LANDESZEITUNG

 

Neuer Bewerberrekord für die NordArt

11. Februar 2012 | 04:20 Uhr | Von Rieke Beckwermert

Vier Monate lang wird die NordArt Besucher anziehen.

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2000 Künstler wollen bei der großen Ausstellung in der Carlshütte dabei sein / Schwerpunkt China / Fokus auf abstrakte Exponate und Filme

Sehestedt. Der Einsendeschluss ist längst überschritten. Dennoch bringt der Postbote in Sehestedt immer noch täglich Päckchen vorbei. Die meisten kommen aus Deutschland. Doch viele haben lange Wege hinter sich. Sie wurden in Birma und Hawaii, Brasilien und Syrien, in Ägypten und auch im russischen Sibirien aufgegeben. Auch viele chinesische Provinzen und asiatische Länder sind darunter. Denn eins haben alle gemeinsam: Es sind Bewerbungen um einen Platz bei der NordArt, der größten Kunst-Ausstellung Norddeutschlands. Sie beginnt am 2. Juni auf dem Büdelsdorfer Kunst-in-der-Carlshütte-Gelände (KiC). Schwerpunkt in diesem Jahr ist China.

Kurator Wolfgang Gramm nimmt die Päckchen und Umschläge in seinem Sehestedter Atelier entgegen, sortiert sie in viele verschiedene Kisten. Und stellt jetzt schon fest: "In diesem Jahr sind wieder mehr Bewerbungen eingetroffen." Mittlerweile sind es 2000 Mappen, die sich auf dem Küchentisch und im Büro stapeln. "Gestern kamen noch mal 30", berichtet Gramm. Im vergangenen Jahr seien es etwa 1400 gewesen. "Ein gewaltiger Zuwachs", freut sich der Maler und Bildhauer. Und erklärt sich die Bewerber-Flut mit wachsender Internationalität, mehr Werbung, einer guten Vernetzung in der Kunst-Szene, verschiedenen Preisen und Auszeichnungen.

Mit dem Sichten hat Gramm bereits begonnen, 1200 Mappen hat er sich schon vorgenommen. "Das läuft mittlerweile rund um die Uhr", sagt Gramm. Es sei viel Gutes und Hochwertiges dabei. Viel mehr verrät Gramm nicht. Dieses Wochenende widme sich die Jury dann ausschließlich den Bewerbern. Eine zeitaufwändige Aktion. Pro Mappe eine halbe Stunde bis 60 Minuten. Viel Zeit nimmt das Abwägen in Anspruch - passt das Werk ins Ausstellungskonzept? Ist es logistisch möglich, es zu transportieren? Um die 1000 Exponate von 200 bis 250 Künstlern aus aller Welt sollen schließlich im Sommer in der 2200 Quadratmeter großen Carlshütte und auf der angrenzenden zehn Hektar großen Freifläche zur Geltung kommen. "Wir wollen eine Ausstellung schaffen, die den Besucher gern wandern und entdecken lässt. Theoretisch benötigt man gut zwei Tage dafür", beschreibt der Künstler das Konzept.

Und nicht alle ausgestellten Werke können Rauminstallationen sein. Das ganze Spektrum zeitgenössischer Kunst soll bei der NordArt ein Forum finden - Fotografie genauso wie Grafik, Malerei, Bildhauerei. Auch Installationen, Videos und Performance-Kunst gehören dazu. Kurator Gramm gibt allerdings schon jetzt einen Hinweis auf den Fokus: "Im vergangenen Jahr waren wir sehr figürlich. Diesen Schwerpunkt wollen wir auf Abstrakteres verlagern, beispielsweise Film."

Nach dem Sichten folgt das Auswählen. Anfang März sollen die ausgewählten, handverlesenen Künstler benachrichtigt werden, bevor im Frühling die Ausstellungsstücke eintreffen.

Der besondere Schwerpunkt liegt 2012, wie berichtet, auf dem Partnerland China, das der Kurator schon etliche Male besucht hat. Präsentiert werden etwa 30 renommierte Künstler aus der Volksrepublik. Dafür wird ein Bereich von 3000 Quadratmetern der Ausstellungshallen geplant, sodass dieser "China-Pavillon" den Charakter einer Ausstellung in der Ausstellung trägt. Dabei sein wird wieder Prof. Zeng Chenggang, der NordArt-Preisträger 2010, mit einer Einzelausstellung Teil des "China-Pavillon - Zeitgenössische Kunst aus China".

Das Kunstwerk Carlshütte ist mit der NordArt einer der offiziellen Austragungsorte des Chinesischen Kulturjahrs 2012 in Deutschland. Mit der Sonderausstellung wurde die NordArt in das Programm integriert. Neben dem Schleswig-Holstein Musik Festival, das sich in seinem Programm ebenfalls auf China konzentriert, ist das Kunstwerk Carlshütte der offizielle Austragungsort des Chinesischen Kulturjahrs in Schleswig-Holstein und Hamburg. Der "China-Pavillon" wird auch über die NordArt hinaus in einer gesonderten Herbstausstellung zu sehen sein. Anschließend ist eine Tournee durch Deutschland und Europa bis Oktober 2014 geplant.

Und während die Vorbereitungen für die diesjährige Vorstellung in vollem Gang sind, denkt der gebürtige Lübecker Wolfgang Gramm schon weiter: "Im nächsten Jahr wird der NordArt-Fokus vermutlich auf dem Baltikum liegen."


 

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