicht stecken. erst groß werbung machen für die erhaltung der "weißen brücke". große webung in der ratsversammlung für das morgen statfindende "brückenkonzert" in der "nordmarkthalle". applaus für das das statement von spd ratsherr satorius, dass man auch dinge umsetzen kann und muss in "liebe für die stadt".

TORBEN FRANK 04.02.2012 12:02
Innenstadt vom Radverkehr abgeschnitten

Der Radverkehr aus Richtung Süden (NOK, Neuwerk) ist nun von der Innenstadt abgeschnitten. Es bleibt nur die ordnungswidrige Fahrt entgegen der Einbahnstraße des Jungfernstieges oder der Umweg über die nicht erneuerten Wege des Parks zum Schiffbrückenplatz. Wer den Radverkehr aussperrt, darf sich über eine sterbende Innenstadt nicht wundern! Die Stadtverwaltung hatte die Brücke vernünftig in ein Verkehrskonzept eingeplant. Der Paradeplatz wäre mit der Innenstadt verbunden worden, der Kompromißvorschlag des Bürgermeisters machte es deutlich.

Die Position der CDU war in diesem Falle mal die Richtige. Von den Gegnern der Veloroute sind die Grünen am Aufrichtigsten. Nach diesem Beschluß des Stadtrates bekommt die Stadt eine teure Flaniermeile.

Alös überzeugter Alltagsradler frage ich mich, ob dieses Provinzkaff noch lebenswert ist, wenn das Mobilitätskonzept des 21. Jahrhunderts nicht erkannt und unnötig ausgebremnst wird. Die Forderung von Velorouten erfolgt aus gutem Grunde, die Bundesregierung will den Radverkehr steigern, dazu gibt es den Nationalen Radverkehrsplan. Die Vermischung von Radverkehr und Fußgängern hatten die Ratsdamen und -herren selbst herbeigeführt. Ich erinnere mich noch gut an den Proteststurm gegen den sehr guten ersten Plan der Stadtverwaltung. Die Brücke war den Stadtvertretern nicht idyllisch genug. In anderen Kommunen ist man weiter. Dort wird der Radverkehr nicht derart brutal vor den Kopf gestossen.

CHRISTIAN SCHERPE 08.02.2012 21:17
Veloroute ein Papiertiger?

In Gesamtverkehrsplan der Stadt aus dem Jahre 2002 ist großspurig von einer Veloroute die Rede. Durch die Einrichtung der Fahrradstraßen (Wehrautal und Moltkestraße) sind erste Schritte gemacht worden, die allerdings nicht viel Sinn ergeben, wenn in der Fortführung nicht weiter an der Attraktivät der Veloroute 5 gearbeitet wird!!! Wer die Fahrt vom Fußgängertunnel in die Stadt auf zwei Rädern selbst täglich erlebt weiß, wie überfällige eine (bessere) Radverkehrsführung ist - nicht zuletzt um ein unfallfreies Nebeneinander von Fußgänger und Radfahrern zu ermöglichen!! Rendsburg darf diese Chance nicht verpassen.



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