LANDESZEITUNG
"Young Leaders" - oder: Sind sozial engagierte Schüler die Elite von morgen?
Rendsburg / Koblenz. Die "Stiftung politische und christliche Jugendbildung", lud kürzlich 112 Jugendliche aus ganz Deutschland nach Koblenz ein. Sie war Schirmherr der 27. "Young Leaders Akademie", die den begehrten Jugend-Presse-Kongress veranstaltete. Saskia Ott war dabei und schildert ihre Erfahrungen.
Die raren Plätze schienen unerreichbar. Bereits während des Ausfüllens der Anmeldung resignierte ich, schmiedete alternative Ferienpläne. Doch dann flatterte die Zusage in den Briefkasten: Wegen meines Engagements bei der Landeszeitung und als Schülersprecherin wurde ich für "geeignet" befunden. Das Auswahlverfahren an sich sei ganz simpel, verriet später ein "Teamer", der eine kleine Gruppe junger Journalisten betreute. "Hier zählen weder gute Noten noch eine große Klappe, sondern soziale Fähigkeiten." Auf professionelle Art und Weise mit Menschen umgehen, argumentieren und die Körpersprache des Gegenübers deuten können, das seien die sozialen Kompetenzen der Leiter großer Unternehmen und Einrichtungen in der Moderne.
Schön und gut - nun sitzt man dort mit 111 anderen Glücklichen in einem riesigen Plenarsaal im Zentrum für Innere Führung der Bundeswehr. Man diskutiert über das politische Bildungssystem in Deutschland, philosophiert über die Zukunftsstrategien der Bundeswehr, nimmt an Seminaren zur Analyse von Körpersprache und Verhandlungstraining teil. Sehr bereichernd empfanden die meisten die Zusammenarbeit mit Profijournalisten, die unter anderem Erfahrungen bei der "Bild" oder öffentlich rechtlichen Fernseh-Sendern besaßen. Wer hätte gedacht, dass man Journalismus nicht studieren sollte, da man aufgrund der theoretisch-universitären Ausbildung zum "Fachidioten" mutiert?
Eher beängstigend war die Rede des Direktors Reinhard Werner der Young Leaders GmbH. Seine Hauptintention lautet: "Ihr seid die Elite von morgen." Vollkommen schockiert von dieser Einstellung trafen sich noch am selben Abend sämtliche "young leaders" in der hauseigenen Kneipe und eröffneten eine heiße Debatte. Gerade die sozial Engagierten stehen ständig unter Kritik, da sie sich in gewisser Art und Weise in den Vordergrund drängen. Diese Kritik stammt von denjenigen, die außerhalb der Schule nur Däumchen drehen. Zum Glück waren sich zuletzt alle einig, dass auch die Nachwuchsjournalisten oder politisch Tätigen definitiv nicht der Elite angehören, sondern lediglich das "größte Durchsetzungsvermögen auf charmanteste Art und Weise" besitzen.
Etwas sehr Spannendes an dieser Akademie war das Training für Körpersprache mit einer sehr aufgeweckten Referentin, die es ausgezeichnet verstand, unsere Macken bei Vortragsweisen zu durchschauen. So weiten sich die Pupillen eines Menschen, sobald er Sympathie für sein jeweiliges Gegenüber empfindet. Selbstversuch: Schaut in einen Spiegel und denkt an Brad Pitt oder Megan Fox.
Die Teilnahme an dieser Akademie ist ein großartiges Erlebnis, keine Frage. Der Freundeskreis erweitert sich enorm, da die Einstellungen zu Moral und Ethik sehr ähnlich sind. Die Akzeptanz und Toleranz unter den Teilnehmern sind irre, aber auch das Gespür für Ausgelassenheit und Spaß ist sehr ausgeprägt. Vielleicht ist ein Mensch mit ehrenamtlichem Engagement besser für eine Führungsposition geeignet als ein anderer, der in Mathematik eine Eins hat. Doch als Elite würde er sich selbst auf keinen Fall bezeichnen, das wäre für ihn ein Widerspruch in sich.
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