LANDESZEITUNG

 

122 Jahre alte Wandmalerei entdeckt

10. Februar 2012 | 04:10 Uhr | Von Dana Ruhnke

Vor dem Landschaftsbild seines Verwandten: Hans-Jürgen Schönwandt (li.) mit Siegfried Dworschak. Rechts bricht der Putz ab. Foto: dru

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Renovierungsarbeiten bringen in der Hohenwestedter Straße 8 ein Landschaftsbild des Nortorfer Künstlers Johannes Schönwandt ans Tageslicht

Nortorf. Sie rissen die vier dicken Schichten Tapete von der Wand, als hinter dem vergilbten Papier plötzlich etwas Grünes, dann etwas Blaues hervorblitzte. Als auch der letzte Tapetenrest in der Hohenwestedter Straße zu Boden fiel, standen die Handwerker vor einem großen Wandgemälde. Es zeigt einen von Bäumen umsäumten Flusslauf. Die geschwungene schwarze Schrift unten rechts verrät: Es sind die Fischteiche im Holm, Gremsmühlen bei Malente. Gemalt 1889 von Johannes Schönwandt, damaliger Besitzer des Hauses.

Für die heutigen Eigentümer, Siegfried und Käthe Dworschak, folgte diese erfreuliche Überraschung auf eine sehr unangenehme. Als sie wenige Wochen zuvor die Wohnung in der Hohenwestedter Straße 8 betraten, traf sie der Schlag: Dreck in allen Ecken, Spinnenweben, vergilbte Wände - die Mieterin hatte die Räume total verwohnt. Eine Renovierung war unumgänglich. Diese Renovierung brachte nun das über 120 Jahre alte Gemälde wieder ans Licht.

Als die Handwerker von ihrem Fund berichteten, wendete sich Käthe Dworschak sofort an Hans-Jürgen Schönwandt. Dieser beschäftigt sich nicht nur intensiv mit der Stadtgeschichte und bezeichnet sich selbst als "Nortorfer Gedächtnis" - er ist zudem ein entfernter Verwandter des Künstlers Johannes Schönwandt. "Er müsste der Sohn des Bruders von meinem Urgroßvater gewesen sein", überlegt der 89-Jährige.

Bis 1920 stand hinter dem Wohnhaus eine Mühle, die Johannes Schönwandt 1906 von seinem Vater - dem Müller Hans-Friedrich Schönwandt - übernahm. "Johannes aber wollte viel lieber malen als mahlen", weiß Hans-Jürgen Schönwandt zu erzählen. Er besuchte sogar eine Kunstschule in Plön. "Viele seiner Bilder hängen noch heute in Häusern seiner Verwandten." Dass Johannes Schönwandt das Gemälde direkt auf die Wand auftrug, wundert den Geschichtsinteressierten nicht. "Das war früher so. Tapeten gab es ja schließlich noch keine."

Die Tapeten aber, die das Kunstwerk etliche Jahrzehnte lang verdeckten, haben es gut konserviert. Die Farben sind kräftig, die Linien klar, so als wäre das Ölbild gerade gestern erst getrocknet.

Dennoch: Die Freude über das Kunstwerk wird wohl von kurzer Dauer sein. "Das ist eine Putzschicht aus Kies und Zement, die bekommen wir wohl nicht heil ab", erklärt Siegfried Dworschak und zeigt auf eine Stelle neben der Tür, an der bereits der blanke Rotstein zu sehen ist. "Dort waren Handwerker an einer Leitung dran. Schon ist ein großes Stück herausgebrochen."

Hans-Jürgen Schönwandt stört das nicht all zu sehr. "Ich freue mich, dass ich das Bild gesehen habe." Es sei zudem spannend, wenn Geschichte auf diese Weise plötzlich greifbar wird, freut sich auch Käthe Dworschak.


 

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