HUSUMER NACHRICHTEN

 

Husumer Werkstätten

Davon profitieren beide Seiten

22. August 2011 | 04:50 Uhr | Von sma

Beim Sport- und Spieletag in der Fliegerhorstkaserne kamen alle Beteiligten auf ihre Kosten. Foto: Matz

Eine Kaserne als Stätte der Begegnung: Zehnter Sport- und Spieletag mit behinderten Menschen und Soldaten

Husum. Große Emotionen, viel Spaß und Medaillenregen: 500 behinderte Menschen und 130 Mitarbeiter der Husumer Werkstätten für Menschen mit Behinderung waren einen Tag lang zu Gast beim Flugabwehrgeschwader der Bundeswehr in der Fliegerhorstkaserne. Zum zehnten Mal in zwölf Jahren fand dort der Sport- und Spieletag statt. Zwei Mal musste er in der Vergangenheit ausfallen, und die Gründe hätten unterschiedlicher nicht sein können: Im September 2001 wegen des Terroranschlags auf das World Trade Center in New York und vergangenes Jahr wegen Dauerregens.

Feierlicher Auftakt war der gemeinsame Einzug von Sportlern und Veranstaltern auf dem kaserneneigenen Sportplatz. Dazu erklang die Hymne des ehemaligen deutschen Profiboxers Henry Maske "Conquest of Paradise".

An zehn Spiel-Stationen und in sechs Leichtathletik-Disziplinen vom Kugelstoßen über Weitsprung bis hin zum Rollstuhl-Wettfahren gaben die Gäste ihr Bestes und hatten nebenbei viel Spaß. 250 Soldatinnen und Soldaten sowie junge zivile Auszubildende sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Außerdem traten Behinderte und Soldaten in einem Fußballturnier gegeneinander an. Dabei preschten die Soldaten mit offenen Schuhen übers Feld und mussten auch das runde Leder auf diese Weise ins Tor bugsieren.

"Das hier ist eine Mischung aus Paralympics, Bundesjugendspielen und Vogelschießen", erklärte ein junger Soldat. Und Oberstleutnant Ralf Heßmann, Kommandant der Kaserne, sagte zur Begrüßung: "Der Boden-Luft-Verbindungsoffizier hat für bestes Wetter gesorgt. Ihr werdet sicherlich Rekorde aufstellen und an persönliche Grenzen gehen. Heute dürft ihr die Sau rauslassen. Heute wollt ihr alles geben. Nehmt uns mit auf diesen tollen Tag."

"Die Kartoffel will nicht", meinte Rolf, als das widerborstige Gemüse einfach nicht ins Zielloch kullern wollte. "Entenrennen und Gummistiefelwerfen ist einfacher. Die Enten spritzt du mit einem Schlauch durch Tore, und die Stiefel schleuderst du in Autoreifen. Die Kartoffel will nicht. Die ist nicht rund genug."

Heßmann freute sich derweil über die vielen strahlenden Gesichter: "Das sind zehn Jahre Integrationsarbeit der Bundeswehr. Hier können wir etwas wieder geben. Und wenn wir mal sehen, wie gehandicapt und doch ausgelassen fröhlich oder ehrgeizig manche hier am Start sind, dann können wir uns ein Beispiel nehmen."

Truels Hansen, Leiter der Husumer Werkstätten, und Ausbildungsleiter Johannes Frauen unterstrichen die Bedeutung des Events für beide Seiten. "Auch die Soldaten nehmen viel mit. Viele haben keine Erfahrungen mit Behinderungen und fühlen sich unsicher. Hier werden Berührungsängste abgebaut. Eine spannende und wertvolle Erfahrung für alle. Manche treffen sich später in der Stadt wieder, freuen sich und halten einen Schnack."

Während die Spiele noch voll im Gange waren, und die Leichtathleten bereits in den Startlöchern standen, hoffte der geistig behinderte Sportler Sascha, der in Horstedt in der Gartengruppe der Werkstätten arbeitet, dass er seine persönlichen Erfolge toppen könnte. 13,0 sei seine Bestzeit beim 100-Meter Lauf erzählte er stolz, und dass er bereits bei Meisterschaften in Berlin, Halle und Lübeck teilgenommen habe. Beim Sport- und Spieletag schaffte er die Strecke in 12.7 Sekunden.

Die ersten sportlichen Begegnung von Behinderten und Nichtbehinderten fanden übrigens in der Julius-Leber-Kaserne statt. Der damalige Kommandant wollte im Rahmen der Bundeswehr-Ausbildung die soziale Kompetenz seiner Truppe erhöhen, indem Soldaten auf Behinderte zugehen. Dieses Ziel wurde auch diesmal wieder erreicht. Und tatsächlich profitieren beide Seiten von diesem Tag, denn die behinderten Menschen können hier persönliche Erfolgserlebnisse erzielen, während er den Soldaten und zivilen Auszubildenden die Möglichkeit gibt, mit behinderten Menschen, zu denen sie vorher nie oder kaum Kontakt hatten, einen ganz normalen Umgang zu pflegen.


 


Leserkommentare

 


Lokalausgabe wählen

 
 

SONDERTHEMEN

 


Was suchen Sie?

z.B. "Hotel", "Software", "Müller"

Wo suchen Sie?

z.B. "Flensburg" , "Rote Str."

Wen suchen Sie?

z.B. "Hotel", "Software", "Müller"

Wo suchen Sie?

z.B. "Flensburg" , "Rote Str."

 
 

SENIOREN

 
HOCHSCHULE
Campus-Seite
Neues von den Hochschulen im Norden
SERIE
Unter Nachbarn
Leben in der Region Schleswig-Sonderjylland.
 
HÄUFIG GELESEN

Tekin Bicer: Wurde er von den "Hells Angels" ermordet?

Seit zwei Jahren lebt die Familie von Tekin Bicer aus Kiel schon mit der Ungewissheit. Damals ...mehr

 
 


KONTAKT | IMPRESSUM | AGB | DATENSCHUTZ