LANDESZEITUNG
"Kahl-Schlag": 14 Bäume illegal gefällt
Tatsachen geschaffen: Bokler Bürger haben auf Geheiß der Gemeinde die Pappel-Allee abgeräumt. Foto: gehrke (2)
Bokel. Das sei "sehr unglücklich gelaufen", erklärte Bokels Bürgermeister Klaus-Detlef Kahl, als ihn gestern Morgen Birgit Kulgemeyer, Leiterin des Kreisbauamtes und damit Vorgesetzte der Unteren Naturschutzbehörde (UNB), anrief und eine Stellungnahme zu der Baumfällaktion verlangte. Seit zwei Wochen haben Bürger aus der Gemeinde Bokel 14 Bäume, darunter viele starkstämmige Pappeln und einige Buchen, an einem Wirtschaftsweg (Mittelweg) gefällt - illegal, wie sich jetzt herausstellte. "Das ist eindeutig rechtswidriges Handeln", bestätigte Kulgemeyer gestern auf Nachfrage. Es habe weder einen Antrag nach dem Bundesnaturschutzgesetz, noch eine Genehmigung gegeben. Es handle sich um einen genehmigungspflichtigen Eingriff.
Bokels Bürgermeister bedauert die Aktion und will von einer dafür notwendigen Genehmigung nichts gewusst haben. "Es tut mir leid", erklärte er gegenüber der Landeszeitung. Die Bäume, deren Alter er auch 70 Jahre schätzt, seien der Gemeinde "schon immer ein Dorn im Auge gewesen". Als schnell wachsende Flachwurzler hätten sie für Spaziergänger und den landwirtschaftlichen Verkehr zunehmend ein Risiko durch herabfallendes Totholz und wucherndes Wurzelwerk bedeutet. So hatte die Gemeindevertretung in ihrer letzten Sitzung das Fällen der Bäume beschlossen.
Nächste Woche ist Kahl bei der Unteren Naturschutzbehörde geladen. Dann wird über die Konsequenzen beraten. Die Aktion kann die Gemeinde teuer zu stehen kommen. Unabhängig, wie das illegale Baumfällen ordnungsrechtlich bewertet wird: Bokel muss auf jeden Fall neue Bäume pflanzen: Als Faustregel gilt: Ein neuer Baum pro einen Meter Stammumfang der gefällten Bäume.
Dass die Aktion überhaupt bekannt wurde, liegt an einer aufmerksamen Bürgerin aus Bokelholm. Margrit Follster war es, die bereits am 28. Januar bei einem Spaziergang bemerkte, dass zwei der großen Pappeln gefällt worden waren. Die Naturliebhaberin war entsetzt und meldete den Vorfall zunächst dem Amt Nortorfer Land, einen Tag später der Unteren Naturschutzbehörde. Wer aber war zuständig? "Ich habe schließlich die Sachbearbeiterin der UNB dringend gebeten, sich das doch einmal vor Ort anzuschauen und die Aktion bis zur Klärung der Rechtslage zu stoppen", erklärte Margrit Follster. Doch die Antwort "Ich habe im Moment keine Zeit und noch viele andere Sachen zu tun", sei ernüchternd gewesen.
Zwei Tage später beobachtete Margrit Follster, dass weitere große Bäume gefällt wurden. "Ich bin hingegangen und habe die Bäumfäller direkt angesprochen, ob sie denn für ihr Tun eine Genehmigung hätten", erinnert sich die Frau. "Das hat uns der Bürgermeister erlaubt", sei die Antwort gewesen. So sei das Baumfällen weitergegangen, bis sie am Donnerstag die Umweltschutztruppe des Polizeibezirksreviers in Rendsburg eingeschaltet habe. "Dann ist alles ganz schnell gegangen", wundert sich die Bokelholmerin. "Das hätte ich mir am Anfang gewünscht, dann wären viele Bäume gerettet worden", meint Margrit Follster.
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