LANDESZEITUNG
Politiker mit Rückgrat gesucht
Der Vorsitzende des Bezirksbauernverbandes, Manfred Möller-Boldt (Mitte), begrüßte Stefan Joachim Dohm (FDP, von links), Daniel Günther (CDU), Serpil Midyatli (SPD) und Detlef Matthiessen (Grüne) zur Diskussion in der Eckernförder Stadthalle. Foto: Post
Eckernförde. Ob Energiewende und Flächenstilllegung - die grundsätzlichen Positionen der Parteien zu Agrar-Themen sind bekannt oder zumindest berechenbar. Insofern gab es keine Überraschungen, als sich die vier Landtags-Kandidaten für den Wahlkreis 9 der Diskussion mit Landwirten stellten. Sie wagten sich kaum aus der Deckung ihrer Parteiprogramme.
Der Bezirksbauernverband hatte Daniel Günther (CDU), Serpil Midyatli (SPD), Detlef Matthiessen (Grüne) und Stefan Joachim Dohm (FDP) zu seiner Winterversammlung in der Stadthalle eingeladen. Die Landwirte sorgen sich wegen eines neuen Vorschlages der EU-Kommission zur Flächenstilllegung. Er ist Teil eines Vorschlagpaketes zur Agrarpolitik zwischen 2014 und 2020. Demnach sollen sieben Prozent der Ackerflächen aus ökologischen Gründen künftig unbewirtschaftet bleiben. "Einerseits sollen wir Nahrungsmittel und Energie produzieren, andererseits Flächen aus der Produktion nehmen. Das ist nicht zeitgemäß", sagte Manfred Möller-Boldt, der Bezirksvorsitzende. Alle Politiker zeigten Unverständnis für den Vorschlag, außer Detlef Matthies sen: "Sieben Prozent sind nicht so schlimm, irgendetwas bleibt immer unbewirtschaftet." Der Grüne brachte aber auch die fehlende Kompetenz der Kandidaten auf dem Podium in der EU-Politik auf den Punkt: "Die Landespolitik hat in der Agrarpolitik nur marginal etwas zu beschicken."
Aus Sicht der Landwirte könnten die Politiker mehr für das Ansehen des Agrarsektors in der Bevölkerung tun. Wer die Energiewende wolle, müsse auch Biogasanlagen und Windräder in Kauf nehmen. Und wer gutes und günstiges Fleisch essen wolle, müsse auch große Stallungen akzeptieren. "Wir erwarten mehr Rückgrat von den Politikern", sagte Manfred Möller-Boldt. Bei diesen Themen wagte sich Daniel Günther weit nach vorn: "Massentierhaltung muss nicht wider die Natur sein", sagte er. Matthiessen sprach Grenzen für die Haltung von Tieren an, nannte aber keine konkreten Zahlen.
Zur Energiewende sagte Günther: "Wir stehen zu unserem Wort, die Windkraft auszubauen - Notfalls auch gegen die Interessen der Bürger vor Ort." Serpil Midyatli sprach sich für den schnellen Stromnetzausbau zur Stärkung der Windkraft aus.
Die Politiker versprachen den Bauern, sich für Bürokratieabbau einzusetzen. "Gerade im Agrarbereich muss die Regelungswut eingedämmt werden. Unternehmer müssen Planungssicherheit haben", meinte Stefan Joachim Dohm.
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