HUSUMER NACHRICHTEN

 

"Jugend forscht"

Nachwuchsforscher räumten ab

10. März 2010 | Von Susanne Matz

Noch ausbaufähig: Die Kleinwindkraftanlage von Adrian Jodelko hat erst einen Wirkungsgrad von zwei Prozent. Foto: Matz

Husumer Gymnasiasten sind beim bundesweiten Wettbewerb "Jugend forscht" wieder vorn mit dabei. Die Hermann-Tast-Schule gewann zusätzlich den Schulpreis.

Husum. Schüler der Hermann-Tast-Schule (HTS) und der Theodor-Storm-Schule (TSS) haben beim Wettbewerb "Jugend forscht" außerordentliche Arbeiten präsentiert und dafür wieder Ehrungen abgeräumt. Die HTS wurde überdies mit dem Jugend-forscht-Preis 2010 geehrt. Eine Auszeichnung für den naturwissenschaftlichen Bereich, der alle Tüftler, Lehrer und Schulleiter Walter Fedders mächtig freut.

Computer stehen in fast jedem Haushalt, sagen Björn Henrik Döring und Dominik Jordan. Was aber passiert mit alten Geräten, haben sich die 15-Jährigen gefragt. Um der Sache auf den Grund zu gehen, wählten die Nachwuchs-Chemiker das Thema: "Wie kann man Computerschrott energiesparend durch Auskristallisieren recyceln?" Björn und Dominik setzten sich das Ziel, " eine neue, effektive Methode zu entdecken". Denn auf den Platinen befinden sich wertvolle Metalle. "Mit einem Hammer haben wir eine Grafikkarte bearbeitet, bis sie in ihre Bestandteile zerlegt war. Danach haben wir die gelösten Kleinteile in Salzsäure aufgelöst. Nach einer Woche waren nur noch die Plastikteile übrig. Die Metalle hatten sich in der Säure aufgelöst", beschreiben Björn und Dominik ihre Handlungsansätze. Zu einem endgültigen Ergebnis seien sie noch nicht gekommen: "Wir sind mit unserer Arbeit am Anfang. Aber wir bleiben dran."

Carmen Carstensen, Lena Edlefsen (TSS) und Benjamin Scher (alle 19 Jahre) untersuchten die "Auswirkungen von veränderten Umweltbedingungen auf die gemeine Seepocke". Die Stoffwechselaktivitäten seien bei der Seepocke gut sichtbar. Ziel sei gewesen, zu erforschen, welche Auswirkungen die globale Erwärmung auf diese Lebensform hat, die im sauren Bereich empfindlich und im alkalischen Bereich toleranter reagiert. Globale Erwärmung bedeute die Versäuerung der Meere, und das hieße langfristig, dass Seepocken aussterben. Diese jedoch nehmen eine elementare Rolle in der Tierwelt ein, so die aufrüttelnde Erkenntnis verbunden mit dem eindringlichen Appell Schers: "Standby-Geräte ausschalten, umweltfreundliche Technik einsetzen und regenerative Energie nutzen, um der Globalerwärmung entgegen zu steuern."

Löwenzahnkautschuk eignet sich

Ebenfalls auf natürliche Bestandteile setzten Sven Ebel (12) und Jan Benedikt Pietrock (11): Die Jungchemiker versuchten mit Hilfe ihres Lehrers Ralf Kammann Klebstoff aus Naturmaterial - also einen Biokleber - herzustellen. Und es gelang: Nach Zugabe von diversen Pflanzenextrakten zu geschmolzenem Bienenwachs fanden sie einen Naturstoff, der sich eignete: Löwenzahnkautschuk. "Wir haben die Wurzel angeritzt und mit einem Uhrenglas den Kautschuk abgetragen", erinnern sich die Schüler, die mächtig stolz darauf sind, dass sich "Papier, Pappe und Plastik mit dem Biokleber super" fixieren lassen.

Mit einem Langzeitprojekt beschäftigt sich Hagen Püschel. Seit 2003 beobachtet der Abiturient in einem schwedischen Gewässer die Ansiedlung von Flußkrebsen und arbeitet an Habitats-Verbesserungsmaßnahmen. Mit Verlassen der Schule soll sein Einsatz nicht beendet sein, sagt der Preisträger.

Ebenfalls mit Tieren arbeiteten Arne Gleinke, Bjarne Sauer und Frederik Wulf: Die Sechstklässler stellten ein biologisches Vergrämungsmittel für Schnecken her. "Erst haben wir nach Pflanzen gesucht, die von Schnecken nicht angefressen werden, und deren Inhaltsstoffe erforscht. Man muss auch einen Geruchstest machen und das bespritzte Gemüse soll auch noch schmecken, wenn man es isst", so das junge Forscher-Team, das seine Erkenntnisse noch optimieren will.

Mit einem Bastel-Osterei geht es auch

Eine Kleinwindkraftanlage baute Adrian Jodelko. Die Bauteile sind eher unspektakulär: 26-Zoll-Felge, Induktionsdynamo, ein zum Windschlauch umgebastelter Kite mit Schlitzen, ein Bastel-Osterei und ein paar Kleinteile. "Man braucht keine Baugenehmigung, kann die Anlage kostengünstig bauen und überall aufstellen. Ab sieben Knoten läuft das Ding. Betrieben werden kann damit eine Halogenlampe. Und es ist ein Prototyp mit einem Wirkungsgrad von gerade einmal zwei Prozent - also ausbaufähig", sagt Jodelko, der an der Optimierung weiter tüfteln wird, um es zur Serienreife zu bringen. Die berechtigte Hoffnung darauf haben auch die anderen Teilnehmer des Regionalwettbewerbs, zu dem auch noch "geruchloser Knoblauch" und ein "Druck erzeugendes Vertikalwindrad" gehören.

"Jugend forscht ist wie die Ernte von etwas Schönem, das die selbstständigen Leistungen der Schüler in den Fokus rückt und unheimlich motiviert", sagt Ralf Kammann von der AG Naturwissenschaft der HTS. Dank gebühre in diesem Zusammenhang auch dem Hausmeister der Schule, Thomas Adler, und Naturwissenschaftler Friedrich Twenhöven.


 


Leserkommentare

 


Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben. Anmelden

Warum muss ich mich anmelden/registrieren?

shz.de distanziert sich prinzipiell von allen in den Leserkommentaren geäußerten Meinungen ohne Rücksicht auf deren Inhalte. Alle Beiträge in den Leserkommentaren geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen der User wieder.

Bitte beachten Sie unsere Richtlinien für Kommentare!


Lokalausgabe wählen

 
 

SONDERTHEMEN

 


Was suchen Sie?

z.B. "Hotel", "Software", "Müller"

Wo suchen Sie?

z.B. "Flensburg" , "Rote Str."

Wen suchen Sie?

z.B. "Hotel", "Software", "Müller"

Wo suchen Sie?

z.B. "Flensburg" , "Rote Str."

 
 

SENIOREN

 
HOCHSCHULE
Campus-Seite
Neues von den Hochschulen im Norden
SERIE
Unter Nachbarn
Leben in der Region Schleswig-Sonderjylland.
 
HÄUFIG GELESEN

Tekin Bicer: Wurde er von den "Hells Angels" ermordet?

Seit zwei Jahren lebt die Familie von Tekin Bicer aus Kiel schon mit der Ungewissheit. Damals ...mehr

 
 


KONTAKT | IMPRESSUM | AGB | DATENSCHUTZ