HUSUMER NACHRICHTEN
Husum
Seniorenbeirat hat sein Ohr überall
Husum. Wie viel Rundumschlag, der über den Husumer Tellerrand hinausgeht, verträgt der Tätigkeitsbericht des Seniorenbeirats? Einmal im Jahr legt Vorsitzender Gernot von der Weppen der Stadtvertretung nicht nur die übliche Bilanz vor, sondern packt auch alles auf den Tisch, was seiner Klientel vermeintlich unter den Nägeln brennt. Das mag zwar nicht bei jedem gut ankommen, ficht den Mann aber nicht weiter an: Der zurzeit 21 Mitglieder starke Seniorenbeirat mischt sich überparteilich und ohne konfessionelle Schranken ein - eine ehrenamtliche Arbeit, die mit einem Jahresetat von 600 Euro geleistet wird. Und das mittlerweile seit 20 Jahren.
Gefeiert werden soll dieses runde Jubiläum am 28. September mit einer Senioren-Versammlung und dem Rödemisser Spielmannszug, kündigte von der Weppen an. Seit einer Dekade sitzt er im Vorstand des Landesseniorenrats, von 2004 bis Ende vergangenen Jahres war er Vorsitzender des Kreisseniorenbeirats. "Unsere Mitgliedschaft ruht seit Januar, weil der Kreis eine Satzung erlassen hat, die nicht mit der Gemeinde- und Kreisordnung übereinstimmt." Vier Mal reiste der Vorsitzende aus Husum nach Berlin zur Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesseniorenräte: "Wir sind so ein bisschen Motor für die Gründung eines Bundesseniorenrates." Bei sechs Vorstands- und drei Beiratstreffen war ebenfalls Sitzfleisch vonnöten. Dazu kamen unter anderem fünf Sondersitzungen vor Veranstaltungen oder, um den Seniorenwegweiser für Husum und Umgebung zu erarbeiten: "Wir haben 2000 Exemplare bestellt, die sofort vergriffen waren. Da steckt erhebliche Arbeit dahinter."
Seine Mitglieder fragten sich, warum jedes Mal ein ganz neuer Bürgermeister gewählt werden müsse, so von der Weppen. "Gerade hat sich der Amtsinhaber eingearbeitet, da geht das wieder von vorne los." Husum habe schließlich kein Geld - "und ein Bürgermeister muss ja auch versorgt werden, wenn er nicht mehr arbeitet". Man wünsche sich, dass die Stadt bei Baugenehmigungen barrierefreies Bauen in den Vordergrund stelle: "Das ist nicht nur für Senioren wichtig, sondern auch für Familien und Unfallopfer." Und, so von der Weppen weiter, "wir möchten, dass bei geplanten und vorhandenen Wohnquartieren Einkaufsmöglichkeiten geschaffen werden". Überall in Europa kehre man mittlerweile zu Tante-Emma-Läden zurück. "Die Stadt sollte versuchen, festzustellen, welche Gebäude in Husum den Firmen Cashman & Wakefield, Trevira, SPA und Dawney Day gehören, um darauf vorbereitet zu sein, wenn zum Beispiel Sky schließen muss", erklärte der Beirats-Vorsitzende.
Das Gesetz zur Stärkung der Selbstbestimmung ("das alte Heimgesetz") hielt sein Gremium mächtig auf Trab, führte der Redner aus: Seit Juni 2010 in Kraft, gebe es bisher noch keine Ausführungsbestimmungen, zum Beispiel zur Heimfinanzierung. "Das ist ein Skandal, dadurch ist im Heimrecht alles durcheinander." Ferner monierte von der Weppen die Anordnung der Behinderten-Parkplätze vor dem Kongress- und Veranstaltungszentrum in Kielsburg: "Die müssen dichter an die Messehalle ran!"
Die Vertreter der sich zu Wort meldenden Fraktionen signalisierten, für die Belange des Seniorenbeirates immer ein offenes Ohr zu haben, und bedankten sich artig für die Ausführungen. Auch Siegfried Schulze-Kölln (FDP), der allerdings - siehe Einleitung - die ein oder andere "wohlwollende Kritik" äußerte: Die Bürgermeisterwahl sei Sache der Bürger
und das Heimfinanzierungsgesetz keine städtische Erfindung. "Und ich warne davor, Spekulationen über die Schließung von Geschäften anzustellen - das ist kontraproduktiv." Horst Bauer (SPD) sprang dem Redner bei: "Einmal im Jahr können wir einen Seniorenbericht, der den größeren Rahmen streift, wohl aushalten." Kurz und knackig formulierte es Christian Czock (CDU): "Aktiv sein im Alter - das finden wir toll."
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