Hochzeit: Ein Amboss als Altar

13. Oktober 2009 | Von rah

Almdorf. Hochzeiten auf See, in Schlössern, Mühlen oder Leuchttürmen sind kaum noch ungewöhnlich. Doch in einer Schmiede zu heiraten, ist denn doch nicht alltäglich. Für Schmiedemeister Arne Prohn war die kirchliche Trauung eines Paares in seiner historischen Schmiede Premiere.

"Das könnte Schule machen", unkte Stefan Piper aus Hattstedt. Er gehörte zu den 45 Hochzeitsgästen, die sich an dem für eine Hochzeit ungewöhnlichen Ort einfanden. Dicht gedrängt saßen sie in der alten Schmiede in Almdorf, um die Trauung von Ivonne und Hartmut Wieczorek zu erleben. Hausherr Arne Prohn hatte seinen Arbeitsplatz, den Amboss, zum Altar umgestaltet. Kerzen hüllten die sonst mit Neonlicht beleuchtete Werkstatt in ein warmes, weiches Licht. Der heimeligen Atmosphäre konnte sich niemand entziehen. Mit launigen Worten, dabei keinen Moment den für die Brautleute wichtigen Schritt aus den Augen verlierend, gestaltete Pastor Kurt Rieke aus Ostenfeld Andacht und Zeremonie. Die Aussagekraft des Bibelworts "Liebe ist stark wie der Tod, ihre Glut ist feurig und eine Flamme des Herrn" wurde angesichts der Umgebung verstärkt.

"Ich traue gern Paare an ungewöhnlichen Plätzen, denn ich weiß genau, dass sie sich Gedanken darüber gemacht haben", sagte der Seelsorger. "Wir wollten dort heiraten, wo wir uns wohlfühlen und eine Verbindung dazu haben", erklärte der Bräutigam. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin, die in Almdorf geboren ist, hatte er das nur wenige Schritte von der Schmiede entfernte Haus saniert und vor einem halben Jahr mit seiner Liebsten bezogen. Von 1777 an hatten dort die Almdorfer Schmiedemeister gewohnt. Die Brautleute haben schon von Berufs wegen - er ist Architekt, sie Technische Bauzeichnerin - eine Vorliebe für alte Gebäude und Traditionen. Besonders fasziniert sie das geschichtsträchtige Schottland und die Historie der Schmiede in Gretna Green. Dort ließen sich früher viele Briten trauen, weil sie so die in England übliche Zustimmung der Eltern umgehen konnten. 1 134 Paare hatten von 1825 bis 1854 an dem Ort den Bund fürs Leben geschlossen. Heute erlebt Gretna Green einen Hochzeits-Boom. Ob das zukünftig für die Almdorfer Schmiede auch gelten wird, bleibt abzuwarten. Schmiedemeister Arne Prohn sagt dazu augenzwinkernd: "Man muss eben viele Eisen im Feuer haben."

Seit 2001 wirkt er in der Schmiede, die bereits seit 1730 als Huf- und Wagenschmiede existiert. Neben der traditionellen Schmiedekunst beschäftigt sich Prohn mit Restaurationen oder künstlerischen Arbeiten. Er studierte an der Akademie für gestaltende Handwerke in Aachen und ist bekannt geworden durch seine Windspiele, Freilichtobjekte und Skulpturen aus geschmiedetem Eisen, Stahl oder Aluminium. Auf vielen Ausstellungen europaweit ist er präsent.

Weitere Info unter www.arne-prohn.de.


 


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