LANDESZEITUNG

 

In und um Rendsburg

Einbrüche in Serie: Schon 100 Fälle

11. Februar 2012 | 04:50 Uhr | Von Frank Höfer

Mit roher Gewalt den Holzrahmen aufgehebelt: Wie bei diesem Einbruch in Büdelsdorf aus dem Sommer 2010 gehen die Täter in und um Rendsburg häufig vor. Foto: polizeifoto

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Polizei registriert "deutlichen Anstieg" in Rendsburg und dem Umland / Brachial vorgehende Diebe haben es auf Geld und Schmuck abgesehen

Rendsburg. Für die Bewohner ist jeder Einbruch ein Schock. Vielen machen die Verletzung der Privatsphäre und das verloren gegangene Sicherheitsgefühl in den eigenen vier Wänden mehr zu schaffen als der materielle Schaden. In und um Rendsburg gibt es in diesem Winter besonders viele Betroffene. Die Polizei zählte rund 100 Fälle seit dem Herbst in der Stadt sowie im nahen Umland und spricht von einem "deutlichen Anstieg" im Vergleich zu den Vorjahren.

Meist gingen die Täter brachial vor. Wenn kein "Kuhfuß" zum Aufhebeln von Fenstern oder Türen benutzt wurde, genügte ihnen ein großer Schraubenzieher, um sekundenschnell in ein schlecht gesichertes Haus einzudringen. "Je günstiger das Fenster ist, desto schneller geht es", sagt Dietmar Benz, Präventionsbeauftragter der Polizeidirektion Neumünster, zu der Rendsburg zählt. Gewöhnlich dauere es keine 15 Sekunden, bis sich der Langfinger gewaltsam Zugang verschafft habe.

Wobei viele Bewohner passive Mithilfe leisteten, so Benz. "Die heruntergezogenen Rollläden im Erdgeschoss nützen wenig, wenn man über den Carport leicht an die ungeschützten Fenster im ersten Stock gelangen kann." Auch würden viele Hausbesitzer allzu freizügig Einblick in ihre Wohnung gewähren. Weil vor allem in Neubaugebieten abends kaum noch Gardinen oder Rollos zugezogen werden, seien Flachbildfernseher oder andere wertvolle Einrichtungsgegenstände besonders leicht von der Straße aus zu erkennen.

Zur Herkunft der Täter gibt es für die Polizei nur wenige Anhaltspunkte. Benz ist sich sicher, dass "für die lokalen Einbrüche lokale Täter" in Frage kommen. "Osteuropäische Tätergruppen sind nicht das Problem."

Ein Rendsburger Ermittler würde "das so nicht unterschreiben". Er hält auswärtige Täter für möglich. Dafür spricht seiner Einschätzung nach die Verteilung der Tatorte. Schwerpunkte waren seit Oktober Fockbek, Osterrönfeld und Büdelsdorf. Alle Kommunen liegen dicht an Bundesstraßen oder Autobahnen; die Diebe können sich besonders schnell aus dem Staub machen. Allerdings: In Rendsburg war die Schleife besonders häufig betroffen - ein Stadtteil, der mit dem Auto vergleichsweise kompliziert zu erreichen ist. Möglicherweise ist es hier der Lärm vorbeifahrender Züge, der den Tätern akustische Deckung bietet, zum Beispiel beim Einschlagen von Scheiben.

Nach Angaben des Rendsburger Ermittlers hatten es die Täter in den meisten der rund 100 Fälle nicht etwa auf die Autos der Haus- oder Wohnungsbesitzer, sondern auf deren Schmuck und Geld abgesehen. Der Kripo-Beamte bittet Anwohner um Mithilfe: "Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig bei der Polizei anrufen", sagt er. "Am besten die Kennzeichen auffälliger Autos merken."

Wie nützlich die Geistesgegenwart eines Nachbarn sein kann, zeigte sich am 19. Januar in Nortorf. Dort waren Einbrecher vormittags in ein Einfamilienhaus eingedrungen und von einem Anwohner beobachtet worden. Er erinnerte sich an Details zum Fluchtfahrzeug der Einbrecher und rief die Polizei. Noch am selben Tag klickten die Handschellen. Zwei Männer sitzen derzeit in Untersuchungshaft. Ihnen konnten auch anhand sichergestellter Beute mehrere Einbrüche in der Region zugeordnet werden.


 

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