LANDESZEITUNG
Unterricht nach Rudolf Steiner . . .
Rendsburg. Vor 60 Jahren wurde die Waldorfschule Rendsburgs gegründet. Seitdem wurden hier laut Klischee vor allem "Namen tanzen" und "Unkraut jäten" unterrichtet. Nach Vorstellung vieler Bürger spielen alle Waldorfschüler in schiefwinkligen Zimmern mit mundgemalter Tapete und essen Waldorfsalat, während sie über die optimale Schichtung des Kompostes fachsimpeln. Aus diesem Grund vergleicht die Jugendredaktion das System nach Rudolf Steiner mit dem staatlichen Schulkonzept.
Pädagogisches Konzept
Gelehrt wird nach den Grundsätzen der Anthroposophie (Lehre nach Rudolf Steiner: Bewusstsein des Menschentums). Der Unterricht in vielen Fächern beginnt daher schon früher, Englisch und Französisch haben alle schon mündlich ab der ersten Klasse. Im Unterricht wird viel praktisch probiert und nicht nur theoretisch besprochen. Waldorfschüler lernen das "Warum", heißt es in Broschüren. Die einzigen Bücher, die verwendet werden, dienen als Lektüre im Sprachunterricht.
Pflichtfächer
Man lernt, mit den eigenen Händen umzugehen: Stricken und Häkeln in der Unterstufe (1.-4.Klasse); Werken mit Holz (ab 4. Klasse), Gartenbau, Stricken, Sticken und mit der Hand zu nähen in der Mittelstufe (5.-8.Klasse) und in der Oberstufe (9.-13.Klasse), Handwerken (Tischlern, Metalltreiben) und Korbflechten (9. Klasse), Kartonage (12. Klasse) und mit der Maschine nähen.
Der Kunstunterricht nimmt breiten Raum ein: in der Unterstufe wird viel mit Wasserfarbe, Wachsmal- und Farbstiften gemalt; die Mittelstufe arbeitet mit Wasserfarben, Kohle, Blei- und Farbstiften und beginnt mit dem Plastizieren; in der Oberstufe malt und zeichnet man mit Kohle, Kreide, Blei- und Farbstiften, so wie mit Aquarell- und Wasserfarben. Im Plastizierunterricht entstehen Skulpturen.
Es wird auch getanzt: Eurythmie ist eine Bewegungsform im Raum, in Kombination mit Armgebärden zu Gedichten oder (Klavier-)Musik. In der ersten Klasse lernt man ein Alphabet, das jedem Buchstaben und eine Bewegung zuschreibt. Später lernen die Schüler auch die gestische Tonleiter. Bei Gedichten bilden betonte Buchstaben die Armgestik, bei Musikstücken werden die dominanten Töne oder die Tonhöhen verwendet.
Besondere Angebote
Jahresarbeiten und das Theaterstück der 8. und 12. Klasse sind Angebote außerhalb der Pflichtfächer. Außerdem stehen die Fahrten wie Landbaupraktikum (9. Klasse) im Rahmen der Ökologie und Feldmessen (10. Klasse) im Rahmen der Trigonometrie, Parisfahrt (Französischgruppe der 11. Klasse) und die Kunstfahrt nach Italien (12. Klasse) fest im Stundenplan. Darüber hinaus werden für die Oberstufe jährlich die Wahlpflichtkurswochen angeboten. Die Schülervertretung organisiert Oberstufentage.
Notensystem
In Testen und Heften wird mit mindestens einem Satz kommentiert, ob das gebrachte Resultat dem Leistungsvermögen entspricht. Am Ende des Jahres bekommt jeder Schüler ein umfangreiches Zeugnis (ohne Noten), in dem die Lehrer in längeren Texten den Fortschritt und die Leistung des Schülers/der Schülerin beschreiben.
Besonderheiten
Da die Waldorfschule eine privat geleitete Schule ist, müssen die Schüler beziehungsweise ihre Eltern Schulgeld bezahlen, welches je nach Einkommen anders ist. Die Waldorfschule lehnt die Trennung der Schüler nach Leistung weitgehend ab, sodass in vielen Stunden die Schüler aller Abschlussanstrebungen bis zum Schluss gemeinsam Lernen.
Abschlüsse
Hauptschulabschluss nach der 10., Mittlere Reife nach der 12. und Abitur nach der 13. Klasse. Der eigentliche Waldorfschulabschluss besteht aus dem Ausführen einer Jahresarbeit, die durch einen schriftlichen und praktischen Teil sowie einem öffentlichen Vortrag zeigt, dass der Schüler/die Schülerin sich eigenständig ein selbst gewähltes Thema zu erarbeiten weiß.
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