HUSUMER NACHRICHTEN
Sonderburg 2017: Absage ist nur eine Episode
Sonderburg / Husum. Die Bewerbung Sonderburgs zur europäischen Kulturhauptstadt ist gescheitert. Am Ende hatte Mitbewerber Arhus knapp die Nase vorn. War es das? Oder ist es möglich, den Schwung der Bewerbung und die Aufbruchstimmung in der Region - Sonderborg hatte die Grenzlandregion und damit auch den Kreis Nordfriesland ja ausdrücklich in seine Bewerbung mit einbezogen - zu erhalten und fortzuentwickeln? Der Vorsitzende des Ausschusses für Kultur, Schule und Sport des Kreistages, Bernd Facklam, ist davon überzeugt.
Herr Facklam, Sie haben sich von Beginn an für die Bewerbung Sonderburgs eingesetzt. Wie frustriert waren Sie über die Absage?
Im ersten Moment sehr. Ich war am Entscheidungstag in Kopenhagen und wie alle anderen Unterstützer sehr optimistisch. Da war ich zunächst schon tief enttäuscht. Aber schon zwei Tage später habe ich mir gesagt: Jetzt erst recht. Außerdem bin ich von der Idee der "Countryside Metropolis" nach wie vor fest überzeugt. Und die damit verknüpften Ideen müssen auf jeden Fall fortgeführt bleiben. Die strukturelle Basis ist geschaffen. Das sollten wir nutzen, um generationsübergreifend eine gemeinsame Kulturregion zu schaffen - von Eiderstedt bis Hadersleven. Die "Kulturregion" ist ja mittlerweile auch beschlossene Sache. Wichtig ist jedoch, dass wir unsere Aktivitäten nicht nur auf kulturellem, sondern auch auf touristischem und wirtschaftlichem Gebiet entfalten und
fortführen. Da gibt es viel Potenzial, das wir nutzen sollten. Dazu gehört aber auch, dass wir unser Randlagendenken aufgeben und gemeinsam für eine große Region streiten.
Wir wollen hier ja nicht alte Wunden lecken. Aber woran hat’s gelegen, dass Sonderborg 2017 quasi auf der Zielgeraden noch abgefangen worden ist?
Ich war schon erstaunt über die Entscheidung der EU-Jury. Ich glaube, die haben die europäische Dimension der Bewerbung nicht wirklich verstanden.
Die Kreise Schleswig-Flensburg und Nordfriesland waren von Beginn an feste Größen dieser grenzüberschreitenden Idee. War es rückblickend betrachtet ein Fehler, statt der Gemeinsamkeiten die historischen Differenzen in den Mittelpunkt der Bewerbung zu stellen?
Nach außen mag das so gewirkt haben, aber ich fand das gar nicht so tragisch, weil es für die Bewerbung nur ein Aspekt unter vielen war. Und die historischen Probleme zu verschweigen, wäre die schlechtere Lösung gewesen, als sie offensiv zu benennen. Ich glaube aber auch nicht, dass es daran gelegen hat. Ich denke, man hat Sonderburg das nicht zugetraut und die völkerverständigende Dimension der Bewerbung nicht recht gesehen.
Was geht der Region durch die Absage verloren?
Die Möglichkeit, bestimmte Gelder zeitnah zu akquirieren. Aber wenn der Wille da ist - und mit Wille meine ich nicht nur den politischen Willen - dann lassen sich viele Projekte im Rahmen der Kulturregion, trotzdem verwirklichen.
Wie ernst es den Dänen ist, die deutsche Seite mit ins Boot zu holen, lässt sich ja auch daran ermessen, dass schon im Vorfeld der Bewerbung viel Geld über die Grenze geflossen ist. Es gibt Einrichtungen auf deutscher Seite, die ohne diese Zuwendungen in ernste Schwierigkeiten geraten könnten. Was bedeutet es, wenn der Geldhahn jetzt wieder zugedreht würde?
Konkret erst mal noch nichts. Die Einrichtungen werden ja weiterhin unterstützt. Aber viele Projektideen liegen natürlich erst einmal auf Eis. Sonderburg hat wirklich viel investiert. Da gibt es auf unserer Seite noch deutlichen Nachholbedarf. Das ist mir manchmal schon peinlich gewesen. In die Kulturregion werden die dänischen Kommunen zum Beispiel 60 000 Euro jährlich investieren. Wir fangen mit 16 000 Euro an und sind erst 2018 bei 60 000 Euro. Beide Seiten müssen etwas tun, das ist klar. Als ich 2008 erstmals von der Idee hörte, war ich sofort elektrisiert. Gleichwohl habe ich den Eindruck, dass lange noch nicht jeder auf unserer Seite sie vollständig durchdrungen hat. Wichtig zu wissen ist, dass mit unserem finanziellen Anteil viele gemeinsame kulturelle Projekte realisiert werden können - Nordfriesland also insgesamt davon profitiert.
Wie kann die Energie, der Schwung der Bewerbung erhalten und in die Zukunft getragen werden?
Wir müssen nicht nur an gemeinsame Projekte glauben, sondern sie vorantreiben.
Hat es Sinn, ein Gremium zu schaffen, das die Zusammenarbeit fortsetzt, eine Art grenzüberschreitender Denkfabrik?
Das kann ich mir gut vorstellen. Es ist sicher sinnvoll, Strukturen für gemeinsame Gespräche und Ideen zu schaffen. Dafür ist auf beiden Seiten genügend Potenzial vorhanden.
Der Ansatz von Sonderburg 2017 passt gut zu dem Agenda-Gedanken, global zu denken und lokal zu handeln. Wäre das auch ein gemeinsamer Denkansatz
für die Zukunft?
Das ist ja genau der Gedanke von Sonderburg 2017. Das Globale in den Fokus nehmen, es gemeinschaftlich als Stärkung zu empfinden und konstruktiv zu nutzen. Das ist ja das Wundervolle an dieser ganzen Geschichte. Wir müssen lernen, zu erkennen, dass Randlagendenken einen krassen Widerspruch zu den globalen Herausforderungen darstellt, vor denen wir stehen. Und dass es eine Chance ist, den Kreis der Akteure zu erweitern.
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