LANDESZEITUNG
Lustige Vorstellung
Es war eine richtige Entscheidung der Ratsversammlung, sich endlich für den Neubau der Weißen Brücke auszusprechen. Damit endet (hoffentlich) der wochenlange Hickhack um dieses Thema und die Politiker können sich anderen wichtigen Dingen zuwenden.
Es bleibt allerdings noch eine Frage offen: Warum nur hat die Mehrheit im Rat auf die Veloroute verzichtet, die Rendsburg fast kostenlos nehmen? Das Argument, es entstünde auf der Brücke eine Fahrrad-Rennstrecke, die gefährlich für Fußgänger sei, ist dünn. Auch jetzt wird die Brücke von Radfahrern und Fußgängern genutzt. Und es klappt ziemlich problemlos.
100 000 Euro kosten die Sanierung des Radweges und der Umbau zur Veloroute. Hätte die Stadt das "Geschenk" angenommen, hätte sie nicht selbst zahlen müssen. dennoch kommt das Geld natürlich aus Steuermitteln. Ist es deshalb verwerflich, es anzunehmen? Sicher nicht.
Die Entscheidung für die Brücke war richtig, der Verzicht auf das Zusatzgeschenk dagegen ist nicht nachzuvollziehen.
Die Erklärung von Fritjof Wilken, er habe eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Bürgermeister Andreas Breitner eingereicht, wurde von den Mitgliedern der Ratsversammlung schweigend zur Kenntnis genommen. Erstaunen? Fassungslosigkeit? Zustimmung? Was auch immer der Grund gewesen sein mag, es blieb still im Ratssaal. Erst nach Ende der Sitzung gab es einen Kommentar - ausgerechnet von Breitner selbst. Solle er tatsächlich Innenminister werden, wie in der Stadt gelegentlich zu hören sei, müsse er diesen Fall möglicherweise selbst bearbeiten. Das sei doch eine lustige Vorstellung.
Wir können fest davon ausgehen, dass nicht jeder darüber lachen würde.
In der Ratsversammlung wurde viel geredet. Und es war so manch überflüssige Bemerkung dabei. In einem anderen Fall wurde dagegen eindeutig zu wenig geredet. Und zwar miteinander. Die scharfe Kritik des Rendsburger Hauptausschusses an den Büdelsdorfer Bestrebungen, an der Heinrich-Heine-Schule eine gymnasiale Oberstufe einzurichten, wäre leicht zu vermeiden gewesen. Die beiden Städte (und natürlich auch die Umlandgemeinden) hätten sich schon längst über die Schulentwicklung in der Region einigen müssen. Das Schulamt hat wenig dazu beigetragen. Aber warum gab es keine direkten Kontakt? Die GEP gibt jetzt ein Gutachten in Auftrag - reichlich spät, wenn man die scharfe Reaktion aus Rendsburg betrachtet.
Außer Spesen nichts gewesen. 47 000 Euro haben die Klagen gegen das Outlet-Center in Neumünster gekostet - doch die gigantische Konkurrenz wächst unaufhörlich ihrer baldigen Eröffnung entgegen. Dass Rendsburg fast allein die Zeche zahlen muss, ist schäbig. 17 Städte hatten die Klage unterstützt - nur vier davon auch finanziell. Ziemlich knickerig, diese Verbündeten.
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