LANDESZEITUNG

 

Es friert anders

11. Februar 2012 | 00:10 Uhr | Von Gero trittmaack

In Osterrönfeld droht Ärger, dabei klingt der Plan ganz nachvollziehbar: Auf einem Stück Brachland siedeln sich ein Aldi-Markt, eine Bankfiliale und eine große Tankstelle an, das Einkaufszentrum gegenüber kann sich entwickeln und noch mehr Menschen anziehen. Doch die Anwohner sind argwöhnisch. Sie befürchten Lastwagenkolonnen, die sich durch Wohnstraßen wälzen, um von der Autobahn zur Tankstelle zu gelangen. Drohungen stehen im Raum - von rechtlichen Schritten bis hin zur Bildung einer neuen Wählergemeinschaft.

Ob der Verkehr wirklich derart anschwellen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt kaum zu beurteilen. Klar aber ist, was hinter den Ängsten und den dazugehörigen Drohgebärden steckt: Die Befürchtung, dass die Interessen der Bürger nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Bürgermeister Bernd Sienknecht wird in nächster Zeit eine Menge Fingerspitzengefühl benötigen.

Mindestens eine Million Menschen werden heute auf der zugefrorenen Alster erwartet. Schlittschuh laufen, Eishockey spielen oder einfach nur über das Eis auf die andere Seite des Flusses spazieren - diesen Spaß wollen sich viele Menschen gönnen. Und in Rendsburg? Gastronom Alv Gundlach stand schon in den Startlöchern, um auch auf der Untereider wie zuletzt 2003 ein Eisvergnügen anzubieten. Nicht so groß wie in Hamburg, aber mindestens genauso lustig. Aber das Wasser der Eider friert ganz offensichtlich anders als auf der Alster. In Hamburg ist das Eis zwischen 15 und 22 Zentimeter dick, in Rendsburg sind es nur zehn bis zwölf Zentimeter - handgemessen. Das Risiko wollte und konnte Gundlach nicht eingehen. Deshalb fahren die Rendsburger auch an diesem Wochenende zum Schlittschuhlaufen wieder nach Büdelsdorf.

Die "Blue Creek" liegt immer noch wie festgefroren im Rendsburger Kreishafen. Inzwischen aber herrscht an Bord Betriebsamkeit. Die Reederei hat eigene Leute geschickt und Experten von der Werft Nobiskrug angeheuert, um die Schäden zu beseitigen.

Die Besatzung ist unter anderem damit beschäftigt, Eis von Deck zu pickern. Eine schweißtreibende Angelegenheit. Und danach? So ein Stahlschiff saugt die Kälte förmlich auf. Und eine defekte Heizung macht die Sache auch nicht gemütlicher. Aber die frierenden Matrosen haben eine Lösung gefunden. Sie kauften kurzerhand alle Heizlüfter auf, die zu haben waren. Richtig muggelig soll es dadurch auch nicht wirklich geworden sein. Aber jetzt ist es immerhin auszuhalten.

Auch in einer Behörde läuft nicht immer alles nach Plan. Das Bürgermeisterbüro kam Ende letzten Jahres vor lauter Arbeit nicht zu seiner Weihnachtsfeier. Die aber wurde nicht vergessen, sondern in dieser Woche nachgeholt. Erstaunlich genug - nach dem Trubel der letzten Tage musste man eigentlich den Eindruck haben, dass immer noch viel zu viel zu tun ist.


 

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