HUSUMER NACHRICHTEN

 

Kunstausstellung im Rathaus

"Bewegnung" - Teil zwei

03. September 2010 | 04:50 Uhr | Von o

Diese Arbeit stammt von der "Sonnenschein"-Künstlerin Ann-Katrin Christinansen. Foto: hn

Husum. 2003 - anlässlich des 400. Geburtstags der Stadt Husum und des 40-jährigen Bestehens des örtlichen Lebenshilfe-Vereins - sorgte eine Doppelausstellung im Rathaus für Aufsehen. Einer der Initiatoren, Ulrich Lindow, fand für die Ereignisse von damals ein Wort, das dem Ganzen auch gleich als Titel diente: "Bewegnung". Mit dieser Kreuzung aus "Begegnung" und "Bewegung" umschrieb der Schobüller Bildhauer das Zusammentreffen seiner "Lebenshilfe"-Malgruppe mit acht professionellen Künstlern - von Friedel Anderson über Felix Droese bis hin zu Manuel Knortz. Letztere hatten sich jeder auf seine Weise mit der grauen Stadt am Meer auseinander gesetzt. Ihre Eindrücke wurden später in einer Grafikmappe der Husumer Nachrichten mit dem Titel "Acht mal Ansichtssache Husum" zusammengefasst. Als beide Gruppen voneinander erfuhren, beschlossen sie spontan, ihre Projekte unter einem Dach zusammenzuführen. Dabei war die uneingeschränkte Begeisterung der "Profis" für die Arbeiten ihrer behinderten "Kollegen" ein wichtiger Motor.

Jetzt feiert die eine Hälfte dieses vielbeachteten Vorhabens - das zwölfköpfige Künstler-Team der Dieselstraße - im Rathaus ein Comeback. Die Gruppe besteht seit neun Jahren und wird von Uli Lindow betreut. Da der Bildhauer beruflich allerdings stark gefordert und - wie auch derzeit wieder - manchmal mehrere Monate unterwegs ist, stieß im Januar die Husumer Malerin Anja Pletowski hinzu. "Die Gruppe selbst besteht im Kern noch immer aus denselben Leuten wie 2001", sagt Lindow.

Doch weil auf einem Bein bekanntlich schlecht Stehen ist, haben sich die Husumer für ihre Rückkehr ins Rathaus mit der "Künstlergruppe Sonnenschein" zusammengetan. Diese ebenfalls zwölfköpfige Gruppe wurde vor zwei Jahren aus der Taufe gehoben, trifft sich regelmäßig im Atelier der Norderstapler Künstlerin Sabine Boczkowski-Sigges und arbeitet unter dem Dach des Vereins "Sonnenschein-Kinder". Die gemeinsame Ausstellung ist zugleich das erste Zusammentreffen der Gruppen.

Wie schon die Künstler der Grafikmappe geraten auch Lindow, Pletowski und Boczkowski-Sigges regelrecht ins Schwärmen, wenn sie von der Arbeit mit den Behinderten berichten. Natürlich hätten auch die mal gute und mal weniger gute Tage, sagt Lindow, "aber dafür gibt ihnen ihre Behinderung manchmal auch große Freiheiten". Und so entsteht - beinahe beiläufig - eine erstaunliche Nähe zur sogenannten großen Kunst, entdeckt der Betrachter im Bild einer Juliette Kneib oder eines Florian Thiesen unversehens einen Hauch von Walter Stöhrer und Per Kirkeby.

Und da gibt es noch etwas, was diese Arbeit für die Betreuer so außergewöhnlich macht: "Als ich zum ersten Mal in die Dieselstraßen-Gruppe kam, hatte ich mir vorher das Hirn zermartert, wie ich mich dort vorstellen soll", sagt Anja Pletowski. "Und dann nahmen die mich zur Begrüßung einfach in den Arm." Diese Spontaneität und Unmittelbarkeit findet sich auch in vielen Arbeiten wieder, bei denen ihnen die Betreuer so viel freie Hand lassen wie möglich.

Eröffnet wird die Ausstellung mit dem doppeldeutigen Titel "Sonnenschein und Dieselstraße" am Sonntag, 5. September, um 11 Uhr von Uli Lindow. Ein Besuch im Rathaus lohnt sich, denn neben Malerei und Grafik gibt es dort auch "verrückte Objekte" (Boczkowski-Sigges) wie Stühle und Vogelhäuschen sowie "genial verhunzte T-Shirts" (Lindow) zu sehen. Und alles kann käuflich erworben werden. Die Ausstellung endet am 30. September und ist zu den Geschäftszeiten geöffnet.


 


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