LANDESZEITUNG

 

Rendsburg

Eiderpark: Zu klein für die Zukunft?

12. November 2010 | 06:50 Uhr | Von Frank Höfer

Handicap für den Eiderpark: Das Einkaufszentrum darf nicht wachsen. Foto: Fligge

Der Eiderpark in Rendsburg steht vor einer ungewissen Zukunft. Das Fachmarktzentrum möchte erweitern, doch der Bauausschuss lehnt ab - zum Schutz der Innenstadt.

Rendsburg. Zehn Jahre nach seiner Eröffnung steht der Eiderpark vor einer ungewissen Zukunft. Der Rendsburger Bauausschuss lehnte eine mögliche Vergrößerung der Verkaufsfläche und die Erweiterung des Sortiments in dem Fachmarktzentrum im Grundsatz ab. Beide Schritte werden in einer vom Eiderpark-Management in Auftrag gegebenen Markt- und Standortanalyse empfohlen, um im Wettbewerb mit anderen Einkaufszentren in und um Rendsburg sowie in Kiel bestehen zu können.

Ratsam sei eine Vergrößerung um 5000 Quadratmeter, heißt es in der von der BulwienGesa AG erstellten Expertise. Derzeit beträgt die Verkaufsfläche 18 500 Quadratmeter. Und nicht nur das: Um mehr Kunden an den Standort an der Friedrichstädter Straße zu locken, seien mehr und vor allem größere Fachmärkte mit einem "innenstadtrelevanten Sortiment" nötig. Gemeint sind etwa die Filialen großer deutscher Mode- und Schuhhändler. Solche Artikel werden im Eiderpark zwar bereits angeboten. Jedoch darf die Ladengröße außerhalb der Kassenzone - in der "Mall" genannten Ladenpassage - 100 Quadratmeter pro Warensegment nicht überschreiten.

Das Angebot im Raum Rendsburg ist groß

Das Klein-klein ist amtlich und bis ins Detail verordnet. Der Bebauungsplan der Stadt legt es fest. Die Sortiments- und Größenbeschränkungen wurden beim Start des Eiderparks im Jahre 2000 zum Schutz der Rendsburger Innenstadt vor Kaufkraftverlusten verhängt. Für den Bauausschuss war das der Hauptgrund, alle Erweiterungsüberlegungen auszubremsen. Tenor: Die Einzelhändler zwischen Bahnhof und Holsteiner Straße litten schon jetzt unter Umsatzrückgängen. Das Ende von Hertie habe den Trend verstärkt, nun sei genug.

Grünes Licht gab der Ausschuss lediglich für eine flexiblere Gestaltung der Ladengrößen innerhalb der bestehenden Fläche. Ob das auf Dauer hilft, ist jedoch fraglich. Denn nicht nur zwischen Eiderpark und City, auch zwischen den Einkaufszentren amerikanischen Zuschnitts selbst ist der Kampf um jeden Kunden entbrannt. Das Angebot im Raum Rendsburg ist groß - zu groß, wie Branchenkenner versichern. Hinzugekommen sind das Rondo in Büdelsdorf und vor allem Discounter en masse. Viele Umlandgemeinden verfügen dadurch über eine deutlich bessere Nahversorgung als zu der Zeit, als der Eiderpark geplant wurde.

"Diese Erweiterung war von uns nicht gefordert"

Das Einkaufszentrum mit Famila als einem Kernmieter hat zudem mit einem Problem zu kämpfen, das sich nur schwer beheben lässt. Viele Besucher empfinden die Zu- und Ausfahrten als unübersichtlich und beengt. In einer repräsentativen Umfrage, die Teil des Gutachtens ist, war dies der mit Abstand häufigste Kritikpunkt. "Die Verkehrssituation ist alles andere als optimal", sagte Gunnar Knabe (CDU) im Ausschuss. Um mit dem Auto aufs Gelände zu gelangen, muss von Süden kommend der Gegenverkehr abgewartet werden. Einen Kreisverkehr gibt es nicht, es ist schlicht kein Platz.

Das Votum aus dem Bauausschuss ist rechtlich nicht bindend. Erst muss noch die Ratsversammlung abstimmen. Da dort aber die gleichen Mehrheitsverhältnisse herrschen, gilt ein Nein als wahrscheinlich. Auf schriftliche Anfrage interpretierte Dirk Völkel von der Eiderpark-Leitung den Beschluss als Schritt nach vorn. "Diese Erweiterung war von uns nicht gefordert. Sie wurde vom Gutachter als vertretbar errechnet", betonte der Geschäftsführer der Völkel Company Asset Management GmbH. Ziel des Gutachtens sei gewesen auszuloten, welche Änderungen möglich seien, ohne dass das Angebot insbesondere in der Innenstadt Schaden nehme. Man könne nun auf Konzeptänderungen der Mieter besser eingehen, mit dem Beschluss sei man einverstanden.

Im September hatte Völkel noch weniger optimistisch geklungen. Die Umsätze des Praktiker-Baumarkts seien seit Jahren rückläufig, wird er im Protokoll der Bauausschuss-Sitzung vom 14. September zitiert. Die Passage könne wegen der engen Vorschriften nicht zeitgemäß genutzt werden. Es bestehe die Gefahr des allgemeinen "trading-down" (Qualitätsverlust) des Eiderparks.


 

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