LANDESZEITUNG
Dank Spenden: Emina (12) wird gesund
Wollen der kranken Cousine helfen: Mersiha und Medina Gutic sowie Dr. Ingeborg Arnaszus (v.li). Foto: RIE
Rendsburg. Die ganze Familie weiß es schon. Nur die, die es betrifft, ist noch ahnungslos: Emina Osmic aus Bosnien-Herzegowina, 12 Jahre alt und schwer an einer Wirbelsäulendeformität (Skoliose) erkrankt, kann operiert werden. Denn das Geld, das für den Eingriff in Hamburg benötigt wird, haben die Verwandten aus Rendsburg mit ihrer Spendenaktion (wir berichteten) zusammenbekommen - 25 000 Euro, die sie als Deposit überweisen müssen. Es gibt sogar schon einen OP-Termin: Nach Auskunft ihres Arztes Prof. Dr. Ralf Stücker ist es am 26. April dieses Jahres im Altonaer Kinderkrankenhaus so weit.
"Emina weiß, dass sie in den Osterferien mit zu uns nach Deutschland kommt", sagt Mersiha Gutic (37). "Sie freut sich auf den Besuch und denkt, sie wird dort untersucht. Sie weiß noch nicht, dass das Geld jetzt da ist", berichtet ihre Rendsburger Tante. Die Familie wolle das Mädchen schonend auf den Eingriff vorbereiten. "Sie hat Angst vor der OP und auch Angst vor Ärzten", erklärt Mersiha Gutic.
Auch sie selbst kämpfte während der drei Monate, in denen sie aktiv um Spenden und Unterstützung warb, immer wieder mit Ängsten - etwa davor, zurückgewiesen zu werden. Die Hemmschwelle, auch an fremde Leute heranzutreten und sie um Geld zu fragen, war groß. Doch sie sagt, sie habe auch ganz wunderbare Erfahrungen gemacht, die sie wohl nicht so schnell vergessen wird.
Da gab es zum Beispiel einen sehr großzügigen Spender in Borgstedt. Und eine höchst engagierte, entfernte Tante in New York. Beide haben stark dazu beigetragen, dass die Summe für die Operation in so kurzer Zeit zusammenkam. Denn bereits an Weihnachten lag der Kontostand bei knapp 20 000 Euro.
Wenige Tage vor Weihnachten hatte sich eine Bankangestellte bei Dr. Ingeborg Arnaszus (70) gemeldet, der Ärztin im Ruhestand, die die Hilfsaktion mit organisiert hat und auf deren Namen das Spendenkonto läuft. "Sie war unsicher und sagte, da wolle jemand aus Borgstedt das Konto auffüllen. Wir haben dann telefoniert und er fragte mich: "Wie viel braucht ihr noch?", erinnert sich Ingeborg Arnaszus. Sie wollte das Angebot erst nicht annehmen. Doch der Mann, der früher Patient bei ihr war und anonym bleiben möchte, bestand darauf. Er zahlte 5000 Euro in bar ein. "Wir waren alle sprachlos", erinnert sich Dr. Ingebor Arnaszus, sichtlich gerührt. Ihn wollen die Frauen nun zu einem Abendessen einladen und sich bei ihm persönlich bedanken.
Einen besonderen Einsatz verdankt Mersiha Gutic einer entfernten Tante, die nach dem Bosnien-Krieg nach New York ausgewandert ist. Und in Manhattan schnurstracks eine Moschee aufsuchte. Die dort einen Wachmann so lange nervte, bis der sie endlich zum schwer beschäftigten Imam vorließ. "Sie fing vor ihm an zu weinen und berichtete von Eminas Schicksal. Daraufhin hat der Imam 200 Dollar aus der Tasche geholt. Und ihr versprochen, sich beim Freitagsgebet für sie einzusetzen", erzählt Mersiha Gutic lächelnd. Am Ende überwies die Tante 1000 US-Dollar.
Insgesamt hätten rund 75 Rendsburgerinnen und Rendsburger, Familie, Freunde und Bekannte sowie bosnische Unterstützer in der ganzen Welt gespendet. Mal seien es zehn, mal 20, mal 50 und auch oft mehr als 100 Euro gewesen. "Unser Zahnarzt war dabei, unsere Bank. Verschiedene Ärzte haben den Bericht der Landeszeitung von Anfang November ausgelegt und uns damit ebenfalls unterstützt", sagt Dr. Ingeborg Arnaszus. Die Organisatoren des Weihnachtsbasars am Gymnasium Kronwerk, das Tochter Medina (11) besucht, spendeten 300 Euro des Erlöses. Zu guter Letzt beteiligte sich die Musikschule mit einem großen Benefizkonzert am vergangenen Wochenende, bei dem 865 Euro zusammenkamen (wir berichteten).
Mersiha Gutic, Tochter Medina (11) und Ingeborg Arnaszus möchten sich dafür bei allen bedanken - "und zwar von ganzem Herzen."
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