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Medizin

Wenn die Luft knapp wird

15. Januar 2010 | 04:00 Uhr | Von Joachim Pohl

Gerhard Kornowski: "Ich hatte schon als Sportstudent immer Probleme bei den langen Strecken." Foto: Dewanger

Ein pensionierter Lehrer will seine Erfahrungen mit der Langzeit-Sauerstoff-Therapie weitergeben und eine Selbsthilfegruppe gründen.

Flensburg. Menschen mit Schläuchen in der Nase erwartet man eigentlich nur auf der Intensivstation. Aber gelegentlich und immer öfter sieht man auch in der Öffentlichkeit Personen, bei denen zwei unauffällige, aber letztlich nicht zu übersehende Kunststoff-Schläuche in die beiden Nasenlöcher führen. Diesen Menschen fehlt es an ausreichender Luft - ihnen wurde eine Langzeit-Sauerstoff-Therapie (LOT) verordnet. Die Abkürzung steht für den englischen Begriff "long term oxygene therapy".

Auch Gerhard Kornowski, ein pensionierter Lehrer aus Flensburg, ist ein Betroffener. Seit langem schon leidet er an Fibrose, einer Art Verhärtung des Lungengewebes. "Ich hatte schon als Sportstudent immer Probleme bei den langen Strecken", berichtet Kornowski. Raucher war er auch, immerhin bis Mitte 50. Seit Spätsommer 2008 macht er die Sauerstoff-Therapie. Es sei ein einschneidender Schritt gewesen, der ihm nicht leicht gefallen sei. Aber spätestens seitdem weiß er, dass Betroffene eine Vielzahl an Fragen haben, die ihnen auch Ärzte nicht immer beantworten können.

Luft aus der Thermoskanne

Wenn durch ärztliche Untersuchungen herausgefunden wird, dass durch künstliche Sauerstoffverabreichung eine bessere Luftversorgung bei Patienten erreichbar ist, kommen verschiedene technische Möglichkeiten in Frage. So gibt es Geräte, die den Sauerstoff aus der Luft anreichern und in geringer Menge speichern können; das sind Konzentratoren. Sie sind groß, schwer und laut und werden an einer Steckdose betrieben. Sie werden vor allem Patienten verordnet, die das Haus nicht mehr verlassen können. Bei einem anderen Verfahren wird in einer Art Thermoskanne flüssiger Sauerstoff mitgeführt. Diese Geräte sind klein, leicht zu tragen und fast unhörbar, daher eignen sie sich insbesondere für mobile Patienten, die sich draußen bewegen und Theater, Kaufhäuser und Gaststätten besuchen. Deren Fitness und Beweglichkeit gilt es zu erhalten.

Wer als Patient mit der Möglichkeit einer Sauerstoff-Therapie konfrontiert wird, hat viele Fragen: zur Technik, dem Umgang mit den Geräten, den Schläuchen, der Hygiene, den gesundheitlichen Folgen der Therapie. Weitere Fragen betreffen die Mobilität und ihren Radius: Sport, Radfahren, Spaziergänge, Reisen mit Auto, Bahn, Schiff, Flugzeug.

Kornowski will jetzt Nägel mit Köpfen machen und in Flensburg einen regionalen Ableger der "Deutschen Selbsthilfegruppe Sauerstoff-Langzeit-Therapie e.V." gründen. Solche Gruppen bestehen in den meisten Bundesländern, aber noch nicht in Schleswig-Holstein. Im Austausch mit anderen Patienten möchte er die Hilfe gern weitergeben. Die Gründung der Gruppe Flensburg ist für Mittwoch, 20. Januar, um 16 Uhr im Blauen Saal des Malteserkrankenhauses, Waldstraße 17, vorgesehen. Schirmherr ist der leitende Oberarzt der Medizinischen Klinik Pneumologie, Dr. Koerlings; sprechen werden außerdem ein niedergelassener Lungenarzt, eine Atmungstherapeutin, ein Vorstandsmitglied der bundesweiten LOT und der regionale Gruppenleiter. Auch Vertreter der Versorgerfirmen werden mit Sauerstoff zum Nachtanken, einer Geräte-Ausstellung und zur Beantwortung von Fragen bereit stehen.



Kontakt: Telefon 0461-51264, flensburg@selbsthilfe-lot.de, www.selbsthilfe-lot.de


 


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