ECKERNFÖRDER ZEITUNG

 

Gütesiegel ins Gespräch gebracht

03. September 2010 | 04:20 Uhr | Von Christian Robohm

Der Nortorfer Seniorenrat sorgt sich um das Angebot in der Innenstadt. Foto: Robohm

Nortorf. Es war ein gegenseitiges "Beschnuppern", an dessen Ende einige Ideen für eine mögliche Zusammenarbeit zwischen dem Seniorenrat und dem Verein für Handel, Handwerk und Industrie (VHHI) standen: In seiner gestrigen Sitzung informierte VHHI-Kassenwart Peter Gebhard den Seniorenrat über die Vereinsaktivitäten. Daraus entstand eine Diskussion, wie die Gewerbetreibenden am Mittelpunkt in Zukunft die Interessen der älteren Bürger berücksichtigen könnten.

Jutta Kock, Vorsitzende des Seniorenrates, regte an, in den Geschäften Sitzgelegenheiten für ältere Kunden einzurichten und Lupen bereit zu halten, damit diese Preisschilder besser lesen könnten. Auch die Nutzung von Toiletten "im Notfall" könnten die Geschäftsinhaber möglich machen, sagte Kock. "Das sind Anregungen, die einfach umzusetzen wären, für die einem manchmal aber einfach der besondere Blick fehlt", erwiderte Gebhard, der nun die VHHI-Mitglieder auf solche Dinge hinweisen möchte. Möglich sei es in einem weiteren Schritt, ein Gütesiegel "vom Seniorenrat empfohlen" zu entwickeln, so Gebhard. "Dann kann jeder auf den ersten Blick sehen, welches Geschäft seniorenfreundlich ist." Auch die Karten in den VHHI-Vitrinen böten sich an, um auf besonders auf Senioren eingestellte Betriebe zu werben. Daraus könnten sich durchaus positive Effekte für die Wirtschaft ergeben. "Ich erwarte einen Schub, wenn es gelingen würde, Nortorf als seniorenfreundliche Stadt zu positionieren."

Doch bis dahin ist es offenbar noch ein weiter Weg. Ingrid Braun monierte, dass es kaum Kleidung für Senioren in Nortorf zu kaufen gebe. "Der Geschmack einer 70-Jährigen wird hier nicht bedient." Auch orthopädische Schuhe suche man am Mittelpunkt meist vergebens. "Vielleicht ist es möglich, so etwas wie einen ,Senioren-Tag’ zu etablieren, an dem es besondere Angebote für ältere Menschen gibt", regte Kock an und stieß bei Gebhard auf "offene Türen".

In einem Punkt konnte Gebhard nicht helfen: Viele Kritikpunkte der Senioren richten sich an Lebensmitteleinzelhändler. "Von denen ist nur famila Mitglied im VHHI", erklärte Gebhard. "Das ärgert uns, weil auch die Lebensmittel-Discounter von unseren Aktionen profitieren." Auf deren Angebot und Seniorenfreundlichkeit habe der VHHI keinen Einfluss. "90 Prozent unserer Mitglieder haben sich gegen neue Discountmärkte ausgesprochen", berichtete der VHHI-Kassenwart von einer Befragung - ein weiterer Punkt, in dem der VHHI mit dem Seniorenrat übereinstimmt. "Wir haben uns einstimmig gegen einen weiteren Bau auf dem ,Penny’-Gelände ausgesprochen, weil wir eine weitere Ausdünnung der Innenstadt befürchten und die Anwohner stark belastet werden", sagte Kock. "Die Innenstadt darf nicht ausbluten."

Am Ende vereinbarten beide Seiten weitere Gespräche, um eine mögliche Kooperation zu intensivieren.


 

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