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Jens Johannsen erinnert sich: Weihnachten - ein Fest der Liebe und nicht des Schenkens

22. Dezember 2012 | 00:00 Uhr | Von Karin Johannsen


JensJohannsen

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Niebüll. "Wir haben uns über das Bisschen gefreut, was wir hatten. Die Fülle heute erschlägt einen!" Jens Johannsen (Foto) erinnert sich gern an Weihnachten in jüngeren Jahren - an besonders traurige und an schöne. Im Oktober feierte er seinen 101. Geburtstag und ist der älteste männliche Bürger in Niebüll.

Im Gedächtnis ist ihm das große Christenfest 1918 geblieben: Der zweijährige Bruder war kurz vorher ertrunken, der Vater im Krieg gefallen. Ganze sieben Lenze zählte Jens Johannsen, der mit seiner Mutter, zwei weiteren Brüdern und zwei Schwestern in Ockholm lebte. Einen Tannenbaum gab es nicht: "Dafür hatten wir kein Geld." Wie jeden Abend wurden die Petroleumlampen angezündet, viele Lieder gesungen. Nichts "Überwältigendes" kam auf den Tisch. Es war unwichtig. Die Bescherung fiel ebenfalls knapp aus: An Din-A-4-Bögen mit Märchendarstellungen kann er sich erinnern und natürlich an Selbstgestricktes von der Mutter. Knapp zwei Monate später hatten die Geschwister auf dem Außendeich einen ausrangierten Tannenbaum gefunden - mit sieben noch brauchbaren Kerzen. Der wurde zu Hause aufgestellt und Weihnachten eben nachgefeiert.

1947 erlebte Jens Johannsen als Kriegsgefangener ein trauriges Weihnachten in Frankreich. "Ich hatte Heimaturlaub bekommen, war schon im Zug und wurde wieder von der Gendarmerie zurückgeholt, um eine Aussage vor Gericht zu machen." Und trotzdem schlich sich ein wenig Freude in das Herz des Nordfriesen, als die Bäuerin, auf dessen Hof er eingesetzt war, ihm zum Fest eine Mehlklütensuppe gekocht hatte.

Es duftete im ganzen Haus




Gern denkt Jens Johannsen an 1950 zurück. Er war zu Hause bei seiner Familie im Gotteskoog. Zum einen war da die Vorfreude auf sein fünftes Kind. Und Heiligabend erstrahlte der Weihnachtsbaum in der guten Stube, den die Ehefrau Amalie gemeinsam mit dem Weihnachtsmann geschmückt hatte. Kekse, Silberkugeln, silbrige Vögel mit langem Schweif, weiße Kerzen und viel Lametta hingen daran. Es duftete im ganzen Haus nach Gänsebraten und Rotkohl. Natürlich wurde kräftig gesungen, die Kinder mussten Gedichte aufsagen.

Anstrengender, aber auch beschaulicher ging es zu in jenen Jahren im Gotteskoog. "Elektrisches Licht haben wir erst ab 1954 erhalten, fünf Jahre später kam fließendes Wasser aus den Hähnen", berichtet der Senior. 1992 zog das Ehepaar Johannsen nach Niebüll, vor sechs Jahren starb Amalie. Jens Johannsen lebt jetzt in der Seniorenwohnanlage im Bachstelzenring. Über den Tag verteilt kommen alle seine Kinder, mittags gibt es Entenbrust und abends Spargelsuppe. So, wie er es seit Jahren gewohnt ist.


 




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